"Unfortunately, no one can be told what the Matrix is. You have to see it for yourself."
Morpheus
Sonntag, später Vormittag. Endlich ist die Zeit gekommen. Das DHL-Paket, das am Samstag freundlicherweise vom Nachbarn entgegen genommen wurde, steht da und wartet auf mich. Zwei Kartons und eine Menge Luftpolster liegen darin, beide in Plastiktüten eingepackt und zumindest der größere ganz schön schwer. Genügend Platz vor dem Schreibtisch ist geschaffen, die Jalousien sind leicht heruntergelassen, der PC läuft. Die Oculus-Software hatte ich (in weiser Voraussicht) schon Freitagabend heruntergeladen und installiert. Jetzt also nur noch das Oculus-Konto anlegen und los geht's.
Schon beim Öffnen der Packung sieht man, dass Oculus eins definitv kann: Eine großartige Atmosphäre aufbauen und ein Premium-Feeling erzeugen, was man sonst von Apple kennt. Die Verpackung ist absolut durchdacht und der gesamte Inhalt liegt sauber aufgeräumt darin. Die Verarbeitung von Headset, Sensoren und Toch-Controllern ist ebenfalls erstklassig. Das sieht zum einen sehr edel und zurückhaltend aus, und ist absolut sauber produziert. Spaltmaße, Design - absolut Premium. Nachdem ich in den letzten Tagen schon verschiedene Foren, das Oculus Subreddit und einige VR-Websites durchgelesen habe, war für mich klar: Ich teste direkt das experimentelle 360°-Tracking mit 2 Sensoren. Also: Erster Sensor auf dem Schreibtisch platziert, zweiter (mit USB-Verlängerung) gegenüber vom Schreibtisch. Zunächst will Windows/mein Rechner mit veralbern: Egal ob mit oder ohne Verlängerung: Manchmal sagt einer der Sensoren, er sei nur via USB 2.0 verbunden. Irgendwann passt es dann aber (ohne, dass ich am Treiber oder BIOS was geändert hätte) und beide Sensoren werden als via USB 3.0 verbunden erkannt. Das Setup kann also weiter gehen. Die Warnung, dass die beiden Sensoren zu weit auseinander stehen, ignoriere ich einfach, Der Touchcontroller wird problemlos erkannt und ich erzeuge den "sicheren Raum" für das Guardian-System. Nun soll der große Moment gekommen sein: Das Setup (welches bis hier einfach nur vorbildlich ist und einen sehr gut durch die Installation leitet) sagt: Nimm die Touch-Controller und setze das Headset auf, das Setup geht nun dort weiter. Alles klar. Also rein in das VR-Headset. Aber dann die große Entäuschung: Ich höre was, sehe aber nix. Schwarz. Nada. Nix zu sehen. Kein Icon, was mir sagt: Hier lädt etwas, kein Oculus Logo. Nix. Also: Rechner mal neustarten, vielleicht hilft das. Nö. Headset bleibt schwarz. Also mal im Netz suchen, was die Fehlerursache sein kann, und dann gleich der erste Schock: Gibt ein paar Nutzer mit dem Problem, bei denen lags an einem kaputten HDMI-Kabel am Headset oder an einem kaputten HDMI-Stecker. Beides Gründe für eine Rücksendung. Ernüchterung. Und dann einfach die Idee: Mal schauen, ob ein Update vom Grafikkarten-Treiber was hilft... Nach dem Update und einem Neustart dann schon gleich eine Änderung: Die kleine LED im Headset ist nicht mehr orange sondern weiß. Das sieht verheißungsvoll aus. Also: Auf ein neues, Setup fortsetzen und HMD auf den Kopf...
