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Verzichtet Ihr, in Zeiten der Maßlosigkeit?

  • Ersteller Ersteller Urgs
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Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Ich finde es ein wenig seltsam, was hier tlw. aufgezählt wird.
Wenn man sich keine Markenklamotten kauft, weil es das einem nicht wert ist oder man als Antialkoholiker keinen Wein trinkt, dann ist das doch kein Verzicht?

Ich muss das Ding ja begehren, mir leisten bzw. haben können und es IN DIESER SITUATION dann trotzdem nicht in meinen Besitz bringen - aus den unterschiedlichsten Gründen. Alles andere ist kein Verzicht.
 
Gerri schrieb:
Urgs schrieb:
Nö, bin jetzt hier, lieg auf ner Betonplatte, lass mich vom Wind berieseln und geniesse die Akkustik. Und denke über den Thread nach ... :D

Auf Betonplatten liegen macht natürlich am meisten Spaß :ugly:

Is auf jedenfall besser als man denkt! :D
Hatte kein Handtuch mitgenommen, weil ich ja eh keine Wurzeln schlagen wollte, sondern bisschen rumfahren.

Aber hey, wenn ich in nem Garten sitzen will, kann ich auch zu meinem Mom fahren, die hat ne Gartenlaube. Is ja nun keine gartenfreie Zone, so eine Stadt.
 
Ich glaub, an ne Laube kommt man in Berlin relativ leicht, momentan. Gibt wohl viel Leerstand. Muss man aber auch Arbeit investieren. Is ja meist alles Jahrzehnte alt.
 
In so so einer Art Schrebergarten? Boah, das wär ja mein Alptraum :D. "Ihre Hecke ist 2cm zu hoch, den Busch dürfen sie nicht pflanzen und am nächsten Samstag um 07:15 haben wir hier Spießerversammlung, da müssen sie kommen."
 
Da ist sicherlich was dran. Wobei es da teilweise halt auch nen Generationswechsel gibt. Viele alte sterben weg, junge Leute kommen nach. Da muss man schon genau gucken, mit wem man sich da in nen Verein setzt. Aber ich hab auch schon alternative Beispiele gesehen.
 
om3ga schrieb:
Ich finde es ein wenig seltsam, was hier tlw. aufgezählt wird.
Wenn man sich keine Markenklamotten kauft, weil es das einem nicht wert ist oder man als Antialkoholiker keinen Wein trinkt, dann ist das doch kein Verzicht?

Ich muss das Ding ja begehren, mir leisten bzw. haben können und es IN DIESER SITUATION dann trotzdem nicht in meinen Besitz bringen - aus den unterschiedlichsten Gründen. Alles andere ist kein Verzicht.

Kommt drauf an wie man das Wort interpretiert.
Verzicht kann mMn auch eine einfach bewusste Entscheidung gegen etwas sein um einen positiven Effekt daraus zu erhalten.
Wie zB Verzicht auf Alkohol und Zigaretten um gesünder zu leben.
 
Kann es sein dass es hier noch überhaupt keinen gab der verzichtet wegen einer Maßlosigkeit? Ich glaube der threadtitel hätte heißen müssen "wo übertreibt es vollkommen?" dann hätte ich gleich mal sagen können dass ich zu viel Lebensmittel wegwerfe was mir auch jedes mal weh tut, vor allem bei Fleisch. Keiner hier hat bislang wegen Maßlosigkeit unserer Gesellschaft verzichtet, alles Ego Sachen die ich hier lese, ihr seid die reinsten Egoisten.
 
Marcello schrieb:
Kommt drauf an wie man das Wort interpretiert.
Verzicht kann mMn auch eine einfach bewusste Entscheidung gegen etwas sein um einen positiven Effekt daraus zu erhalten.

Urgs hat Verzicht der Maßlosigkeit (im Konsum) gegenüber gestellt: Absolut uneingeschränkter Konsum bis zu dem Punkt, an dem es nicht mehr gut für das Individuum ist, und darüber hinaus. Dem zugrunde liegt der Wunsch nach Konsum (aus welchem Grund auch immer) und der anschließenden, möglichst schnellen Erfüllung eben dieses Wunsches.

