Ich möchte gar nicht wissen, wie sich Hillary Clinton jetzt fühlt. Diese Frau hat sich seit dem Studium in der Politik engagiert, wollte immer etwas verändern, etwas verbessern, hat fast ihr gesamtes berufliches Leben dem Dienst an der Öffentlichkeit verschrieben.
Dann hat sie sich jahrzehntelang alles aufgebaut, die Netzwerke in der Partei, die Präsidentschaft ihres Mannes mit ihm durchgestanden, Senatorin, dann der Verlust der demokratischen Vorwahl gegen diesen jungen, unbekannten Grünschnabel Barack Obama. Wie frustrierend!
Aber statt aufzugeben hat sie weitergearbeitet, hat unter Obama als Außenministerin gearbeitet, sich noch mehr Erfahrung, noch mehr politisches Profil zugelegt. Und dann endlich nach 8 langen Jahren kann Obama nicht mehr antreten und endlich ist ihre Chance gekommen, mit Ende 60 mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ihre letzte Chance. Und dann kommt irgendwoher dieser alte Bernie Sanders und spricht die Jugend an und die Linken und plötzlich sieht es so aus, als könnte ihr wieder jemand die Vorwahl abnehmen. Aber sie kämpft und aktiviert alle Netzwerke die sie sich über die ganze Zeit in der Partei aufgebaut hat und diesmal schafft sie es endlich und wird für die Demokraten nominiert.
Und dann schaffen es die Republikaner tatsächlich nicht, diesen Donald Trump, diesen unflätigen, unsympathischen Milliardär aus dem Vorwahlrennen zu werfen. Und einen nach dem anderen seiner Konkurrenten wirft Trump aus dem Rennen. Und die republikanische Partei, die ihn zuerst nur ausgelacht hat, weil er ja wirklich absurdes Zeug redet und ein Scherzkandidat ist, macht sich langsam Sorgen. Denn Trump hat keine Chance, wenn er antritt, da sind sie sich sicher. Also mobilisieren sie gegen ihn. Aber die Republikaner werden ihn einfach nicht los. Und dann geschieht wirklich das unglaubliche: Trump wird nominiert für die Republikaner.
Nun ist sich Clinton sicher, dass sie das Rennen machen wird. Es gibt einfach keine Chance, dass dieser Clown, dieser absolut politisch unfähige Trampel im Hauptwahlkampf eine Chance gegen sie hat.
Und Trump liefert. Im Hauptwahlkampf teilt er verbal aus, gegen Frauen, Ausländer und alle möglichen Gruppen. Er hat keine inhaltlichen Botschaften, nur inhaltsleere Aneinanderreihungen von Worthülsen, die manchmal mehr und manchmal weniger Sinn machen.
Und dann taucht noch dieses Video auf in dem sagt er noch, dass er Frauen einfach küssen muss und das auch einfach macht und dass man ihnen einfach an die Pussy greifen kann. Und jeder sagt: Der hat keine Chance gegen Clinton.
Dann kommt die Wahlnacht und statt endlich, nach Jahrzehnten Karriere, als erste weibliche Präsidentin der USA in die Geschichte einzugehen, entscheidet sich das Volk mit eindeutiger Mehrheit für einen Reality-TV Multimilliardär mit fraglichen Geschäftspraktiken, der meint, dass man als Star Frauen auch gerne mal an die Pussy greifen kann. Einen Mann, der nie vorher im Government gearbeitet hat, nicht einmal im Militär gedient hat.
Das muss einfach nur ein unfassbar mieses Gefühl sein. Politik ist echt so ein unglaublich undankbarer Job, manchmal.
Und wir fragen uns, warum die besten Leute mit den guten Charaktereigenschaften es in diesem Bereich der öffentlichen Arbeit oft nicht lange aushalten oder damit gar nicht anfangen...