Eine Reise nach Bora-Bora verschlingt Unsummen der persönlichen Ersparnisse. Monte Carlo und Capri sind ebenfalls großartige Reiseziele, wenn man es darauf anlegt, maßlos Geld zu verprassen. Ein wenig anders sieht es aber in Bezug auf Hawaii aus – denn das gibt es neuerdings preiswerter denn je, obwohl es trotzdem ein paradiesisches Umfeld bietet.
Ähnlich gestaltet sich der Sachverhalt in Bezug auf AMDs Radeon R9 290X, die sicherlich weder den Titel der teuersten, noch der luxuriösesten derzeit erhältlichen Grafikkarte für sich beanspruchen kann. Das aktuelle Flaggschiff aus dem Hause AMD setzt auf eine alte Kühllösung, an deren Stelle wir gern eine verbesserte Version sehen würden. Zudem versprüht die Karte im Referenz-Design den fragwürdigen Charme eines Plastikbombers. Alles in allem hätte man sicherlich ein paar Dinge besser lösen können. Betrachtet man jedoch die reine Gaming-Performance, dann deklassiert diese Grafikkarte problemlos die direkte Konkurrenz in Form von Nvidias Geforce GTX 780 und sogar der Geforce GTX Titan - beides Karten, die (im Fall der Titan sogar deutlich) teurer sind als die R9 290X.
Aber wir wollen unser Augenmerk dennoch zunächst auf die Problemzonen richten: AMD hat die Hawaii-GPU stark hochgezüchtet, um die in unserem Test aufgezeigte Leistung abrufen zu können. Obwohl der Chiptakt der R9 290X werksseitig mit 1000 MHz angegeben wird, erreicht sie in starken Last-Szenarien relativ schnell ihr Temperaturlimit von maximal 95°C. Um ab diesem Zeitpunkt einen Betrieb bei maximalem Chiptakt gewährleisten zu können, kommt es auf die richtige Drehzahl des Lüfters auf dem Kühlkörper an.
AMD behauptet, man lege die Kontrolle darüber gänzlich in die Hand des Kunden. Tatsächlich ist es möglich, die maximale Lüfterdrehzahl durch das überarbeitete PowerTune Feature selbst zu definieren. Dabei setzt man allerdings auf dieselbe, lautstrake Kühllösung, die bereits auf der Radeon HD 7970 im Referenzdesign für orkanartige Geräuschbelästigung sorgte. Dem wirkt man immerhin durch zwei unterschiedliche, auswählbare Firmware-Versionen auf der R9 290X entgegen: „Quiet“ und „Uber“. Im „Quiet-Mode“ arbeitet der Lüfter mit höchstens 40% seiner Maximaldrehzahl als fixe Obergrenze, während er im Uber-Mode bis auf 55%, hörbar lauter und innerhalb nicht mehr als angenehm zu bezeichnender Parameter aufdreht. Aus diesem Grund bevorzugen wir den „Quiet-Mode“. Dabei ergibt sich jedoch das Problem, dass die Karte selbständig heruntertaktet, sobald der Hawaii-Chip bei 40%iger Lüfterdrehzahl 95°C erreicht. Für eine einzelne R9 290X ist es dann nicht ungewöhnlich, dass der Chiptakt auf einen Wert zwischen ungefähr 750 und 850 MHz abfällt. Im Crossfire-Gespann konnten wir sogar ein dauerhaftes Absinken auf bis zu 727 MHz beobachten. Eine effektivere Kühllösung hätte sowohl einen leiseren, als auch beständigeren Betrieb im Bereich des Maximaltakts bedeuten können.
Dafür bietet die Karte allerdings ein großartiges Preis-/Leistungsverhältnis: Während ihre Anschaffungskosten unterhalb dessen liegen, was für eine GeForce GTX 780 oder gar GTX Titan auf den Tisch gelegt werden muss, schlägt sie beide Gegner aus dem Hause Nvidia in den allermeisten Fällen – Hut ab!