Verzicht in diesem Zusammenhang bedeutet dann, dass auch hier Wünsche bestehen, diesen aber aufgrund bestimmter anderer Faktoren nicht nachgegeben wird - eben weil diese anderen Faktoren einen höheren Stellenwert für das Individuum besitzen als die Wunscherfüllung. Es werden also persönliche Nachteile wahr- und in Kauf genommen, um etwas anderes zu erreichen.

Jemand, der auf Markenklamotten "verzichtet", weil ihm der Aufpreis nicht gerechtfertigt erscheint, verzichtet vielleicht im Sinn des "Nicht-Habens/Erwerbens" auf diese Dinge, nicht aber im Sinne eines persönlich empfundenen Nachteils, den er absichtlich und in Hinblick auf eine ihm wichtiger erscheinende Sache gezielt in Kauf nimmt.
Dementsprechend ist auch keinerlei Willensanstrengung o.Ä. notwendig und damit als Diskussionsgrundlage geradezu banal.

Wenn ich auf Alkohol verzichte, weil ich kein Bedürfnis danach habe, ist das wohl weniger der Rede wert, als wenn ein langjähriger Alkoholiker durch Selbstbeherrschung seiner Sucht widersteht, weil er weiß, dass er sonst seine Beziehung gefährdet.
 
Was ist denn Verzicht eigentlich? Ist Verzicht, wenn man einfach etwas nicht tut? Oder muss es diesen gewaltvollen Unterton von Selbstkasteiung haben?
Ich "verzichte" auf ein paar Dinge, allerdings nicht so, dass ich mich dazu zwingen muss, oder ich das Gefühl habe, dass mir dabei etwas fehlt. Das ergibt sich bei mir mehr oder weniger von selbst.
Z.B. hab ich kein Smartphone, weil ich nicht auch noch unterwegs Mails beantworten möchte, bzw. weil ich denke, dass man auch mal einige Minuten ohne externe Bespaßung auskommen kann. Ich finds immer etwas eigenartig, wenn zwei Leute nebeneinander sitzen, beide ins Handy vertieft. (Aber ja, natürlich liegt das am Nutzer und nicht am Gerät, wie immer ist verantwortungsvoller Umgang möglich).
Feiern gehe ich auch nicht oft, eher, weil ich es immer schade finde, wenn ein ganzer Tag kaputt ist, weil man noch so fertig ist. Außerdem habe ich gern einen halbwegs einheitlichen Schlafrythmus, auch am Wochenende.
Mein Auto hat momentan meine Freundin, weil die es besser gebrauchen kann.

Trotzdem konsumiere ich. Ich kaufe gern hin und wieder schicke Klamotten, auch wenn sie etwas teurer sind. Ich gebe recht viel Geld für Outdoorkrams aus. Ich esse gerne Fastfood oder gehe auch mal mit meiner Freundin essen. All sowas eben. Ein schlechtes Gewissen habe ich dabei nicht. Ich habe schließlich für mein Geld gearbeitet.
Ich glaube jedenfalls, in meiner früheren Jugend zu sparsam gewesen zu sein. Das mache ich jetzt anders. Und solange das Geld nicht allzu knapp wird, sehe ich keinen Grund, etwas zu ändern.
 
pil schrieb:
Kann es sein dass es hier noch überhaupt keinen gab der verzichtet wegen einer Maßlosigkeit? Ich glaube der threadtitel hätte heißen müssen "wo übertreibt es vollkommen?" dann hätte ich gleich mal sagen können dass ich zu viel Lebensmittel wegwerfe was mir auch jedes mal weh tut, vor allem bei Fleisch. Keiner hier hat bislang wegen Maßlosigkeit unserer Gesellschaft verzichtet, alles Ego Sachen die ich hier lese, ihr seid die reinsten Egoisten.

Jop haste Recht aber in solchen Sachen bin ich einfach egoistisch.
 
Naja, Verzicht im engen Sinn zielt wohl eher auf die Dinge ab, die man sich wünscht, aber nicht umsetzt. Warum auch immer. Verzicht im weiteren Sinn kann wohl auch auf Dinge ausweiten, die man in den Augen in der Gesellschaft schon haben könnte und die vielleicht auch jeder hat, die man sich aber, aus welchen Gründen auch immer, nicht leistet.

Ein Auto zählt sicher dazu, aber vielleicht auch schöne Reisen, Fernseher, große Steoroanalgen, Apple-Produkte oder sonst etwas, das man entweder gar nicht braucht, oder das es auch einen Spur billiger gibt.
 
