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Die große Sexismus-Debatte

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Was ist an der einen Kolumne peinlicher als an der anderen?
Ich gehe im übrigen davon aus, dass die Sarkasmuswarnung sowohl Frau Stokowskis als auch Herrn Fischers Kommentar gilt?
 
Was ist an der einen Kolumne peinlicher als an der anderen?

Thomas Fischers Kolumne (bei der Zeit Online) ist zwar ziemlich fies geschrieben (für einen Bundesrichter vielleicht zu fies), aber faktisch immer korrekt. Stokowski zeigt im verlinkten Artikel (und nur um den geht es mir, nicht um die gesamte Kolumne) hingegen nicht nur, dass sie nicht die geringste Ahnung von der Rechtslage hat, sondern will sich dabei auch gleichzeitig ausgerechnet über einen Bundesrichter lustig machen... peinlicher geht's nun wirklich nicht mehr.

Ich gehe im übrigen davon aus, dass die Sarkasmuswarnung sowohl Frau Stokowskis als auch Herrn Fischers Kommentar gilt?

Selbstverständlich, auch wenn Stokowskis Sarkasmus meistens nicht wirklich elegant oder auch nur witzig ist.
 
Darf man sich "ausgerechnet" über einen Bundesrichter nicht lustig machen, oder wie?
Zumal ich jetzt nicht den Eindruck habe sie würde Herrn Fischer generell dessen Expertise und Sachverstand absprechen.
Abseits davon bietet Fischers Chauvinismus aber doch genügend Fläche, an der man mit Kritik ansetzen kann.
Stilistisch gehe ich wie gesagt hier wie dort nicht so wirklich mit.
 
Darf man sich "ausgerechnet" über einen Bundesrichter nicht lustig machen, oder wie?

Doch sicher, Deutschland ist ein freies Land, da darf man sich sogar über einen Bundesrichter lustig machen, wenn man es denn kann. Und selbst wenn man es nicht kann, darf man es noch tun, solange man dabei die Grenze der Beleidigung nicht überschreitet.

Es ist eben nur ziemlich peinlich, wenn man als sowieso schon nicht unumstrittene Kolumnistin in einem der größten und renommiertesten Nachrichtenportale Deutschlands ausgerechnet einem Bundesrichter erklären will, wie das Sexualstrafrecht zu funktionieren hat, noch dazu mit so offenkundiger Ignoranz der Rechtslage.... da darf man sich dann auch nicht wundern, wenn man daraufhin genauso öffentlich abgewatscht wird.
 
Ok, ich hatte wie gesagt beim Lesen gar nicht so das Gefühl als würde sie groß auf einer rechtlichen Ebene diskutieren. Von daher sehe ich diesen Punkt nicht so wild.
Mir sind dafür aber beim Lesen von Fischers Kolumne ganz ähnliche Punkte unangenehm aufgefallen, die auch Stokowski anschließend in ihrem Text aufgreift. Das sind zum einen das mehr oder minder latente slut-shaming von Frau Lohfink. Und die Passage mit den Hormonen.

Was den Punkt "Ignoranz der Rechtslage" angeht. Bezogen auf mich selbst: ich habe in den letzten Tagen und Wochen gefühlt unzählige Artikel und Kommentare zu dem Thema gelesen und habe danach das Gefühl überhaupt nicht zu wissen welche Position mit welchen Punkten Recht hat. Ist schon ein extremer Grabenkampf. Und es ist ja nicht so, dass es nicht auf beiden Seiten "Expert*innen" gibt, bei denen man jeweils sagt "der oder die sollte es ja eigentlich wissen, also..."
 
Die Retourkutsche finde ich auch bisschen lame. Ich schätze aber, er hat sich da ganz bewusst auf ihr Niveau herabbegeben. Trotzdem schwach, auch wenn er seinen Diss wesentlich unterhaltsamer formuliert. Ihr Kommentar konnte mich kaum bis zum Ende fesseln.
 
Genau genommen tut er das schon seit die Diskussion 2015 wieder hoch gekocht ist immer mal wieder, das schreibt Stokowski in ihrem Artikel ja sogar selbst. In seinem aktuellen Artikel zum Thema hat er nur noch einmal die letztendlich verabschiedeten Änderungen auseinandergenommen.

Die traurige Ironie dabei ist, dass mit dem höchstwahrscheinlich sowieso verfassungswidrigen Paragraphen 184j die gesamten Änderungen konterkariert werden, weil er bewirkt, dass sich ein an einer Vergewaltigung physisch unbeteiligter "Zuschauer" niemals als Zeuge aussagen wird, da er sich damit selbst strafbar machen würde (sofern der 184j tatsächlich ohne Änderungen durch den Bundesrat kommt und auch nicht vom BVerfG gekippt wird).
Damit bleibt als einzige in der Praxis denkbare Situation, bei der eine Vergewaltigung beweisbar wäre, obwohl sich das Opfer nicht wehrt, eine vom Täter oder dem Opfer gefilmte Vergewaltigung, also genau die Konstellation der (angeblichen) Vergewaltigung von Gina-Lisa Lohfink. Wie man sieht, ist eine Vergewaltigung damit aber schon jetzt nicht zweifelsfrei zu beweisen, und wenn man den potentiellen Vergewaltigern mit einer so idiotischen Formulierung nun auch noch eine "Handlungsanweisung" gibt, was sie als einziges nicht machen dürfen, wird es auch nach diesem angeblichen Paradigmenwechsel zu keiner einzigen Verurteilung kommen, die es ohne ihn nicht auch gegeben hätte... wohl eher im Gegenteil.
 
Hab neulich mit ner 80jährigen gesprochen. In ihrem Studium hatte ein Arzt und Prüfer zu ihr gesagt:

"Eigentlich hätten Sie eine 1 verdient. Aber Frauen gebe ich grundsätzlich keine 1".
 
Es gibt neues vom Fall Lohfink: Mittlerweile haben die beiden angeblichen Vergewaltiger Strafanzeige wegen falscher Verdächtigung, Verleumdung, Beleidigung und übler Nachrede gegen sie erstattet.

Am Montag geht das Widerspruchsverfahren gegen ihren Strafbefehl weiter, und ich prognostiziere mal, dass sie verlieren wird, auch wenn die Strafe möglicherweise etwas reduziert wird.... und wenn das passiert, bin ich mal gespannt, ob sich die diversen #TeamGinaLisa-Schreihälse dann genauso lautstark bei den zu Unrecht der Vergewaltigung bezichtigten Typen entschuldigen werden.
 
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