Enemy
Ehm, ja. Was habe ich da gerade gesehen?

Jedenfalls nicht das, was ich erwartet hatte. Ok, meine Erwartungshaltung hätte schwammiger auch nicht sein können, habe ich nie auch nur einen einzigen Trailer gesehen und mich lediglich auf den Coveraufdruck
"Vom Regisseur von 'Prisoners'" und den von mir sehr geschätzten Jake Gyllenhaal verlassen. Prognostiziert wurde von mir daraufhin ein spannender Thriller, verdauen musste ich nun aber ein surreales Charakterdrama (?).
Kurzer Abriss der Ausgangssituation: Adam (Jake Gyllenhaal) führt ein redundantes und unscheinbares Leben als Geschichtsdozent, bis er in einem Film den Schauspieler Anthony (Jake Gyllenhaal) entdeckt, der ihm gleicht wie ein Ei dem anderen. Besessen von seinem vermeintlichen Doppelgänger stellt er Nachforschungen an.
Ein durchaus interessanter Handlungsfaden, der mit viel Feingefühl und vor allem Ruhe gesponnen wird. Hier wird teils minutenlang kein Wort gesprochen, während sich die hypnotisierenden Aufnahmen entfalten, um sich schlagartig in surrealen Ausbrüchen zu entladen. Nein, Enemy ist kein "leichter" Film, eher eine Charakterstudie, fast schon Arthouse. Getragen, und zwar nahezu im Alleingang, von Jake Gyllenhaal in einer faszinierenden Doppelrolle, welcher hier die wohl beste und gleich auch noch zweitbeste Leistung seiner Karriere abliefert.
Bisher macht
Enemy eigentlich alles richtig. Mal abgesehen von der geschmacksabhängigen Inszenierung, gibt es eine mitreißende, weil geheimnisvolle Handlung und einen begnadeten Schauspieler zu sehen. Ich habe nur ein einziges Problem mit diesem Film: Ich verstehe ihn nicht.

Ich begreife nicht, was hier passiert ist, wieso es passiert ist und was mir der Autor damit sagen möchte. Er hat schlicht und ergreifend kein (erklärendes) Ende. Und es gibt nichts, was ich bei Filmen mehr hasse als eine, zunächst sogar sehr vielversprechende, Geschichte, die sich, aus welchen Gründen auch immer, schlussendlich als heiße Luft erweist, weil sie einfach keinen Gedanken zu Ende führt. Ok, vielleicht habe ich auch nicht aufmerksam genug hingeschaut, aber ich konnte, zwischen den ganzen surrealen Bildern, schweigsamen Dialogen, symbolträchtigen Spinnen und vereinzelten Andeutungen, keinerlei hinreichende Erklärung der Ereignisse finden. Und so etwas frustet mich.
Bis zum nicht vorhandenen Ende ist
Enemy jedoch ein erstklassig gespieltes, mysteriöses Charakter-Kammerspiel. Ein Film den artsy-fartsy-Indie-Fans sicherlich und auch zurecht lieben werden, während sich Zerfikkas die gestohlene Zeit zurückwünschen.

Für Gyllenhaal gibt's die Höchstpunktzahl, der wirre und unbefriedigende Rest zieht die Wertung aber nach unten, wobei mich die zwei paar Brüste wohlwollend aufrunden lassen.
6/10 DVDs