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Dieser von dir identifizierte Widerspruch könnte natürlich damit zusammenhängen, dass die Frau von der Fleischtheke und globale Konzerne keine deckungsgleichen Interessen aufweisen. Gerade klassische Modernisierungsverlierer sehen in der Globalisierung eine große Bedrohung und keine Chance.
Davon abgesehen würde ich als mögliche Erklärung für die Reaktion der Dame im Biomarkt Unsicherheit und schlicht Hemmungen, welche aus fehlenden Sprachkenntnisse herrühren, nicht ausschließen.

Letzteres denke ich auch. Es ist natürlich eine Schwäche, die man sich eingestehen muss und die dann erst überwunden werden kann. Das fällt vielen Menschen schwer und dann wird einfach direkt in die Defensive gegangen. Hätte die Dame an der Theke nicht gleich den Vorhang zugemacht, denke ich, dass die Sprachbarriere hier kein Problem gewesen wäre.
In Ländern mit besseren Englischkenntnissen gibt es ja diesen Stolz für die eigene Sprache kaum. In z.B. Stockholm ist die Landessprache keine große Hürde für die Integration, solange man Englisch spricht.

Lange Rede, kurzer Sinn. Wenn man im Alltag regelmäßig angefeindet wird, wird man sich ungeachtet der eigenen Motivation nicht integrieren (können).
 
Ich empfehle jeden doch bitte mal in Frankreich ohne Französischkenntnisse zu arbeiten. Oder schon manche Gegenden in der Schweiz mit dem falschen Dialekt, da kann man die Erfahrung quasi aus erster Hand machen.
 
Ich arbeite zwar nicht in Frankreich, bin da aber fast wöchentlich aufgrund irgendwelcher Einkäufe, Fressgelagen oder sonstigen Besorgungen. Und mein Französisch ist relativ beschränkt, wurde aber deswegen noch nie angefeindet – im Gegenteil. Die Franzosen sind sehr freundlich. In Nähe der Grenze können gar viele besser Deutsch als so mancher Schweizer. :O_o:

Und hier wurde ich eigentlich auch noch nirgends aufgrund meines Dialekts angefeindet. :?
 
Auch wenn es beide Länder nicht gerne hören werden, aber Frankreich und Deutschland sind sich in vielen Dingen recht ähnlich. Besonders in Sachen Gastfreundlichkeit. :D
In der Schweiz habe ich allerdings zwei Freunde, die keine der Landessprache wirklich sprechen und sehr glücklich dort sind. Allerdings ist der eine Architekt und der andere Ingenieur. Da ist das soziale Umfeld wahrscheinlich ein anderes.
 
Ich hab häufig das Gefühl, dass diese aggressive Reaktion eher Trotz ist, weil sich die Leute "bloßgestellt" fühlen, weil sie selber kein Englisch sprechen.

Das wird auch so sein in den meisten Fällen.

Hat mich gestern erst unglaublich aufgeregt als wir im Biomarkt waren, sie an der Fleischtheke nach 100g Bacon gefragt hat und es ein abweisendes Schulterzucken mit den Worten "Ich kann kein Englisch." als Antwort zurückgab. Und das zieht sich durch alle Bereiche im Leben. Ärzte, Ticketschalter, Geschäfte. Es ist ein großer Stressfaktor für sie, dass sie die Sprache kaum spricht und deswegen oft schlecht behandelt wird.

Einfach nur traurig und beschämend. Bei mir kommen oft ausländische Studenten rein, die nur englisch können, die sind teils ganz überrascht aber auch froh, daß ich ohne weiteres mit denen reden und die gar beraten kann. Ich selber hab damit auch gar kein Problem, im Gegenteil, es ist für mich eine Art Training, da man im Alltag einfach zu wenig Englisch spricht.
 
Diese auf bestimmte Nationen beschränkte "Eigenschaften" sind doch Quatsch. Gibt sicher überall Lappen, der Grossteil der Menschen ist aber sehr offen und freundlich. Sogar bei euch.

Edit: Bis auf Nürnberger, das sind alles fremdenfeindliche Grobiane.
 
Es gibt schon Tendenzen, die eben z.B. hier mit der allgemeinen Englischkenntnis einhergehen (oder auch politische, kulturelle Gründe haben können). Meine Freundin war ja auch oft und lange in Amsterdam und hat sich dort immer sehr wohl gefühlt und hier bricht sie in Tränen aus, weil sie kein Deutsch spricht.

Abseits von diesen Alltagssituationen haben wir aber schon viele positive Erfahrungen gemacht. Gibt viele Menschen, die sehr offen sind, aber die vielen Anfeindungen aufgrund der fehlenden Deutschkenntnisse stressen sie sehr.
 
