Nioh - Visions of (P)review
Souls ahead, skeleton
Vorwort. Nioh ist ein Souls-Klon. Es lässt sich nicht leugnen, dass Team Ninja sich das Spielgerüst der From Software-Reihe geschnappt hat, weite Teile des Konzepts unverändert übernommen und an anderen Stellen überarbeitet und ergänzt hat. Das wiederum in einem Ausmaß, dass kein Veteran ins Gähnen verfallen sollte. Nioh ließ meine Gamerzellen wieder rattern, und das viel mehr als ich es in der Post-Dark Souls-Ära vermutet hätte. Wir werden kein Geheimnis daraus machen - und auch wenn jedes Spiel verdient hat für sich selbst zu stehen, scheuen wir die üblen Souls-Vergleiche nicht. Das Ding richtet sich sowieso an uns Seelendurstigen.Souls ahead, skeleton
Praise the Gaijin
Neue Kulturen entdecken.
Unser Held ist ein Geralt von Riva-Verschnitt, die historische Person des William Adams', der erste weiße Samurai, und der Typ hat es drauf. Chilliger Charakter, respektvoll, aber ehrlich und zielgerichtet, hart im Nehmen, hart im Geben, 10/10, would bang and still no-homo. Homeboy Hanzo empfängt ihn in Japan und hilft ihm bei der Suche nach seinem Erzfeind Edward Kelley, einem bösen Zauberer, full inked im Hoodie, der seine gute Fee geklaut hat.
Also wer den Überblick über japanische Historie verliert, sich keine fremdländischen Namen und Gesichter merken kann, hat immer noch eine weiße Rachegeschichte im Badass-Szenario. Für Neugierige wie mich ist Nioh effektiver Wikipedia-Bait trotz der umfangreichen, vorbildlichen Ingame-Datenbank. Und Nippon-Otakus werden sich über die vielen historischen und mythologischen Details freuen, die es an allen Ecken zu entdecken wird.
Prepare to die
Fangen wir im Kern an und arbeiten uns nach außen. Das Game ist selbst für einen Sunbro und RPG-Fanatiker überaus, um nicht zu sagen befickt komplex. Und dabei fängt es so handzahm an. Das Kampfsystem ist im Grunde sehr nahe an der bekannten Genreformel. Schwacher Angriff, starker Angriff, Ausweichen, Blocken. Wir lernen die Kampfmuster des Gegners, verteidigen uns so effektiv und greifen während der kurzen Pausen an. Dabei achten wir auf unsere Stamina-Leiste, die sich durch jede Aktion leert. Blabla, rinse and repeat, kennen wir ja. Irgendwann liegt der Gegner oder man selbst, weil man noch einmal zu oft zuschlagen wollte. – Der Wasserzyklop war doch eh schon fast tot.
Soweit so gut. Mit steigendem Spielfortschritt werden die Gegner zäher, zahlreicher, aggressiver und haben ein Deck aus Assen in ihren untoten Ärmeln. Spätestens wenn man im toxischen Nebel Feueroger plätten will, ist der Zeitpunkt gekommen, sich mit den tiefgehenden Spielmechaniken vertraut zu machen. Wie dem Skillsystem. Jede Waffengattung und Magie und Ninjutsu haben eigene Talentbäume mit aktiven und passiven Fähigkeiten. Hier lernen wir dann Combos, die Feinde umschmeißen oder das Ki der Yokai senken, wir lernen weitergehende Blocktechniken und Riposten. Wir beschäftigen uns jetzt auch mit den verschiedenen Kampfhaltungen, drei pro Nahkampfwaffe, die alle eigene Boni und Fähigkeiten erlauben. Wir rüsten uns auch endlich mit den Skills eines Ninjas und/oder Onmyo-Magiers aus. Das schließt klassischerweise giftige Shuriken und Feuerbälle, aber auch zahlreiche Buffs, Fallen, Bomben und waffenlose Kampftechniken ein.
Nioh hat im Vergleich zu den Souls-Games viel mehr Progression. Man hat nicht annähernd die Anzahl an Waffen mit unterschiedlichen Movesets, aber dafür bietet jede Waffenart selbst ein umfangreiches Layout, das mit der Zeit erweitert wird.
Be wary of numbers
Lila Loot!
Die Hauptattribute erinnern an die Souls-Spiele, wirken sich aber mit größerer Streuung auf die einzelnen direkten Attribute wie Kampfschaden, Gesundheit, Resistenzen, etc. aus. Wer also seinen Waffenschaden erhöhen will, wird auch zwangsläufig seine Gesundheit und seine Stamina im geringeren Ausmaß leveln. So kann man sich nicht so leicht verskillen bzw. wichtige Werte vernachlässigen.
