Genau. Kabarett muss sich intellektuell anspruchsvoll verpacken und sich an die Gebildeten richten, damit es lustvolle Unterhaltung der Privielegierten bleibt.
Politisches Kabarett sollte intellektuell anspruchsvoll sein, wenn es für gebildete und schlaue Menschen unterhaltsam sein soll, stimmt.
Dass wenigter intelligente und ungebildete Menschen es dann vielleicht nicht gleichermaßen genießen können, ist nur ein unglücklicher Nebeneffekt, sicher aber nicht das Ziel von intellektuell anspruchsvollem politischem Kabarett.
Aber die haben dafür ja Pispers und Mario Barth.
Die lassen sich halt ungern sagen, dass sie Teil des Problems sind.
Genau. Die intellektuelle Elite in Deutschland (oder in westlichen Demokratien überhaupt) ist Teil dieses gigantisches Problems, dass wir in den freiesten und wohlhabensten Gesellschaften der Menschheitsgeschichte leben. Schuldig im Sinne der Anklage, würde ich sagen. Oder welche Probleme meinst du denn genau? Oder möchstest du vielleicht, so wie Pispers, immer nur irgendwelche systemischen Missstände andeuten, ohne je konkret zu werden? Vielleicht weil es diese systemischen Missstände so gar nicht gibt? Oder vielleicht gibt es sie, aber sie sind eingebettet in ein komplexes System, weswegen sie nicht so einfach behoben werden können?
Alles Andere ist automatisch dümmlich und irreführend. Die Intellektuellen arbeiten natürlich nicht mit Halbwahrheiten und Vereinfachungen, sondern verweisen darauf, dass alles unendlich kompliziert ist und daher im Prinzip unabänderlich.
Die Intellektuellen suchen nach funktionierenden Lösungen für komplexe Probleme, mögen diese Lösungen sich am Ende als simpel oder als komplex herausstellen, wichtig ist, dass sie funktionieren. Niemand behauptet, dass etwas "unabänderlich" sei, nur weil es kompliziert ist. Es ist allerdings notwendig, zuerst das Problem zu verstehen.
Da ist Pispers natürlich ganz anders. Der weiß von einer gerechteren Welt und wer sich ihr entgegenstellt, tagtäglich.
Und die benennt und beleidigt er, klar und eindeutig! Damit wird er zum Linken jenseits der SPD und für viele ungenießbar.
Genau, diese tolle gerechtere Welt, wie sieht die denn aus? Wenn er sich in dem von dir geposteten Video z.B. über die (angebliche) "Alternativlosigkeit" unseres Wirtschaftssystems lustig macht, was schwebt ihm denn dann als Alternative vor?
Der "Sozialismus des 21. Jahrhunderts", nach dem Vorbild von Venezuela, wo sich vor den Geschäften schon in den Morgenstunden lange Schlangen von Menschen bilden, die versuchen, Luxusgüter wie Nahrungsmittel oder einfache Haushaltswaren zu ergattern?
Oder gleich Hardcore-Kommunismus wie in Nordkorea, mit Hungersnöten, Mangelwirtschaft und weit verbreiteter Unterernährung?
Der geniale Wirtschaftstheoretiker Pispers lässt mich staunend zurück, wenn er sich über unser Wirtschaftssystem in einer Weise lustig macht, die impliziert, dass es doch völlig offensichtlich wäre, was getan werden müsste, damit alles noch viel besser werden würde.
Und ich würde doch so gerne mitlachen, ich würde mich doch auch so gerne lustig machen über unser ach so schlechtes Wirtschaftssystem, aber ich kann nicht, weil mir einfach Pispers Genialität im volkswirtschaftlichen Bereich fehlt. Weil ich die offensichtlichen Fehler unseres marktwirtschaftlichen Systems und vor allem die simplen Lösungen, mit denen diese so einfach behoben werden könnten, einfach nicht sehen kann.
Ich bin scheinbar, so leid mir das tut, genauso dumm wie die führenden Politiker und Wirtschaftswissenschaftler der westlichen Industrienationen.
Wobei. Halt, stop. Dann ist Pispers eigentlich ein ziemlich schlechter Mensch, oder? Er hat alle diese Lösungen, aber er teilt sie uns nicht mit. Und das, obwohl es doch das Leben von vielen Millionen Menschen so viel besser machen würde. Das könnte man doch als ziemlich asozial bezeichnen, findest du nicht?
Wobei. Das würde voraussetzen, dass er diese Lösungen auch wirklich kennt. Dass diese Lösungen überhaupt wirklich existieren.
Aber das tun sie doch, oder? Und Pispers kennt diese Lösungen doch, oder?