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REVIEW Nioh - Visions of (P)review

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Nioh - Visions of (P)review


Souls ahead, skeleton
Vorwort. Nioh ist ein Souls-Klon. Es lässt sich nicht leugnen, dass Team Ninja sich das Spielgerüst der From Software-Reihe geschnappt hat, weite Teile des Konzepts unverändert übernommen und an anderen Stellen überarbeitet und ergänzt hat. Das wiederum in einem Ausmaß, dass kein Veteran ins Gähnen verfallen sollte. Nioh ließ meine Gamerzellen wieder rattern, und das viel mehr als ich es in der Post-Dark Souls-Ära vermutet hätte. Wir werden kein Geheimnis daraus machen - und auch wenn jedes Spiel verdient hat für sich selbst zu stehen, scheuen wir die üblen Souls-Vergleiche nicht. Das Ding richtet sich sowieso an uns Seelendurstigen.


Praise the Gaijin

Nioh_20170129112850.jpg

Neue Kulturen entdecken.
Für die Story brauche ich Wikipedia und meine gesammelten Dragonball Z-Skills oder HajinShinobi. Nioh spielt in der Sengoku-Zeit um 1600 in Japan. Die großen Clans stehen im Krieg. Das Blutbad lockt Yokai aus dem Reich der Dämonen. Und schlimmer: Gefühlt hunderte japanische Feldherren, Ninjas und Politiker treten auf, die man aus zahlreichen Musou-Games und japanischer Geschichte kennt… kennen sollte. Ieyasu, Honda, Suzuki, Tachibana, Muneshige, Hanzo. Eh, ich finde japanische Geschichte und noch viel mehr die japanische Mythologie richtig cool, aber ich blicke nicht durch. Zum Glück kommt uns kulturlosen westlichen Spielern die Handlung entgegen.

Unser Held ist ein Geralt von Riva-Verschnitt, die historische Person des William Adams', der erste weiße Samurai, und der Typ hat es drauf. Chilliger Charakter, respektvoll, aber ehrlich und zielgerichtet, hart im Nehmen, hart im Geben, 10/10, would bang and still no-homo. Homeboy Hanzo empfängt ihn in Japan und hilft ihm bei der Suche nach seinem Erzfeind Edward Kelley, einem bösen Zauberer, full inked im Hoodie, der seine gute Fee geklaut hat.

Also wer den Überblick über japanische Historie verliert, sich keine fremdländischen Namen und Gesichter merken kann, hat immer noch eine weiße Rachegeschichte im Badass-Szenario. Für Neugierige wie mich ist Nioh effektiver Wikipedia-Bait trotz der umfangreichen, vorbildlichen Ingame-Datenbank. Und Nippon-Otakus werden sich über die vielen historischen und mythologischen Details freuen, die es an allen Ecken zu entdecken wird.


Prepare to die

Puh, endlich den Teil abgeschlossen, von dem ich keinen Plan habe. Kommen wir also zu meinen unzähligen Toden.

Fangen wir im Kern an und arbeiten uns nach außen. Das Game ist selbst für einen Sunbro und RPG-Fanatiker überaus, um nicht zu sagen befickt komplex. Und dabei fängt es so handzahm an. Das Kampfsystem ist im Grunde sehr nahe an der bekannten Genreformel. Schwacher Angriff, starker Angriff, Ausweichen, Blocken. Wir lernen die Kampfmuster des Gegners, verteidigen uns so effektiv und greifen während der kurzen Pausen an. Dabei achten wir auf unsere Stamina-Leiste, die sich durch jede Aktion leert. Blabla, rinse and repeat, kennen wir ja. Irgendwann liegt der Gegner oder man selbst, weil man noch einmal zu oft zuschlagen wollte. – Der Wasserzyklop war doch eh schon fast tot.

Soweit so gut. Mit steigendem Spielfortschritt werden die Gegner zäher, zahlreicher, aggressiver und haben ein Deck aus Assen in ihren untoten Ärmeln. Spätestens wenn man im toxischen Nebel Feueroger plätten will, ist der Zeitpunkt gekommen, sich mit den tiefgehenden Spielmechaniken vertraut zu machen. Wie dem Skillsystem. Jede Waffengattung und Magie und Ninjutsu haben eigene Talentbäume mit aktiven und passiven Fähigkeiten. Hier lernen wir dann Combos, die Feinde umschmeißen oder das Ki der Yokai senken, wir lernen weitergehende Blocktechniken und Riposten. Wir beschäftigen uns jetzt auch mit den verschiedenen Kampfhaltungen, drei pro Nahkampfwaffe, die alle eigene Boni und Fähigkeiten erlauben. Wir rüsten uns auch endlich mit den Skills eines Ninjas und/oder Onmyo-Magiers aus. Das schließt klassischerweise giftige Shuriken und Feuerbälle, aber auch zahlreiche Buffs, Fallen, Bomben und waffenlose Kampftechniken ein.