Das Einstellen vom Headset ist zunächst etwas frickelig, klappt mit den drei verstellbaren Bändern aber schließlich ziemlich gut und nach ein paar Mal hin und her ist alles scharfgestellt und die VR-Erfahrung kann losgehen. Und was dann passiert, ist einfach nur unglaublich. Holy fucking shit - ist das gigantisch! Ich hätte nie, nie, niemals geglaubt, dass mich VR dermaßen flashen würde. Aber das Gefühl in dem virtuellen Raum zu stehen, ist einfach großartig und wirklich mit Worten nicht beschreibbar. Einige (die ein solches Headset noch nicht vor den Augen hatten) vergleichen VR ja mit 3D-Fernsehen. Und es hat null damit zu tun. Ich hab noch nie Vergleichbares in meiner Videospiel-Geschichte erlebt. Ja: Die Auflösung in der Rift ist nicht optimal, man sieht ein leichtes Fliegengitter, die Fresnel-Linse hat ihre Nachteile (zeigen sich u.a. in einigen Anwendungen in Form von god rays) und das Kabel schränkt die Bewegung einfach noch ein (weil man nach x-mal drehen durchaus auch ein paar Dreher im Kabel hat). Aber VR ist definitiv mehr NextGen als alles, was uns in den nächsten Jahren im gewöhnlichen Videospielmarkt erwarten könnte. Ich brauch kein HDR, ich brauch kein 4K (keine PS4 Pro und keine One X), weil das, was VR bietet im Gegensatz zu "mehr Pixel, mehr Details, mehr Farben" tatsächlich etwas essentiell Neues bietet. Ein Gefühl, was kein anderes Medium derzeit erzeugen kann.
Ich bin sehr froh, direkt mit dem "Touch-Bundle" eingestiegen zu sein. Ich glaube, dass dadurch meine Faszination noch deutlich größer ist. Das Gefühl, dass man "seine Hände" in der virtuellen Realität hat und einsetzen kann, ist schlichtweg genial. Ich greife, ich werfe, ich winke - und sehe meine Hand, die sich im Headset so verhält, wie meine Hand in der echten Welt...
Nach "First Contact" habe ich mir Google Earth VR angeschaut. Und auch hier war ich einfach nur begeistert. Nach einer kurzen Einführung und dem Besuch von London und der Golden Gate Bridge einfach mal geschaut, wie es in meiner Heimatstadt aussieht. Und das Gefühl, als Riese in einer Modellversion der eigenen Stadt bzw. der eigenen Straße zu stehen, ist einfach unbeschreiblich. Man kann wirklich durch die 3D-Google-Earth-Darstellung gehen, sich hinsetzen und alles genau anschauen.
Anschließend habe ich mit "Robo Recall" gleich ein intensiveres Erlebnis gestartet und das hat mich endgültig von der VR-Welt überzeugt. Ein Ego-Shooter, bei dem ich tatsächlich ans Holster greife und eine Pistole in der Hand halte, damit zielen kann und sehr präzise meine Roboter-Gegner durch die Landschaft ballern kann - es fühlt sich vom ersten Moment an intuitiv an. Technisch ist das Spiel auch absolut beeindruckend (wenn man von dem Fliegengitter in der Brille absieht, was man aber nach wenigen Sekunden im Spiel überhaupt nicht mehr wahrnimmt, wenn man sich nicht darauf konzentiert). Das Ganze wirkt stellenweise so intensiv, dass ich beim ersten Angriff einer Gegnerübermacht tatsächlich vergessen habe, dass ich in dem Spiel nicht durch Laufen sondern Teleportieren meine Spielfigur bewege, was dazu geführt hat, dass ich gleich mal gegen meinen Schreibtisch gerannt bin

Dauerte ein paar Sekunden, bis ich meine Reaktion begriffe habe. Und jetzt weiß ich, wenns zu krass wird einfach mal die Options-Taste drücken oder halt das Headset vom Kopf nehmen.
Ich bin gespannt, was mich noch alles erwartet (Empfehlungen für Spiele oder andere VR-Erfahrungen nehme ich gerne entgegen

- Lone Echo wird irgendwann bei schlechterem Wetter in jedem Fall gekauft und gezockt) und bereue es fast, nicht schon früher eingestiegen zu sein. Für den jetzt aufgerufenen Preis ist das Teil in meinen Augen ein absolutes Must-Buy. Zumindest sollte es jeder mal ausprobiert haben.