Für alle, die über einen einzelnen Monitor mit QHD-Auflösung verfügen, stellt die AMD R9 280X für derzeit knapp unter 250,- Euro einen sinnvollen Einstieg dar. Nvidias GTX 770 wäre der nächste Schritt in Richtung höherer Performance, die jedoch nicht ausreicht, um einen den Mehrpreis von 80,-€ wirklich zu gerechtfertigen. Für all jene, die extrem hardwarehungrige Titel wie Arma III bei höchstmöglichen Qualitätseinstellungen spielen möchten, führt aus Sicht des Preis-/Leistungsverhältnisses kein Weg an der Radeon R9 290X vorbei.
Sicherlich ist es möglich, mit dieser Grafikkarte auch bei einer epischen Auflösung von 3840x2160 zu spielen. Wer allerdings 300,-€ für einen Ultra-HD-Monitor ausgibt, wird sich nicht damit zufrieden geben, spielbare Frame-Rates bei reduzierten Qualitätseinstellungen zu erhalten. Um höchste Qualitätsstufen in dieser Auflösung flüssig darstellen zu können, sind zwei Radeon R9 290X oder GeForce GTX 780 nötig. Leider konnten wir keine Vergleichsbenchmarks zwischen einem entsprechenden Crossfire- und SLI-Gespann in Ultra-HD-Auflösung erstellen, da AMD nicht den Testaufbau untzerstützt, den wir hätten verwenden müssen. Dennoch kann man auf Basis der Ergebnisse bei 7680x1440 vermuten, dass zwei Karten mit Hawaii-GPU sich als etwas performanter erwiesen hätten – und das bei einem vermutlich günstigeren Anschaffungspreis als bei einem SLI-Setup bestehend aus zwei GeForce GTX 780.
Der Benchmarkparcours auf einem Triple-Monitor-Setup bestehend aus drei QHD-Displays erweist sich dann mit über 11 Millionen Pixeln als echte Feuertaufe. Bei den höchstmöglichen Qualitätseinstellungen in den verwendeten Spielen liegen zwei R9 290X leistungsmässig nahe bei zwei GeForce GTX Titan für jeweils knapp über 800,- Euro. Dabei hilft es AMD zunächst nicht weiter, dass die neuen Karten im Crossfire-Gespann bei einem auf 73% der maximalen Leistung abgesenkten Chiptakt laufen, wenn man denn darauf besteht, die „Quiet“-Firmware zum ohrenschonenden Betrieb einzusetzen. An dieser Stelle sind in den nächsten Wochen und Monaten AMDs Board-Partner gefragt, um die Maximalleistung der R9 290X durch den Einsatz besserer Kühllösungen bei einer geringeren Lautstärkeentwicklung dauerhaft abrufbar zu machen.
Nichtsdestotrotz erscheint es gerechtfertigt, der AMD Radeon R9 290X aufgrund der außerordentlichen Leistung bei moderater Preisgestaltung der Tom’s Hardware Elite-Award zu vergeben, womit diese Auszeichnung zu ersten Mal seit langem überhaupt an eine Grafikkarte geht. Dennoch waren wir bei dieser Entscheidung ein wenig zwiegespalten. Nvidia liegt eindeutig vorn, was die Kühllösung, Geräuschentwicklung und die ästhetische Qualität der eigenen Grafikkarten angeht, lässt sich diesen Mehrwert aber auch entsprechend entlohnen. Die aktuellen AMD-Grafikkarten sind demgegenüber schneller, günstiger und es bedarf etwas Eigeninitiative, um die Geräuschentwicklung im Zaum zu halten, so long as you stick with its Quiet mode. CrossFire wurde von AMD gründlich überarbeitet, so dass es nun deutlich problemloser, wenngleich noch nicht völlig perfekt funktioniert (wir konnten zumindest in Skyrim weiterhin Dropped Frames und Runt Frames feststellen) und does facilitate frame pacing right out of the gate at resolutions all the way up to 7680x1440. Noch spannender dürfte es werden, sobald AMDs Boardpartner erste Modelle mit eigenen Kühllösungen herausbringen. Bis es allerdings so weit ist, wäre es grob fahrlässig, die bereits zu diesem Zeitpunkt gebotene Leistung der Referenzmodelle als neuen Klassenprimus nicht anzuerkennen.