2, 1, Risiko. Da ich es wie Darkwing Duck halte, habe ich mir gestern die PC Version (vor)geladen und heute, über den Tag verteilt, gleich mal drei Stunden reingespielt.
Nein, ein 1/10 Titel ist das ganz bestimmt nicht. Das ist lächerlich. Dafür sind die ersten Spielstunden einfach schon zu solide. Also kurz zu jedem Punkt ein paar Worte:
Grafik: Ist auf dem PC sehr hübsch. CryEngine (von einem ehemaligen Crytek Studio) eben. Tag/Nach- und Wetterwechsel bringen eine schöne Stimmung mit, das zerstörte Philly ist detailliert und erstaunlich belebt und auch sonst sieht es gut bis fantastisch aus. Animationen sind manchmal ein bisschen steif und die Framerate gerät hier und da ins Stocken (habe alle Grafikeinstellungen auf "High" gedreht), aber es bleibt (bisher) immer spielbar. Es wirkt aber alles etwas hakelig und "roh". Erinnert ein bisschen an die alten Assassin's Creeds, bei denen man auch gerne an Objekten hängen blieb, mit strampelnden Beinen an der Leiter rumzuckte oder wo Passanten über den Boden schwebten, anstatt zu laufen. Alle technischen Probleme bewegen sich aber in einem absolut spielbaren Rahmen.
Inszenierung: Lahm. Irrwitzig zusammenkonstruierte Story, einschläfernde In-game-Gespräche statt echter Zwischensequenzen und insgesamt eine eher bodenständige und unaufregende Umsetzung. "Gehe zu Person A, die dir in einem Gespräch näheres zu Ort B erzählt, vom dem du zu Ort C geschickt wirst, wo du Besatzungslager D vernichten musst." Steif und beliebig. Aber auch hier gilt: Hat man schon schlechter gesehen. Immerhin sind die deutschen Sprecher richtig gut. U.a. Denzel Washingtons Stimme war gleich dabei und spricht auch engagiert.
Gameplay: Irgendwas zwischen Far Cry, Assassin's Creed und Crysis. Eigentlich sogar ganz gut, auf Dauer aber eventuell ermüdend. Far Cry ist die offene Welt, die Missionsstruktur und die unzähligen ABMs (Radios anschalten, Türme einnehmen, Lager vernichten, Panzer sprengen, ...).
In den gelben Zonen (rot = Rebellen haben die Überhand, alles zerstört; gelb = umkämpft, noch bewohnt; grün = Feindgebiet, "neuwertig") spielt es sich wie Assassin's Creed in den "bewachten Gebieten". Heißt: Du musst unentdeckt bleiben. Indem du zwischen Zivilisten untertauchst, dich in Mülleimern versteckst, Kameras umgehst und Gegner leiste ausschaltest. Wirst du gesehen, verfolgt dich gefühlt die gesamte Besatzungsmacht, bis du dich 'ne Zeit lang versteckt hast. Eine nette Abwechslung zum offensiven Part, mein persönlicher Fall ist es aber nicht. Da kriege ich mehr Wut als sonstwas. Vor allem, da man recht wenig aushält.
Das Gunplay fühlt sich schlussendlich wie Crysis an. Recht schwer, mit modifizierbaren Waffen und einem "realistischen" (= schwammigen) Schussverhalten. Könnte deutlich präziser sein. Ich treffe da kaum was. Wobei ich mir noch nicht sicher bin, ob das an der Unfähigkeit der Entwickler, meiner eigenen oder einfach daran liegt, dass die Rebellen eben nicht die besten Waffen haben bzw. diese erst mal verbessert werden wollen. Die Waffen können nämlich alle, gegen Geld und/oder "Erfahrungspunkte" aufgemotzt werden. Weniger Rückstoß, höhere Präzision, mehr Munition und sogar ganze Waffen-Mods, die aus einer Pistole eine MP und aus einem Gewehr ein Sniper machen. Ist ziemlich cool. Beschränkt sich aber nicht nur auf Waffen, sondern auch Gadgets (Drohnen, Granaten, Hacking-Tools, etc.) und sogar die eigenen Klamotten (bessere Knieschoner, um weiter rutschen zu können, ein größerer Rucksack für mehr Munition und ähnliches) können angepasst werden. Granaten & Co können zum einen gekauft, zum anderen aber auch on-the-fly Zusammengebaut werden. Dafür braucht es natürlich zuvor gesammeltes Material.
Überhaupt wurde das Rebellen-Setting richtig gut umgesetzt. Nicht nur optisch, die Waffen sind individualisiert und sehen wirklich aus wie selbst gebaut, sondern auch spielerisch. Man hat beispielsweise recht wenig Munition, ich war schon häufiger "leer". Oder auch die Tatsache, dass überall was los ist und vorhandene Rebellen-NPCs mitkämpfen, wenn sie in der Nähe sind (man kann sogar CPU-Partner anheuern, ähnlich wie bei Saints Row).
Das Leveldesign ist ebenfalls gelungen. Weitläufige Straßenzüge, enge Gassen, viele begehbare Gebäude (zerstörte genau so wie noch unversehrte), Motorräder (wobei ich damit dauernd irgendwo anecke), eine überraschend hohe Vertikalität und überall installierte Rebellen-Fallen (Explosivfässer, "Katapulte", etc.). Gibt viele Möglichkeiten die Feinde auszuspähen, sie zu umgehen oder direkt und taktisch anzugreifen.
Ersteindruck: Nicht schlecht. Auf der Pro-Seite: Hübsche Optik, fantastische Atmosphäre, solides Gameplay in einer belebten und (spielerisch) durchdachten Open-Stadt und nette Modifikationen. Nicht so fein: Einige technische Macken, beispielsweise auch unsaubere Kollisionsabfragen, eine staubtrockene Inszenierung und typisches Ubisoft-Gameplay, das sich auf Dauer gnadenlos abnutzen könnte, vor allem, weil die Story (bisher) eben kaum motiviert.