@Hosenmatz
Das Schwierige an der Diskussion, die du jetzt hier aufgreifen möchtest ist, dass sie sich nicht mehr auf das Thema bezieht, was hier seit Tagen besprochen wird. Sie betrachtet das Problem global, was natürlich richtig ist, wenn man die wirklichen Probleme angehen möchte.
Wir alle schauen seit ~5 Jahren einfach nur zu, was z.B. in Syrien passiert. Selbst die letzte Aussenminister-Konferenz der EU-Staaten war ein schlechter Witz und es tut sich rein garnichts. Wir schau(t)en dabei zu, wie in Syrien, mehr als 300.000 Menschen Opfer zweier Regime wurden, wir schauen dabei zu, wie sie aktuell verhungern, wir haben den Finger erhoben, haben mit Konsequenzen gedroht (die rote Linie von Obama war dann doch eher hellgelb...), haben bei Wein und guter Laune viel besprochen, aber nichts gemacht.
Das führte dazu, dass alleine 12 Millionen Syrer, 50% der Bevölkerung, nicht mehr im eigenen Land sind, auf der Flucht sind! Der Libanon, der alleine 2 Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen hat (bei 4 Millionen eigenen Einwohnern, man stelle sich vor, wir hätten 40 Millionen Flüchtlinge in Deutschland...) bekommt keine Unterstützung, allgemein überweist auch Deutschland nichtmals die zugesicherten Geldbeträge für humanitäre Hilfe vor Ort. Die Lage in den entsprechenden Ländern ist katastrophal.
DA hat die Politik der westlichen Welt, auch Merkels Politik, grundsätzlich versagt.
Nun sind aber Millionen Menschen auf der Flucht, ja nicht nur aus Syrien. Andere Gebiete wie der Irak oder Afghanistan (die beiden Länder kommen uns vielleicht noch bekannt vor, wenn es um verfehlte Politik und "im Stich lassen, nachdem wir die Scheisse angerichtet haben"...) oder afrikanische Länder müssen natürlich auch genannt werden. Auch da geht es um verfehlte Politik seit Jahren oder gar Jahrzenten.
Jetzt ist es aber nicht so, dass jeder syrische Flüchtling erstmal in DE anruft und fragt, ob er sich ins nächste Flugzeug nach Deutschland setzen darf. Diese Menschen sind DA. Sie waren Wochen und Monate unterwegs, bis sie europäischen Boden erreichten. Das passiert übrigens auch schon seit Jahren, da muss man nur die Griechen und Italiener fragen. Das nächste Beispiel für verfehlte Politik.
Auch das, was dann passiert ist, darf man nicht isoliert betrachten. Länder wie Griechenland und Italien wurden im Stich gelassen (sind ja für ihren Reichtum bekannt, vor allem Griechenland...), es wurde anfänglich auf Dublin verwiesen. Länder wie Ungarn bauen Zäune um ihre Grenzen, damit kein Flüchtling ins Land kommt. Länder wie Polen wollen sich auch diesseits der Flüchtlings-Problematik von der EU abgrenzen.
Und jetzt kommen wir zu dem Punkt, warum ich denke, dass Merkel nicht versagt hat, was die
aktuelle Situation angeht. Das Asylrecht kennt keine Obergrenze. Dieser Satz ist schlicht richtig und eigentlich auch unumstösslich. Es sei denn, wir kapitulieren vor unseren eigenen Grundwerten, weichen sie auf, beenden sie. Und: es geht um humanitäre Hilfe und Verantwortung. Die wir wenigstens jetzt leisten können, wenn die Politik im Vorfeld auch immer wieder versagt hat.
Ich bin auch der Überzeugung, dass wir das schaffen. Warum auch nicht? Wenn die Politik es richtig anstellt, kann das eine enorme Bereicherung für Deutschland und Europa werden. Wir befinden uns in einer globalisierten Welt und das bedeutet eben nicht nur, dass wir Waren aus China beziehen und mit Freunden via Skype in Australien chatten können.
Das, was an Sylvester in Köln passiert ist, hätte auch bei 30.000 statt 1 Mio. Flüchtlingen passieren können. Dieser schreckliche (bisher Einzelfall!) Vorfall kann man nicht generell der Flüchtlingspolitik zuschreiben. Er wird aber nun instrumentalisiert, und das ist widerlich.
Du siehst, die Probleme gehen viel weiter zurück und reichen bis in die Gegenwart. Man darf sich auch fragen, wieviel Europa noch wert ist, bei dem, was sich andere Länder so "leisten" können...
Mein Fazit ist aber, dass Merkel grundsätzlich richtig gehandelt hat und nun muss die Politik schauen, dass wir das Beste daraus gemacht bekommen. Dafür muss das Tempo erhöht werden, es müssen alle an einem Strang ziehen, man sollte sich keine Steine in den Weg werfen, um andere Ziele erreichen zu können. Man sollte auch schauen, wie es nicht geht. Eine Ghetto-isierung darf natürlich nicht stattfinden, sonst haben wir irgendwann Zustände wie in Frankreich.