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Ja, versteh ich auch nicht. Gibt genug andere Länder, die ein besseres Beispiel wären. Die Sache wird auch nicht besser, wenn es mehrere machen
 
Besser macht es das in der Tat sicher nicht. Aber es ist dennoch mehr als erhellend, zu sehen, mit welch' unterschiedlichem Maß in unseren Medien über derartige Ereignisse/Entwicklungen berichtet wird.
 
Wieso unterschiedliches Maß? Über die Völkerrechtswidrigkeit des Einmarsches der US-geführten Koalition in den Irak 2003 wurde doch in unseren Medien auch lang und breit berichtet. :?
 
Sicherlich kommen die Russen hier immer etwas schlechter weg...ABER ich denke, die Zeiten in denen viele Sachen der Amis unkommentiert blieben ist lange vorbei. Auch in den USA gibt es für vieles ganz anderen Gegenwind. Wenn man ehrlich ist, kommt von der russischen Seite aber auch wenig gutes, vielleicht ist das der Grund. Ich hör fast immer nur von irgendwelchen Vetos
 
Ich sehe hier nicht mal, wo die Russen schlecht(er) wegkommen. Die sind gerade einfach so in einem anderen Land einmarschiert und dementsprechend sind die Reaktionen.. der Verweis auf die USA hinkt insofern als dass es dort im Wesentlichen die gleichen Reaktionen gab, als sie in den Irak einmarschiert sind.
 
Wieso unterschiedliches Maß? Über die Völkerrechtswidrigkeit des Einmarsches der US-geführten Koalition in den Irak 2003 wurde doch in unseren Medien auch lang und breit berichtet. :?

Wurde es nicht. Genau das was oben genannt wurde ist der Punkt. Es ist die mediale Berichterstattung. Da wird definitiv mit unterschiedlichem Maß gemessen. Die Berichterstattung war gegenüber den USA zuweilen kritisch. Der Ton der gegenüber dem Osten angeschlagen wird hat eine ganz andere Dimension. U.W., ZDF schafft das immer wieder. Wäre nett wenn er den Unfug wenigstens als Kommentar kennzeichnen würde.

Es ist übrigens völlig irrelevant ob die Aktionen gegen das Völkerrecht verstoßen. In der Berichterstattung ging es immer um politische und moralische Fragen. Wenn ein Verstoß gegen das VR damals medial thematisiert wurde, dann wurde es kurz festgestellt aber nicht lang diskutiert. Ich kann verstehen dass du in dem Bereich forschst und das VR für dich deshalb einen besonderen Stellenwert hat. Ich sage dir aber auch immer wieder das es in praxi kein Schwein interessiert. Sobald du deine Diss. oder Habil. oder was auch immer du da gerade schreibst beendet hast und die Universität verlässt interessiert sich kein Schwein für das VR. Vielleicht ist die Wahrnehmung in der österreichischen Bevölkerung eine andere; das kann ich nicht beurteilen.
 
Wurde es nicht. Genau das was oben genannt wurde ist der Punkt. Es ist die mediale Berichterstattung. Da wird definitiv mit unterschiedlichem Maß gemessen. Die Berichterstattung war gegenüber den USA zuweilen kritisch. Der Ton der gegenüber dem Osten angeschlagen wird hat eine ganz andere Dimension. U.W., ZDF schafft das immer wieder. Wäre nett wenn er den Unfug wenigstens als Kommentar kennzeichnen würde.

Naja, sicher. Weil die Aktionen der USA im Irak zwar völkerrechtswidrig, aber im Grunde nicht gegen unsere Interessen gerichtet waren während die Aktionen Russlands völkerrechtswidrig und gegen unsere Interessen gerichtet sind.

Klar berichtet man über Zweiteres in schärferem Ton. Gut so.

Es ist übrigens völlig irrelevant ob die Aktionen gegen das Völkerrecht verstoßen. In der Berichterstattung ging es immer um politische und moralische Fragen. Wenn ein Verstoß gegen das VR damals medial thematisiert wurde, dann wurde es kurz festgestellt aber nicht lang diskutiert. Ich kann verstehen dass du in dem Bereich forschst und das VR für dich deshalb einen besonderen Stellenwert hat. Ich sage dir aber auch immer wieder das es in praxi kein Schwein interessiert. Sobald du deine Diss. oder Habil. oder was auch immer du da gerade schreibst beendet hast und die Universität verlässt interessiert sich kein Schwein für das VR. Vielleicht ist die Wahrnehmung in der österreichischen Bevölkerung eine andere; das kann ich nicht beurteilen.

