In jederlei Hinsicht schwächer als der Vorgänger
Und so beginnt man allmählich, auch die Aspekte von Hellblade 2 zu hinterfragen, die man gedanklich eigentlich schon als gelungen abgehakt hatte, bei genauerer Betrachtung aber ebenfalls einen zwiegespaltenen Eindruck offenbaren und das deutliche Gefälle zwischen dieser Fortsetzung und ihrem weitaus besseren Vorgänger erkennen lassen.
Denn so beeindruckend die Grafik zweifellos ausfällt, so gleichförmig setzt sie sich doch weitgehend bloß aus dem tristen Einerlei von schlichten Felsen, Stränden und Wiesen zusammen, exzellent beleuchtet zwar, brillant modelliert und toll in Szene gesetzt durch Nebel, Rauch und Feuerschein, aber eben nur bedingt vergleichbar mit anderen aktuellen AAA-Spielen voller lebendiger Städte und riesiger Welten. Und so atemlos einmal mehr das Schauspiel von Senua-Darstellerin Melina Juergens in Erscheinung tritt, so beschränkt sich ihre Darbietung doch auf weite Strecken aufs rein körperliche Leiden und Placken und erschöpft sich mimisch im ständigen Augenrollen und Zähnefletschen. Und auch die ständigen Stimmen in Senuas Kopf stellen letztlich nicht mehr die geniale Versinnbildlichung eines schizophrenen Bewusstseinsstroms dar, sondern bilden letztlich nur die durchaus gewitzte Form einer zusätzlichen Erzählinstanz, die sich mit der Zeit zum selbstgefälligen Manierismus abnutzt. Genauso übrigens die unablässig wackelnde Handkamera, die in ihrem ständigen Taumeln nicht müde wird, ihre Unmittelbarkeit zu behaupten, und so irgendwann reichlich nerven kann.
Dabei steht Hellblade 2 vor allem sein überragender Vorgänger im Weg. Gäbe es diesen nicht, es würde sicherlich als spielerisch zwar wankelmütiger, atmosphärisch und inszenatorisch aber berauschender Vorzeigetitel für die Unreal Engine 5 wahrgenommen. So aber bildet er einen Nachfolger, der nunmal in keinem Aspekt auch nur annähernd an das Vorbild heranreicht. Wer nicht mehr erwartet, der darf sich gerne davon mitreißen lassen und wird mich vermutlich eh als meckrigen Miesepeter verachten. Den Vorgänger muss man übrigens nicht vorher gespielt haben, auch wenn man es aus offensichtlichen Gründen natürlich tun sollte, weil er eben viel besser ist.
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