Nioh hat im Vergleich zu den Souls-Games viel mehr Progression. Man hat nicht annähernd die Anzahl an Waffen mit unterschiedlichen Movesets, aber dafür bietet jede Waffenart selbst ein umfangreiches Layout, das mit der Zeit erweitert wird.


Be wary of numbers

Lila Loot!
Ich liebe Charaktermanagement. Ich liebe Stats, Attribute, Effekte, Set-Boni, Prozentzahlen und verliere mich andauernd darin. Bevor ich aber in die verschiedenen Werte von Nioh abtauchen konnte, erschlugen sie mich bereits.

Die Hauptattribute erinnern an die Souls-Spiele, wirken sich aber mit größerer Streuung auf die einzelnen direkten Attribute wie Kampfschaden, Gesundheit, Resistenzen, etc. aus. Wer also seinen Waffenschaden erhöhen will, wird auch zwangsläufig seine Gesundheit und seine Stamina im geringeren Ausmaß leveln. So kann man sich nicht so leicht verskillen bzw. wichtige Werte vernachlässigen.

Aber wirklich heftig wird es dann beim Equipment. Es gibt Loot, es gibt verschiedene Wertigkeitsstufen und neben den festen Werten auch zusätzliche zufällige Boni auf jedem Item. Mehr Schaden bei Angriffen von hinten, erhöhte Dropchancen, Dashgeschwindigkeit, Staminaregeneration sind nur einige wenige Beispiele. (Und den Rest verstehe ich kaum.) Wer sich nicht auf Würfelglück verlassen will, lässt seine Rüstung und Waffen schmieden, kann dann die zufälligen Boni auch neu würfeln lassen und einige Effekte lassen sich dann auf anderes Equipment übertragen, wenn die Erfahrung mit der Waffe ausreichend ist. Hier kann wirklich sehr tief personalisiert werden. Zum Glück gilt das auch für die Optik. Jede Waffe und jedes Rüstungsteil kann die äußere Erscheinung eines gleichartigen Items bekommen. It's Fashion Souls, Baby.


Weakness: Recycling
Der ganze Aufbau des Spiels ist nicht sonderlich kryptisch. Der Shitload an Items, Stats, Craftingmöglichkeiten und Mechaniken mag überfordern, aber hat man sich da einmal mit freiem Kopf durch alle Menüs gearbeitet, ist man für das eigentliche Gameplay gewappnet.

Überhaupt erleichtert das Spiel den Zugang zu diesem Genre und chiffriert nicht Story, Spielziele und Hintergrundmechaniken wie es die Souls-Spiele gerne tun. Auf einer Japan-Karte haben wir Main und Side Missions, wir bekommen die Belohnungen angezeigt und das Ziel wird auf einem Radar sogar grob markiert. Die eigentlichen Missionen spielen in abgeschlossenen Gebieten. Es gibt natürlich Abkürzungen, die zurück zum Shrine, dem Bonfire-Pendant, führen und hin und wieder einen versteckten Raum, aber insgesamt ist der Levelaufbau zwar clever, im direkten Vergleich mit einem Dark Souls aber sehr übersichtlich und komfortabel. Den Frustfaktor würde ich hier deutlich niedriger ansiedeln.

Der konservative Aufbau ermöglicht es auch den Content stärker zu variieren. Hat man ein Gebiet abgeschlossen, warten dort Nebenmissionen auf einen, die das Design und die Encounter oftmals stark verändern. Wirklich frisch fühlt es sich direkt nach der Hauptmission aber nicht an. Die Abschlussbelohnungen reizen aber stark und sind allein für die Levelups nur zu empfehlen und so arbeitet man sich teilweise durch ein Gebiet doppelt und dreifach, anstatt neue Regionen zu erkunden. Wirklich nötig hat es das Spiel nicht gehabt. Ich bin noch nicht durch, aber bei über 20 Stunden im dritten von (vermutlich) zehn Gebieten. Da hätte ich mir die Variationen lieber für das Post-Game oder das New Game Plus gewünscht. Aber bei dieser Sorte Spiel gilt: Lieber zu viel als zu wenig. Wir wollen ja viel Raum für die Ausgestaltung unserer Kampfkünste haben.


