Ich bin sicherlich hier der Letzte, der dir Trost spenden kann, aber ich möchte dir trotzdem mein Beileid aussprechen. Ich lese ja hier auch mit und auch mir tut das sehr leid, was dir da wiederfahren ist. Der heutige Tag ist sicherlich ein finsterer und am besten ist es vielleicht, einfach in's Bett zu gehen und zu schlafen und darauf hoffen, dass morgen ein besserer Tag wird. Und wenn sich der nicht minimal besser anfühlt, dann vielleicht auf den Frühling hoffen.
Ich finde, du solltest dir vielleicht auch klar vor Augen führen, dass du alles richtig gemacht. Menschen sterben nun mal, überall und jeden Tag. So beschissen der Tod auch ist, er ist nun mal das Normalste von der Welt. Und du hast dich in der Hinsicht vorbildlich verhalten und hast deine Mutter bis zuletzt begleitet. Das kostet viel Kraft und auch wenn dir das selbstverständlich erscheint, so ist das für viele Menschen nicht so. Viele Menschen ertragen das nicht und fliehen vor so einer Bürde. Für den Sterbenden ist es aber das Beste, was ihm passieren kann, wenn er in seinem privaten Umfeld jemanden hat, der dabei seine Hand hält. Die Aufopferungsbereitschaft sollte aber nicht so weit gehen, dass das eigene Leben plötzlich egal wird oder wertlos erscheint. Das hätten deine Eltern auch nicht gewollt. Sie wollten sicherlich, dass du ein glückliches Leben führst und nun, nachdem du so viel gegeben hast, auch wieder an dich und dein Leben denkst. Klar wirst du sie noch lange vermissen. Aber das geht vorbei, so ähnlich wie Liebeskummer. Wie lange das dauert, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. In der Regel fängt die richtige Trauerverarbeitung erst nach der Beisetzung an. Achte aber ein bisschen darauf, dass es eine Verarbeitung bleibt und das du in der Trauer nicht versumpfst. Treib dich selbst zur Aktivität an und dazu, ganz bewusst die positiven und schönen Dinge im Leben zu sehen, denn die gibt es, jeden Tag. Und vermeide Selbstmitleid, das zieht nur runter. Natürlich ist es hart, mit 38 keine Eltern mehr zu haben. Aber leider ist es auch nicht so ungewöhnlich. Da bist du sicher nicht der Einzige.
Mein Vater ist übrigens um Weihnachten gestorben. Ich hatte ihn seit 1987 nicht mehr gesehen. Ich wusste gar nicht so recht, was ich dabei fühlen sollte, als mich die Nachricht errreichte. "Leider" ist es bis heute nicht sehr viel. Es hat eigentlich keine Bedeutung für mich, obwohl er doch mein Vater war. Ich glaube aber auch, wenn ich nicht selbst ne Familie hätte, dann hätte ich viel mehr Zeit damit verbracht, mir darüber Gedanken zu machen.