Aber wirklich heftig wird es dann beim Equipment. Es gibt Loot, es gibt verschiedene Wertigkeitsstufen und neben den festen Werten auch zusätzliche zufällige Boni auf jedem Item. Mehr Schaden bei Angriffen von hinten, erhöhte Dropchancen, Dashgeschwindigkeit, Staminaregeneration sind nur einige wenige Beispiele. (Und den Rest verstehe ich kaum.) Wer sich nicht auf Würfelglück verlassen will, lässt seine Rüstung und Waffen schmieden, kann dann die zufälligen Boni auch neu würfeln lassen und einige Effekte lassen sich dann auf anderes Equipment übertragen, wenn die Erfahrung mit der Waffe ausreichend ist. Hier kann wirklich sehr tief personalisiert werden. Zum Glück gilt das auch für die Optik. Jede Waffe und jedes Rüstungsteil kann die äußere Erscheinung eines gleichartigen Items bekommen. It's Fashion Souls, Baby.
Weakness: Recycling
Überhaupt erleichtert das Spiel den Zugang zu diesem Genre und chiffriert nicht Story, Spielziele und Hintergrundmechaniken wie es die Souls-Spiele gerne tun. Auf einer Japan-Karte haben wir Main und Side Missions, wir bekommen die Belohnungen angezeigt und das Ziel wird auf einem Radar sogar grob markiert. Die eigentlichen Missionen spielen in abgeschlossenen Gebieten. Es gibt natürlich Abkürzungen, die zurück zum Shrine, dem Bonfire-Pendant, führen und hin und wieder einen versteckten Raum, aber insgesamt ist der Levelaufbau zwar clever, im direkten Vergleich mit einem Dark Souls aber sehr übersichtlich und komfortabel. Den Frustfaktor würde ich hier deutlich niedriger ansiedeln.
Der konservative Aufbau ermöglicht es auch den Content stärker zu variieren. Hat man ein Gebiet abgeschlossen, warten dort Nebenmissionen auf einen, die das Design und die Encounter oftmals stark verändern. Wirklich frisch fühlt es sich direkt nach der Hauptmission aber nicht an. Die Abschlussbelohnungen reizen aber stark und sind allein für die Levelups nur zu empfehlen und so arbeitet man sich teilweise durch ein Gebiet doppelt und dreifach, anstatt neue Regionen zu erkunden. Wirklich nötig hat es das Spiel nicht gehabt. Ich bin noch nicht durch, aber bei über 20 Stunden im dritten von (vermutlich) zehn Gebieten. Da hätte ich mir die Variationen lieber für das Post-Game oder das New Game Plus gewünscht. Aber bei dieser Sorte Spiel gilt: Lieber zu viel als zu wenig. Wir wollen ja viel Raum für die Ausgestaltung unserer Kampfkünste haben.
Gorgeous view
Aliasing, ein annehmbarer Preis für 60fps.
Außerdem bietet das Spiel verschiedene Grafikeinstellungen und jeder Spieler kann selbst entscheiden, ob er eine bessere Optik oder 60fps bevorzugt. (Wählt die 60fps.)
Bow
Und sonst so? Man kann am Shrine Coop-Helfer beschwören oder andere Spieler unterstützen. Sogar ein Duell-Modus ist geplant. Ja, man kann respeccen und durch den Aufbau des Spiels scheint es keine Missables zu geben. Die Waffen sind alle cool, aber leider findet man anfangs nur für einfache Schwerter Baupläne für den Schmied. Ninjutsu und Onmya-Magie sind mächtig und sollten jeden Build aufwerten. Nioh macht einem gerne Angst, aber es ist alles halb so schlimm. Halte durch, Casual.
tl;dr
Du bist Souls-Fan? Kaufen. Japan-Fan? Kaufen. Ich persönlich war schon etwas Souls-müde. Ich liebe die Reihe, aber es ist ein One-Trick-Pony, seien wir ehrlich. Okay, ein One-Trick-Einhorn aus einer besseren Welt, aber nach der fünften Vorführung braucht es mehr um die Asche zu entfachen. Nioh kopiert die Souls-Formel, aber das Szenario ist ein berauschender Kulturschock, Kampfsystem und Charaktermanagement sind übertrieben komplex, vielseitig und befriedigend, und das Ding bietet so viel Content, dass es richtig Spaß macht, sich Nioh vollumfänglich hinzugeben. Das Spiel schießt am Mainstream meilenweit vorbei und onehittet mich critical. 10/10
Großes Danke an @nai und seine Seite ladebalken.net. So hatte ich die Möglichkeit, Nioh schon jetzt zu spielen und so hat das KT immerhin eins der frühsten deutschen Reviews. (Nur sorry, dass ich es nicht durchspielen konnte, aber das wird in sieben Tagen kein Tester geschafft haben.
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