Gorgeous view

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Aliasing, ein annehmbarer Preis für 60fps.
Schaut man sich Dark Souls 3 und Bloodborne an, hat sich From Software ziemlich gemausert. Die Spiele haben ein fantastisches Art Design, aber eben auch die nötige Technik um diese groteske, aber majestätische Welt zu inszenieren. Nioh verspricht mit seinem mythologischen Einfluss auch viel und obwohl Rüstungen, Regionen und Dämonen cool designt sind, stoppt die Grafik jegliche Epicness. Nioh wirkt altbacken und nach den einführenden Bossvideos, kann der eigentliche Bosskampf inszenatorisch enttäuschen. Das Spiel wirkt oft steif und sehr mechanisch. Nichtsdestotrotz genieße ich den Artstyle sehr und wenn dann im Hintergrund ein sitzender Yokai mit seiner unheimlich jaulenden Laute Krieger beschwört, zieht mich die Atmosphäre in ihren Bann. Das Spiel ist technisch schwach, aber stilistisch so eigen, so herrlich verdreht mit seinen bizarren Dämonenmasken und grell leuchtenden spirituellen Tieren zu disharmonischen Alptraumklängen, - es ist eine ungewöhnliche, aber auch ungewöhnlich geile Erfahrung.

Außerdem bietet das Spiel verschiedene Grafikeinstellungen und jeder Spieler kann selbst entscheiden, ob er eine bessere Optik oder 60fps bevorzugt. (Wählt die 60fps.)


Bow

Und sonst so? Man kann am Shrine Coop-Helfer beschwören oder andere Spieler unterstützen. Sogar ein Duell-Modus ist geplant. Ja, man kann respeccen und durch den Aufbau des Spiels scheint es keine Missables zu geben. Die Waffen sind alle cool, aber leider findet man anfangs nur für einfache Schwerter Baupläne für den Schmied. Ninjutsu und Onmya-Magie sind mächtig und sollten jeden Build aufwerten. Nioh macht einem gerne Angst, aber es ist alles halb so schlimm. Halte durch, Casual.


tl;dr

Nioh_20170129141131.jpg

Du bist Souls-Fan? Kaufen. Japan-Fan? Kaufen. Ich persönlich war schon etwas Souls-müde. Ich liebe die Reihe, aber es ist ein One-Trick-Pony, seien wir ehrlich. Okay, ein One-Trick-Einhorn aus einer besseren Welt, aber nach der fünften Vorführung braucht es mehr um die Asche zu entfachen. Nioh kopiert die Souls-Formel, aber das Szenario ist ein berauschender Kulturschock, Kampfsystem und Charaktermanagement sind übertrieben komplex, vielseitig und befriedigend, und das Ding bietet so viel Content, dass es richtig Spaß macht, sich Nioh vollumfänglich hinzugeben. Das Spiel schießt am Mainstream meilenweit vorbei und onehittet mich critical. 10/10


Großes Danke an @nai und seine Seite ladebalken.net. So hatte ich die Möglichkeit, Nioh schon jetzt zu spielen und so hat das KT immerhin eins der frühsten deutschen Reviews. (Nur sorry, dass ich es nicht durchspielen konnte, aber das wird in sieben Tagen kein Tester geschafft haben. :D )
 
Zuletzt bearbeitet:
Hat man ein Gebiet abgeschlossen, warten dort Nebenmissionen auf einen, die das Design und die Encounter oftmals stark verändern. Wirklich frisch fühlt es sich direkt nach der Hauptmission aber nicht an. Die Abschlussbelohnungen reizen aber stark und sind allein für die Levelups nur zu empfehlen und so arbeitet man sich teilweise durch ein Gebiet doppelt und dreifach, anstatt neue Regionen zu erkunden. Wirklich nötig hat es das Spiel nicht gehabt. Ich bin noch nicht durch, aber bei über 20 Stunden im dritten von (vermutlich) zehn Gebieten. Da hätte ich mir die Variationen lieber für das Post-Game oder das New Game Plus gewünscht.
Das ist die einzige Sorge, die ich schon in der Beta hatte und die mich womöglich auch weiter stören wird. Ich bin kein Fan von repetitiven Elementen, schon gar nicht, wenn es ganze Level bzw. Gebiete sind, durch die man mehrmals hintereinander rennen muss. :|
 
das spiel hatte mich damals schon wegen seiner ps4 exklusivität, aber sehr schön, dass es dazu auch noch ein gutes spiel geworden ist. :liebe:

Das ist die einzige Sorge, die ich schon in der Beta hatte und die mich womöglich auch weiter stören wird. Ich bin kein Fan von repetitiven Elementen, schon gar nicht, wenn es ganze Level bzw. Gebiete sind, durch die man mehrmals hintereinander rennen muss. :|

aber der loot!
 
