Ich merke gerade an meiner Freundin, wie wichtig die Sprache für die Integration ist. Sie kommt aus Griechenland und ist in erster Linie wegen mir umgezogen. Sie spricht also kein oder kaum Deutsch. Sie will natürlich die Sprache lernen und tut es auch in kleinen Schritten, aber da sie Vollzeit arbeitet und nebenher ihren Master macht, hat sie einfach wenig Zeit dafür. Glücklicherweise ist Berlin in seiner Freizeit sehr offen für Ausländer und es gibt keine Barriere in Bars und auf Partys. Anders sieht es allerdings im alltäglichen Leben aus. Es wird eine unfassbare Feindschaft an den Tag gelegt, wenn jemand beispielsweise im Supermarkt kein Deutsch spricht. Hat mich gestern erst unglaublich aufgeregt als wir im Biomarkt waren, sie an der Fleischtheke nach 100g Bacon gefragt hat und es ein abweisendes Schulterzucken mit den Worten "Ich kann kein Englisch." als Antwort zurückgab. Und das zieht sich durch alle Bereiche im Leben. Ärzte, Ticketschalter, Geschäfte. Es ist ein großer Stressfaktor für sie, dass sie die Sprache kaum spricht und deswegen oft schlecht behandelt wird.
Das ist nur eine kleine Anekdote, aber es zeigt wie dumme Parolen wie "In Deutschland wird Deutsch gesprochen" die Integration hemmen. Es ist wichtig als Gesellschaft den Menschen trotz anderer Sitten und fehlenden Sprachkenntnissen respektvoll zu behandeln. Und wie soll diese Gesellschaft sich in die Richtung entwickeln, wenn selbst Regierungsparteien klipp und klar sagen, dass diese und jene Religion nicht zu Deutschland gehört. Wie soll sich ein Mensch fühlen, von dem nicht einmal mehr gefordert wird, sich anzupassen oder zumindest seine Kultur im Rahmen unserer Gesetze auszuüben, sondern der aufgrund seiner Herkunft abgelehnt wird, dem gesagt wird, er gehöre nicht zu Deutschland, während auf europäischer Ebene mindestens mit der Freizügigkeit innerhalb der EU gesagt wird, er würde das tun. Und selbst auf globaler Ebene wollen wir doch den Austausch mehr als jemals zuvor, wirtschaftlich und kulturell, und dann nimmt man die Möglichkeiten einer globalisierten Welt wahr und wird mit einer Betonmauer vor der Nase begrüßt.