NIOH - Complete Edition (Steam)
Eigentlich wollte ich mich in der (Vor-)Weihnachtszeit ja mal wieder auf ein Spiel konzentrieren und mich richtig schön darin verlieren.
Im Endeffekt habe ich seit Anfang Dezember so viele verschiedene Spiele halbherzig angezockt und ausprobiert wie schon lange nicht mehr.
Auf diese Spiele will ich, eben wegen meiner "Halbherzigkeit", hier auch gar nicht eingehen, obwohl es einige davon sicherlich verdient hätten.
Das einzige Spiel, das mich, seit Release der PC-Version im November, tatsächlich alle paar Tage mal wieder an das Gamepad gelockt hat, ist NIOH.
Mittlerweile nähere ich mich der Vierzigstundenmarke und die Lust am Weiterspielen wird immer größer.
Aber warum ist das so? Eigentlich trägt NIOH nix Neues zum Spielekosmos bei, sondern bietet einen bunten Mix aus Gameplay-Elementen, die alle irgendwo schon mal da gewesen sind.
Mich packt das Spiel schon bei der Wahl seines Settings. Endlich werden mir die japanische Kultur und die Mythologie mal in einer Form dargeboten, die ich persönlich auch ernst nehmen kann (keine Schulmädchen). Die Geschichte erinnert stark an die aus dem Roman/der TV-Reihe "Shogun". Ein Europäer kommt Anfang des 17. Jahrhunderts als Seefahrer nach Japan und schafft es, dort als Außenseiter Fuß zu fassen und sich mehr und mehr in die Kultur zu integrieren bis er plötzlich selbst zum Volkshelden wird. Ich habe diese Serie als Kind zum ersten mal gesehen und habe jede Folge in mich aufgesogen. Aus diesem Grund hatte auch NIOH sofort einen dicken Stein bei mir im Brett. Natürlich geht NIOH viel mehr in eine übersinnliche Richtung mit Schutzgeistern und dämonischen Yokai und die Story ist nur eine Kulisse, vor der das kampflastige Gameplay ausgetragen wird, aber die grundlegende Geschichte und der Hauptcharakter zeigen doch eindeutige Parallelen.
Das Gameplay ist eindeutig von der Souls-Reihe inspiriert, weshalb es auch zurecht in das Sub-Genre der "Souls-Likes" eingeordnet wird (hoher Schwierigkeitsgrad / Gegner respawnen nach jedem Bildschirmtod / Alles dreht sich um eine zentrale Ressource zum Aufleveln, die man von besiegten Gegnern erhält, die man beim Sterben aber auch wieder verlieren kann).
Eigentlich fand ich dieses Genre bislang zwar Interessant, konnte es aber nur in Maßen genießen, weil es mir eine sehr langsame und geduldige Spielweise abverlangt. Dark Souls II habe ich z.B. durchgespielt, Teil 3 und "The Source" habe ich aber jeweils nach kurzer Zeit wieder zur Seite gelegt.
Des Weiteren enthält das Gameplay, hinsichtlich des Loot-Systems, deutliche Elemente aus Spielen wie Diablo - Man könnte fast schon sagen, NIOH ist ein Item-Grinder. Man wird förmlich überschüttet mit farblich codierten Rüstungsteilen, Waffen und konsumierbaren Items. Das Ganze wird noch ergänzt durch ein umfangreiches Crafting-System, das das Schmieden und Aufwerten von Ausrüstung erlaubt, sowie das optische Umgestalten von Ausrüstung und das neue Auswürfeln von einzelnen Eigenschaften und Effekten.
Eigentlich habe ich auch Diablo nie besonders intensiv gespielt, weil es mir immer zu repetitiv war. Aber die Art und Weise, auf die NIOH diese beiden Spielkonzepte mixt, stimmt für mich persönlich einfach. Es macht tatsächlich Sinn, sich mit seiner Ausrüstung und den damit verbundenen Buffs auseinander zu setzen, weil man sich die schweren Kämpfe dadurch wirklich ein Stück leichter machen kann.
Generell bietet NIOH einige Möglichkeiten, wie man sich das Leben etwas vereinfachen kann. So gibt es mit der Beschwörerkerze z.B. ein Item, das man gar nicht so selten bekommt, mit dem man sich verlorene "Seelen" (hier Amrita) wieder zurück holen kann. Mit den persönlichen Schutzgeistern wurde dann noch ein Element eingeführt, das es dem Spieler erlaubt, gelegentlich in eine Art Super-Modus zu schalten, in dem man extrem viel Schaden austeilen kann und quasi unverwundbar ist. Auch der Fernkampf wurde viel besser umgesetzt als in den Souls-Spielen. Es gibt Bögen, Luntenschloss-Gewehre und Handkanonen. Beim Drücken des linken Schulterbuttons steuert sich die Figur wie in einem Third-Person-Shooter und mit einem präzisen Headshot kann man viele Gegner one-hitten. Dafür ist die Munition, die man tragen kann, stark begrenzt.
Und dann wären da noch die zahlreichen Skilltrees, die ein Dark Souls so auch nicht bietet. Es gibt für jede einzelne Waffengattung einen Skilltree, der nochmals eine Individualisierung und Spezialisierung des eigenen Charakters zulässt. Dann gibt es noch jeweils einen Tree für Ninjafähigkeiten und für Magie (wobei es sich hier überwiegend um Supportzauber handelt und nicht um mächtige Angriffszauber ala Feuerball).
Zusammenfassend kann man also sagen, NIOH bietet viele Spielelemente, die es sich lohnt zu beherrschen, ohne dass das Spiel dadurch zum Selbstläufer wird. Wer mit dem grundlegenden Spielprinzip eines Souls-Likes und mit dem Loot-Overkill eines Diablo gar nichts anfangen kann, der wird wohl auch NIOH nicht mögen. Aber man sollte sich nicht abschrecken lassen, nur weil man bisher in die o.g. Spiele vielleicht nicht hunderte von Stunden investiert hat.
Ich vergebe ungerne Wertungen für Spiele, weshalb ich hier auch keine Zahl drunter schreiben werde. Aber NIOH hat mir bisher so gut gefallen, dass ich es in meiner Wahl zum Spiel des Jahres auf Platz 2 gesetzt habe.