Uff, ich habe gerade eine ziemlich beschissene Situation mitverursacht. Meiner Freundin geht es aktuell nicht gut, sie schuftet ziemlich hart auf der Arbeit, hat als vorgesetzten Vertriebsleiter ein ziemliches Arschloch als Chef und zwei Kolleginnen, die halbtags immer schön die Eierstöcke schaukeln und ihr die ganze Arbeit zuschieben, sie bleibt als Vollzeitkraft auf den ganzen harten Fällen sitzen, während die früh in den Feierabend fahren. Sie ist also mental ziemlich fertig, heult viel im Feierabend rum, macht im Haushalt ganz wenig (ich versuche das dann halbwegs aufzufangen, koche jeden Tag für uns, kaufe ein etc.) und macht keinen Sport, weil sie einfach voll von der Rolle ist.
Dann hatte sie Freitag für mich ein Geschenk zuhause bei ihren Eltern vorbereitet, kam spät nach Hause und brach auf einmal in Tränen aus, ihr Vater hätte sie gefragt, ob sie schwerer geworden sei, es sähe so aus.
Ich hatte dann ziemlich die Faxen dicke, hab mir mein Handy geschnappt und ihm bei whatsapp geschrieben, dass er mich manchmal fassungslos mache und man Menschen, die am Boden liegen, nicht noch weiter tritt. Sie hätte einen scheiss Job, scheiss Kolleginnen und würde sich hier noch um den ganzen Haushalt kümmern – das habe ich geschrieben, um zu unterstreichen wie sehr sie sich aufopfert, wobei der Haushalt in den letzten 2-3 Monaten zu großen Teilen von mir getragen wird. Rückwirkend übertrieben habe ich es anscheinend mit dem Satz „Mach doch mal dein Gehirn an“. Er solle sich bitte bei ihr entschuldigen.
Ich hatte ja schon immer meine Probleme mit ihm, das hatte sich aber im letzten Jahr etwas gebessert. Und nun scheine ich alles in Brand gesteckt zu haben. Zurück kamen zwei Nachrichten, die ziemlich unter der Gürtellinie waren, dass ich mir ja ein schönes Leben machen würde, dass ich der Pascha wäre, schön Bundesliga gucken, während seine Tochter ja den ganzen Haushalt schmeißen müsste. Und es wäre ja das allerletzte von uns gewesen, sich vorletzte Woche zum Grillen einzuladen und uns nicht bei seiner Frau mit einem Blumenstrauß zu bedanken, die sich ja so den ganzen Tag in der Küche aufgerieben hätte.
Das ist von daher ganz absurd, da die Mutter meiner Freundin Hausfrau mit Herzblut ist, nicht arbeitet und der da zuhause die Arbeit abzunehmen, da kannste leichter in Nordkorea die Demokratie einführen. Er macht fast nichts im Haushalt und wenn man ihr den Haushalt wegnehmen würde, sie hätte ja nichts. Keine Freunde, kein Verein, keine Verwandten (sie kommt ursprünglich aus Bukarest), keine Erwerbstätigkeit. Dabei haben wir das vorgeschlagen, weil wir mal wieder mit denen Zeit verbringen wollten, weil es schönes Wetter war und wir dachten, das sei eine schöne Idee. Außerdem wird die wirklich herzliche aber etwas naive Mutter durch die jüngere Schwester und den Vater ziemlich gepiesackt, einfach weil sie so ein einfaches und etwas hektisches sowie putzintensives Muttchen ist. Wir kommen auch hin und wieder vorbei, um ihr eine Freude zu machen, Abwechslung zu bieten. Im Nachhinein dieses Termin so schlecht zu machen, da war ich baff. Dass der Vater behauptet, ich würde zuhause den Pascha spielen, zeigt ja nur wie wenig er uns kennt. Er interessiert sich auch gar nicht für uns, fragt nicht was bei der Arbeit abgeht, was wir am Wochenende machen. Es werden höchsten Pflichttermine abgeklappert, wie Geburtstag, Hochzeitstag, Ostern und Weihnachten. Dass man mal sagt, kommt doch mal vorbei – das kommt nicht vor.
Nun ist die Sache eskaliert, es ist Funkstille. Meine Freundin schämt sich sehr für das Verhalten ihrer Eltern, dass sie mir auch gestern nicht zum Geburtstag gratuliert haben, vor allem stürzt man sich jetzt auf diese Aussage, ohne noch darüber nachzudenken, ob dieses Piesacken vielleicht scheiße war. Ist halt ne schwierige Situation, er ist der Familien-Patriarch, der Allein-Ernährer, der Home-Officer, der nie Widerworte erhält. Ergo nicht konfliktfähig. Jetzt komm ich. Konfliktgeil. Schlechte Kombination.
Aber er lebt halt auch argumentativ in seiner eigenen Welt, er würde sich nie hinterfragen, er hat ja auch keine Freunde, wenig Kontakt zu Verwandtschaft, es kommt nie jemand zu Besuch. Ich glaube er wird irgendwann wie sein eigener Vater, der seit Jahren keinen Kontakt zu Kindern und Enkeln hat und mit seiner neuen Frau in einem Haus wohnt, aber getrennt auf 2 Etagen.
Ich habe affektiert da sowas rausgehauen, weil ich es nicht ertragen habe, dass meine Freundin geheult hat wie ein Schlosshund. Aber jetzt habe ich sie in eine so unmögliche Situation reingedrängt, dass es mir selber unangenehm ist. Wen ich zum Feind habe oder nicht, dass ist mir scheißegal. Aber ich will auch keinen Keil zwischen einer Tochter und ihrem objektiv bescheuerten Vater treiben.