Natürlich interessiert das VR in der Praxis die Staaten. Das erkennt man ja schon daran, wie eifrig Russland drauf bedacht ist, verlautbaren zu lassen, dass ihre Handlungen im Einklang mit dem Völkerrecht stehen, auch wenn das natürlich nicht der Fall ist.

Dass Staaten immer wieder Völkerrecht brechen bedeutet ja nicht, dass sie sich nicht in den meisten Fällen daran halten.

Genauso könnte ich mir die Zahl der Verbrechen in einem Staat ansehen und dann sagen, dass das Strafrecht in der Praxis kein Schwein interessiert. Das wäre aber natürlich völliger Blödsinn, weil das Strafrecht gerade durch seine general- und spezialpräventiven Wirkungen einen sehr großen Einfluss auf das praktische gesellschaftliche Zusammenleben hat. Ich sehe eben nur die Fälle, wo Leute das Recht brechen und nicht die viel häufigeren Fälle, in denen Leute das Recht nicht brechen.

Du kannst ja einmal die ganzen Leute die nach völkerstrafrechtlichen Normen verurteilt wurden und nun eine Haftstrafe absitzen, fragen, ob das Völkerrecht für sie relevant war. Und Deutschland hat sich auch brav an das Urteil des EGMR gehalten, das dazu geführt hat, dass einige Leute aus der Sicherheitsverwahrung rausgelassen werden mussten. Die Liste kann man natürlich ewig fortsetzen, genauso wie man eine sehr lange Liste von Völkerrechtsbrüchen erstellen könnte.

Trotzdem steht außer Frage, dass das Völkerrecht die internationalen Beziehungen ständig, nachhaltig und dauerhaft prägt.

Die Aussage, dass sich in der Praxis kein Schwein für das Völkerrecht interessiert (was bedeuten würde, dass die Staaten sich nicht für das Völkerrecht interessieren würden, denn sie sind ja die primären Akteure im Völkerrecht) ist kurz gesagt schlicht und ergreifend falsch.
 
Was ich an dem Thema interessant finde:
Ich habe letztens herausgefunden, dass sogar die Wehrmacht sich (zumindest teilweise) für das Kriegsvölkerrecht interessiert hat. Mir ist das aufgefallen im Zusammenhang mit einer Spezialeinheit der Wh, die für Operationen hinter den feindlichen Linien genutzt wurde und dabei oft in feindlichen Uniformen agierte (also gegen das Kriegsvölkerrecht). Da solche Aktionen gegen das Kriegsvölkerrecht verstoßen, wurde in einer Vorschrift vermerkt, dass jede Teilnahme an solchen Missionen freiwillig ist und dem Soldaten nicht befohlen werden darf, gegen das Kriegsvölkerrecht zu verstoßen. Teilweise sind Soldaten sogar kurz vor Einsatzbeginn noch von einer Mission zurückgetreten und konnten nicht bestraft werden - selbst bei Einsätzen gegen die Sowjetunion, die das Kriegsvölkerrecht damals nicht anerkannte.

Das finde ich echt interessant - zumal gerade die Wehrmacht ansonsten nicht unbedingt dafür bekannt ist, sich an irgendwelche Völkerrechte zu halten.
 
Richtig. Es wurden z.B. einige der an der Ardennenoffensive beteiligten Deutschen die als Teil des Unternehmens Greif feindliche Uniformen getragen hatten, wegen Verstößen gegen das Kriegsvölkerrecht vor ein Kriegsgericht gestellt, zum Tode verurteilt und erschossen.

Und dass das Völkerrecht heute umso praxisrelevanter ist, sieht man unter anderem daran, wie (vor allem die westlichen Mächte) im bewaffneten Konflikt darauf achten, sich an das humanitäre Völkerrecht (der moderne Name für das Kriegsvölkerrecht) zu halten.

Da werden nicht wie in früheren Kriegen einfach rücksichtslos Zivilisten ins Visier genommen, sondern es wird darauf geachtet, Zivilisten wenn möglich zu schonen. Es ist ja auch so, dass die wichtigsten Regeln des humanitären Völkerrechts (also etwa der Genfer Konventionen) inzwischen längst Ausbildungsinhalt der Grundausbildung von Soldaten jeder modernen Armee sind.

Und wer als Befehlshabender weiter oben in der Befehlskette heutzutage schwerwiegend gegen das humanitäre Völkerrecht verstößt, in dem er schwere Kriegsverbrechen seiner Truppen duldet oder gar befiehlt, der kann sich vor einem internationalen Strafgericht wiederfinden. Was natürlich dazu führt, dass derartige Handlungen tendenziell eher nicht mehr so oft vorkommen.
 
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