Äh, wenn den Satz jemand so gebracht hätte nur mit "Migranten", "Muslimen", "Juden" oder sonst was anstelle von "Deutschen" würdest du ihn wohl zurecht schief angucken, oder?
Ich bitte dich, das kannst du besser. Das ist der Kontext und nur in diesem ergibt meine Aussage Sinn:
Der Islam, so wie er von vielen gelebt wird, ist allerdings auch schon mal ein Integrationshemmnis an sich.
Das Leben, das von vielen Deutschen gelebt wird, ist auch ein Integrationshemmnis an sich.
Aber da beißt sich nunmal die Katze in den Schwanz wenn man die Debatte auf dieser Ebene führt.
Es geht mir ja gerade um die Nicht-Aussagekraft einer solchen Pauschalaussage plus der Kritik daran, dass Integration als etwas verstanden wird was eine Seite aktiv zu erbringen hat während die andere Seite nur passiv auf das Gelingen hofft.

Ist vermutlich einfach schwerer freundlich zu sein, sich an die Gesetze zu halten (die sich möglicherweise sogar mit bisher eigenen Bräuchen beißen können), von Trotteln schlecht behandelt/ausgegrenzt zu werden UND die Sprache zu lernen als nur freundlich zu sein und sich an die Gesetze zu halten. Doof dass es so ist, aber wohl einfach schwerer.
Darum geht es doch gar nicht; das die Situation für die eine Seite massive Veränderung mitbringt steht doch gar nicht zur Disposition.
Es geht darum ob die eine oder die andere Seite eine (höhere) Bringschuld hat, während man dies der anderen Seite nicht attestiert. Unter Bringschuld versteht man u.a. die "Aufgabe des aktiven Partners in einer Interaktion, sich um den Erfolg zu bemühen" (wiktionary.de).
Wenn man also nur Neubürger*innen dieses Landes eine Bringschuld zuschreibt, dann bedeutet das, dass die Integration einzig und alleine ihre Aufgabe ist. Aber haben wir als aufnehmende Gesellschaft nicht auch ein ebenso (!) großes Interesse an einer gelingenden Integration?
Wenn ja (und da sind wir uns ja eigentlich alle einig), dann haben wir eben auch eine Bringschuld. Und zwar die, Integration gelingen zu lassen. Dass die Anstrengungen bei der einen Seite umso größer sind heißt aber eben nicht, dass sie die größere Bringschuld hat, sondern eben nur das: sie hat die größeren Anstrengungen.

Und ne, ich muss nicht jedem Essenszubereiter in seiner Landessprache danken können, um ihm ne schöne Integration zu ermöglichen.

Den Vorbehalt des Überspitzens setze ich vorsorglich auch mal lieber.
Schön, dass du dir die Hintertür der Überspitzung ebenso offen hältst wie ich es getan habe, aber ich habe das Gefühl du verstehst mich mit Absicht falsch.
Ich habe sehr bewusst von der "Bereitschaft" (sic!) gesprochen "auch mal" einige Wörter der Landessprache von Menschen zu lernen, die wir in unsere Gesellschaft aufnehmen wollen und mit denen man im Alltag eben Umgang hat.
Das sind nicht mehr als kleine Gesten, dass man sich eben auch für die andere Kultur interessiert und bereit ist, sich ein Stück weit zu öffnen und zu signalisieren: hey, du musst nicht den ganzen Weg auf mich zukommen, ich mache dir auch einige Schritte entgegen. So etwas kann ein echter Türöffner sein.
Aber man kann dazu auch strikt nicht bereit (!) sein und einen solchen Umgang mit seinen "Essenszubereitern" ablehnen.
 
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Ich stimme dir zwar oft überein und manchmal nicht aber geh mal in dich...würdest du dein Kind wirklich in einem "Problembezirk" auf die Schule schicken wenn du weißt, dass es auch "bessere" Schulen gibt?
Es ist in keinster Weise wertend gemeint, aber es ist eben genauso ein "Integrationshemmnis" wie viele es in diesem oder jenem Verhalten von "Ausländern" sehen.
Nichts anderes will ich damit zum Ausdruck bringen.
 
Es geht mir ja gerade um die Nicht-Aussagekraft einer solchen Pauschalaussage plus der Kritik daran, dass Integration als etwas verstanden wird was eine Seite aktiv zu erbringen hat während die andere Seite nur passiv auf das Gelingen hofft.

Es ist aber förderlich, das der Integrationswillen auch da ist. Wenn ich z.B. mein Kind aufgrund meines Glaubens nicht zum Schwimmunterricht lasse, dann hat man da schon ein Konflikt geschaffen der nicht förderlich für die Integration ist.
 
Es ist aber förderlich, das der Integrationswillen auch da ist. Wenn ich z.B. mein Kind aufgrund meines Glaubens nicht zum Schwimmunterricht lasse, dann hat man da schon ein Konflikt geschaffen der nicht förderlich für die Integration ist.
Geschenkt, aber das muss eben für alle Beteiligten gelten: dann muss bei allen der Integrationswillen da sein.
Und der mag in deinem Beispiel für dich nicht erkennbar sein, den erkenne ich aber ebenso wenig bei Deutschen™, die bei einem Beispiel wie meinem mit den Arabischen Basics im Falafelladen sofort Beißreflexe zeigen ala 'in Deutschland spricht man aber nun mal Deutsch'.
 
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