es ist schon ein sehr komplexes thema wenn man nicht nur stur das nachplappert was einem in der schule oder im jurastudium beigebracht wird.
philosophisch gesehen ist das nun mal ein komplexes thema, jedoch ist nicht jeder im stande unsere soziale doktrin zu hinterfragen und selbst zu ergründen.
Dein Post zielt ja darauf ab, Menschenrechte sollten diskutabel sein oder man müsse sie hinterfragen. Was in Philosophenrunden durchaus interessant sein mag, sollte man aber
in konkreten Situationen unbedingt unterlassen.
Menschenrechte sind definitionsgemäss subjektive Rechte, die jedem Menschen gleichermassen zustehen, nur weil er ein Mensch ist. Es sind sozusagen die Axiome des Rechtsstaates. Werke wie die EMRK sind zwar menschengeschaffen und so kann man sich natürlich auf den Standpunkt stellen, man müsse auch darüber in konkreten Situationen diskutieren können... Damit wird aber das gesamte System untergraben, welches geschaffen wurde, um insbesondere in dunklen Zeiten dafür zu sorgen, dass Standards eingehalten werden.
Jeder kann in Friede-Freude-Eierkuchen-Zeiten grossmaulig Verträge über Menschenrechte unterzeichnen und eifrig Werbung für die eigene Menschlichkeit machen. Ob man es damit aber auch tatsächlich ernst meint – und dass sollte man unbedingt – zeigt sich erst in der Krise. In eben diesen sollen Regeln Leitlinien darstellen, um sich nicht von Angst, Hass oder anderen negativen Stimmungen die Sinne vernebeln zu lassen.
Von daher geht es nicht darum, einfach nachzuplappern, was einem in Schule und Jurastudium beigebracht wurde, sondern es geht darum, zu etwas bedinungslos "ja" zu sagen, was nicht den konkreten, einzelnen Missetäter schützen soll, sondern die Gesellschaft vor sich selbst. Wer denkt, etwas Gutes zu tun, wenn er im konkreten Anwendungsfall sein persönliches Gutdünken an die Stelle der Menschenrechte setzt, der nimmt billigend in Kauf, das gesamte System zu untergraben, das uns von Staaten unterscheidet, welche täglich in den Nachrichten zu finden sind und wo schlussendlich doch keiner von uns leben möchte.
Und dass wir Menschen einsperren hat nichts damit zu tun, dass wir z.B. das Grundrecht auf Freiheit im konkreten Fall diskutieren und aussetzen, sondern es hat einzig damit zu tun, dass Menschenrechte im Zusammenleben mehrerer Individuen in Konflikt geraten können – in diesen Fällen geht es dann eben darum, eine Interessenabwägung zu machen und ein Grundrecht zurückzustellen, um ein höher Gewichtetes zu schützen (z.B. Freiheitsentzug um Leib und Leben anderer zu schützen). Dass diesfalls ein milderes Mittel (Freiheitsentzug) einem härteren (Todesstrafe) vorzuziehen ist, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, welche leider selbst der eine oder andere moderne Rechtsstaat noch nicht verinnerlicht hat.
Man kann also sagen: Das mit den Menschenrechten ist im Kern definitiv keine besonders komplexe Geschichte. Das Umsetzen dieser Rechte im Alltag – insbesondere staatenübergreiffend – ist da natürlich eine gänzlich andere Geschichte, wie das aktuelle Tagesgeschehen eindrücklich zeigt. Ein guter erster Schritt wäre aber, wenn wir die Standards vor unserer eigenen Tür nicht zu diskutieren beginnen. Diese Diskussion hat - ausser in der illustren Philosophenrunde - nichts mit Hinterfragen der sozialen Doktrin zu tun, sondern einfach nur mit angst- und hassgesteuertem Sägen am eigenen Ast.