Verzicht üben, innerhalb der Maßlosigkeit, sollte auch gar nicht bedeuten, dass man ein großes Opfer leistet, ohne nicht auch persönlich daraus Profit zu schlagen. Wenn wir uns dafür entscheiden, kein Auto zu fahren, dann bedeutet das ja auch, dass wir uns viel mehr bewegen müssen, was sicherlich kein Nachteil ist. Genauso wie ich mich vor anderhalb Jahren dafür entschieden habe, unter der Woche kein Fleisch und keine Süßigkeiten zu essen. Das ist auch eine Form von Verzicht, die mir letztlich zugute kommt. Im Überangebot der Wohlstandsgesellschaft ist weniger oft mehr. Wer auf ein Smartphone verzichtet, weil ihn sein email-verkehr schon so aufn Sack geht, der hat dadurch auch gewonnen. Wer sich nicht jedes Jahr das neuste ipad kauft, sondern sich sagt, ich bin nur in jedem 4 oder 5 Jahr dabei, der erhält sich sicherlich auch länger die Freude an solchen Spielereien und spart auch einiges an Geld.
 
Wer viel leistet, darf sich schon mal etwas leisten. Auch Dinge, die auf den ersten Blick für andere unnötig teuer und damit wie Angeberei wirken. Maßlosigkeit bei materiellen Dingen beginnt dort, wo man sich mit einer finanziellen Anstrengung übernimmt. Wer sonst sparsam lebt, sich bewusst ernährt und nicht auf jeden Hypetrain aufspringt, macht's mmn richtig.

Was ich nicht verstehen kann, ist wie man Dinge auf Pump kaufen kann. Mit leeren Taschen einkaufen gehen, entspricht nicht meiner Mentalität.
 
Sleipn1r schrieb:
Wer viel leistet, darf sich schon mal etwas leisten.

Was bedeutet denn aber "Leistung"? Leistet die unter Zeitdruck stehende Reinigungskraft, die ein Bürogebäude von oben bis unten sauber hält, wirklich weniger als die sesselpupsende Bürokraft hinterm Schreibtisch?

Die meisten würden rein vom Gefühl her wohl auch sagen, dass der Chirurg in der städtischen Klinik weit mehr leistet als der millionenschwere Manager vom Großkonzern und trotzdem ist der Chirurg sowohl finanziell, als auch in Sachen Freizeit absolut unterbezahlt.

Für mich ist das absolut im Ungleichgewicht, insbesondere, wenn ich bedenke, dass die 14-Stunden-Schicht-Näherin, die das Adidas-Shirt herstellt, nie auch nur annähernd in der Lage sein wird, sich das zu leisten, anders als ich mit meinem recht läppischen 9,5 Stunden Tag (1 Stunde Mittagspause).

Im Titel geht es ja eben auch um Maßlosigkeit und das bedeutet für mich nicht, dass man auf den Ferrari verzichtet, den man sich sowieso nie wird leisten können, sondern auf die Dinge, die eben eigentlich auch erreichbar wären. Und auf etwas absolut freiwillig zu verzichten, weil eben dieser Überkonsum herrscht, ist meiner Meinung nach auch voll das Thema. Und wo Überkonsum sich selbst und/oder auch anderen schadet (Stichwort Ausbeutung, Überfettung, etc.), da ist es eben dann absolut Zeit, mal über seinen Konsum nachzudenken.

Maßlosigkeit hat nicht nur was mit reichlich Cash zu tun, wenn die unglückliche Hartz4-Mutti sich nur noch von billigen, krankmachenden Lebensmitteln ernährt, weil diese eben günstig und schnell zu haben sind, dann ist das genauso maßlos, wie der gelangweilte Manager, der sich seine Golfschläger mit Diamanten besetzten lässt.
 
Da kommt es aber auch wieder auf das Maß an, imho.
Wenn man einmal das Konto überzieht, mit dem fixen Wissen, das in wenigen Wochen wieder ausgleichen zu können, dann finde ich das in Ordnung. Wenn aber neben dem Hauskredit noch 3 andere Privatkredite zurückzuzahlen sind und man immer noch nicht gelernt hat mit Geld umzugehen, dann wird es kritisch.
 

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