@Fox

Ja, bei den Souls-Spielen hätte ich mir sowas immer gewünscht. Also z.B. ein New Game Plus mit komplett anderen Encountern. Und hier machen sie mehr, als ich erwarten würde. Athmosphäre ändert sich teilweise komplett und es werden über die Side Missions auch komplett neue Gegner eingeführt. Es ist auch so, dass die Gebiete sich beim zweiten Mal recht schnell durchspielen lassen. Es ist nur schade, dass es so designt ist, dass man oft direkt nach der Main Mission noch einmal genau dasselbe Gebiet von hinten aufrollt. Mir geht es bei Souls-Games immer so, dass wenn ich einen harten Boss gelegt habe, ich als Belohnung auch das neue Gebiet sehe. Und hier stockt der Fortschritt unnötigerweise.

Aber hält sich alles in Grenzen. Pro Main Mission gibt es bisher meist eine Side Mission im selben Gebiet und die restlichen zwei oder maximal drei Side Missions (bisher), die nach dem Abschließen einer Mission auftauchen, sind eigene, kleine Gebiete.

Die Souls-Games sind halt zu jeder Minute sehr unique und kommen ohne Recycling aus. Nioh ist irgendwie mehr "Spiel", so wie wir es kennen. Aber mein Gott, ich bin mir sehr sicher, dass es dir gefallen wird, auch wenn man sicherlich dem Spiel paar Punkte ankreiden kann. :D
 
Hinter einer Side-Quest verbirgt sich auch einer der coolsten und schwersten Bosskämpfe. Also es lohnt sich nicht nur für die Beute.
 
Die kleinen Sidequests finde ich eh immer sehr cool. Muneshige gab es ja auch schon in der Demo. Und auch sonst mochte ich bis jetzt die Areale. Selbst die Arenakämpfe hatten was, weil sie sich ganz anders spielen als eine normale Mission. Es zieht sich auch nichts länger als nötig. Aber ich bin gespannt, ob bei einer Dauer von mindestens 80h (laut Entwicklern, aber dürfte hinkommen), die optionalen, aber schon irgendwie wichtigen Inhalte nicht etwas lästig werden.
 
Im ersten Gebiet hab ich noch alle Sidemissions erledigt, beim zweiten nur noch etwa die Hälfte. Mal sehen, wie es weitergeht. :D
 
@nai
Ach, so hast du mich also überholt. :nein:

(Und dabei bestimmt die nervige Giftminen-Sidequest verpasst. :P )

@KaKun
Ja, Bild ist natürlich sauberer im Movie Modus oder wie das heißt, aber 60fps sind bei einem schnellen Action-Game Pflicht.

Auf der Pro hat man aber bei 1080p sauberes Anti-Aliasing und 60fps. Nur im 4k-Modus dann 30fps. Hier hätte ich schon gerne die PS4 Pro.
 
Ich hab aber auch schon fast 30 Stunden auf der Uhr. Zähle ja nicht zur Dark Souls-Elite und muss mehr leveln. :D
 
@eape
Nachhilfe im Bereich japanischer Mythologie?

Ich sehe schon wie Hajin einen zwei Stunden langen Monolog über die Sengoku Ära geführt hat. :ugly:

Sengoku Ära dürfte für viele Japan freaks eh schon durchgekaut sein. Allerdings bin ich mal gespannt wie Detailgenau die japanische Mythologie eingeflossen ist.

Götter sind aber (zumindest wasnichngesehen hab) nicht vorhanden? Also amaterasu und co?
 
@eape
Nachhilfe im Bereich japanischer Mythologie?

Ich sehe schon wie Hajin einen zwei Stunden langen Monolog über die Sengoku Ära geführt hat. :ugly:

Sengoku Ära dürfte für viele Japan freaks eh schon durchgekaut sein. Allerdings bin ich mal gespannt wie Detailgenau die japanische Mythologie eingeflossen ist.

Götter sind aber (zumindest wasnichngesehen hab) nicht vorhanden? Also amaterasu und co?

Bisher habe ich keine "großen" Götter gesehen, nur die Spirit Guardians, aber Spiel ist ja noch lang. :D

Bin auch gespannt, was Hajin von der Story und so hält. Ich kann das nur laienhaft beurteilen, aber es scheint mir als hätte man viele Details aus den anderen Koei Tecmo-Spielen bzw. hauptsächlich Samurai Warriors übernommen, aber keine Ahnung. :D

Japanische Mythologie finde ich richtig cool. Einfach sehr originell (falls man das Wort hier benutzen kann) und märchenhaft. Fand ich schon bei Oreshika sehr unterhaltsam und hier lese ich echt die ganzen Tagebucheinträge und besuche Wikipedia für Details. :)
 
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