So, 10 Runden, also ca. 90 Minuten gespielt. Wow. Nun bin ich fertig mit den Nerven und meine Hände zittern.

Wie die meisten von euch wissen, bin ich ein alles verschlingender Fast-Food-Gamer. Heißt: Ich spiele alle Genres sehr gerne, dafür aber eben nie sonderlich intensiv. Heißt weiter: Ich liebe Ego-Shooter, bin aber ein ziemlich mäßiger Spieler, da ich mich eben nur selten länger an ein und dem selben Game bzw. Genre aufhalte. Deswegen ist auch ein Titanfall, obwohl mir das Setting und grundlegende Spielprinzip gefällt, kein Selbstläufer in meiner Gunst. BF4 habe ich beispielsweise 6 Stunden gespielt, die Lust verloren und es seitdem nicht mehr angerührt.
Titanfall ist da irgendwie anders. Da hat mich der Titan mit seinen mächtigen Metall-Pranken gleich an den Eiern gehabt. Ja, ich muss sagen, dass es jedem Krümel Hype gerecht wird. Das fängt schon bei der makellosen Steuerung an. Bei BF treffe ich nichts und bekomme nur auf den Sack. Dachte immer, dass es an meinem miesen Aiming liegt, aber anscheinend ist es eher das ganze Spielkonzept und die Steuerung an sich. Bei Titanfall läuft nämlich alles rund, ich habe zu jeder Sekunde die volle Kontrolle, treffe dort hin, wo ich hin ziele und sterbe tatsächlich nur aus nachvollziehbaren Gründen. Es fühlt sich einfach grandios an. Egal wie viel gerade auf dem Schirm abgeht - und da geht so einiges ab - man weiß immer, was zu tun ist, wie man es tun kann und freut sich darüber, dass es dann auch noch genau so funktioniert wie man es sich ausgemalt hat. Grandiose Steuerung und, trotz reichlich Action, "übersichtliches" Spielgefühl.
Stichwort Spielgefühl: Es wirkt tatsächlich so als hätte Quake 3 mit Call of Duty ein Kind gemacht und es mit Mech Warrior gefüttert. Das Tempo ist hoch, Jetpack und Wallruns bringen noch mehr Geschwindigkeit und Bewegungsmöglichkeiten ein und grandiose Ideen wie die Burn Cards (Fähigkeitenkarten, die man für bestandene Challenges gewinnt und dann in einer Runde "verbrennen" darf - wie etwa: 25% erhöhte Laufgeschwindigkeit, 80 Sekunden weniger, bis der Titan einsatzbereit ist, irgendeine besondere Waffe, etc.) sorgen tatsächlich für noch mehr Adrenalin. Das wird übrigens auch ausgeschüttet, wenn die Titans auf das Schlachtfeld gerufen werden. Während sich der Matcheinstieg noch wie CoD auf Quake anfühlt, regnet es nach drei Minuten (ca. die Zeit, die es braucht, bis die ersten Titans abrufbereit sind) Mechs vom Himmel und damit auch Schweiß von der Stirn. Wenn sich auf ein mal 6 riesige, ebenfalls sehr agile und mit reichlich Waffenpower bestückte, Roboter auf den verhältnismäßig kompakten Maps bekriegen und man als kleiner Fußsoldat zwischen ihren Beinen hin und her tanzen muss, dann kommt das breite Grinsen von ganz allein. Hätte ich keine Ohren, hätte ich eben einige Male im Kreis gegrinst. Beispielsweise dann, wenn du in deinem Titan sitzt, zwei gegnerische Mechs mit Mühe ausgeschaltet hast, daraufhin von einem Raketenwerfer abgeschossen wirst, dich in den Himmel katapultierst und auf dem Weg nach unten deinen Nemesis mit einem gezielten Schuss aus der hochfrequent summenden SMG zerschießt. Toll! Das sind wahnwitzige Actionmomente, die hier anscheinend an der Tagesordnung sind. Ich habe jedenfalls in jeder Runde solche Aha-Momente erlebt.
Bin gerade echt hin und weg. Mal abgesehen von der eingestaubten Optik - die aber bei weitem nicht so schlimm ist, wie manch einer vermutet, weil man schlicht und ergreifend keine Zeit hat, sich vernünftig umzuschauen - macht Titanfall so vieles richtig und einiges sogar noch besser als die Konkurrenz. Die Steuerung ist eine Wohltat, das Spielgefühl herrlich schnell und ausbalanciert, die Titans fügen sich hervorragend ein, das Levelsystem motiviert, viele interessante Kleinigkeiten (wie Burn Cards oder auch die sympathisch-dummen NPCs) sorgen für noch mehr Spielspaß und das Actionballett, das hier getanzt wird, sucht seinesgleichen. Ja, genau,
"bei BF ist viel mehr los! Titanfall sieht so steril und langweilig aus! Zudem sind 12 Spieler viel zu wenig!" (Wie es mir zwei Kumpels letztens verklickern wollten). Bei BF4 muss ich erst 20 Minuten durch die Pampa rennen, bevor ich endlich mal bei der Action ankomme und gleich wieder - Danke an einen der unzähligen Camper - zum Spawn geschleudert werde. Schnarch. Titanfall schmeißt einen dagegen direkt in ein kompaktes, unheimlich schnelles und sich in alle Himmelsrichtungen erstreckendes Schlachtfeld, von dem man so schnell nicht mehr weg möchte. Die kurzweilige Aufmachung (rasantes Gameplay, Titan-Action, maximal 10 Minuten pro Runde, etc.) ist grandios und führt sofort zur beliebten
"Ach, eine Runde geht noch!"-Einstellung. Absolut runde Sache. Hätte nicht gedacht, dass mich ein Ego-Shooter noch mal so begeistern und dem Hype tatsächlich standhalten kann.
