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REVIEW Metro: Last Light [Review]

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Irgendwann, irgendwo in der Ukraine, hat während der Präsentation des neuen Metro Last Light der folgende Dialog garantiert niemals stattgefunden:

Entwickler: „Hier ist unser neues Metro, mit neuem, überarbeitem Gameplay. Wir haben nun mehr Waffen, ein wesentlich besseres Handling, besseres Feedback, bessere Kontrolle. Schusswechsel mit den Gegnern machen nun richtig Spaß, sind fair und vermitteln ein ganz eigenes Spielgefühl.“
Spieler: „Ja, prima.“
Entwickler: „Das ist nicht alles. Hier ist ein Kampfmesser, mit dem ihr stylische Kills ausführen könnt, wenn ihr Gegner kalt erwischt.“
Spieler: „Toll, das klingt ja super“.
Entwickler: „Ja. Benutzt da bitte nichts von!“
Spieler: „Wie jetzt meinen?“
Entwickler: „Naja, du willst doch jetzt nicht ernsthaft durch die Metro laufen und Leute erschießen, oder?“
Spieler: „Öhm... naja, das Spiel wird als First Person Shooter vermarktet, ich hab all diese Waffen und sowie ich gesehen werde, wird auf mich auch geschossen wie Freiwild, also von daher... eigentlich...“
Entwickler: „Nein nein, töten ist böse. Wenn du tötest, nimmt das kein gutes Ende. Im wahrsten Sinne...“ (zwinkert)
Spieler: „Ok... was mach ich dann?“
Entwickler: „Du kannst Gegner k.o schlagen.“
Spieler: „...“
Entwickler: „Ein harter Schlag ins Gesicht, Gegner fällt, alle sind glücklich.“
Spieler: „...“
Entwickler: „Allerdings gelingt das nicht immer, manche Gegner stehen zu dicht zusammen.“
Spieler: „Und was mach ich dann?“
Entwickler: „Vorbeischleichen.“
Spieler: „...?“
Entwickler: „Ja, wir machen die Gegner so strunzdumm, dass der Spieler, sowie er auch nur mit einer Zehe im Schatten steht, unsichtbar ist und dann einfach um die Gegner herum laufen kann.“
Spieler: „Laufen?“
Entwickler: „Ja. Keine Gewalt, keine Toten, keine Spur. Du bist ein Geist.“ (hebt die Arme und macht Boo-Geräusche)
Spieler: „Also verbringe ich das ganze Spiel nur damit... zu... laufen?“
Entwickler: „Nein, nein, Gott bewahre, wird bauen zwei Stellen ein, in denen man zwingend schießen muss. Ganz am Ende des Spiels. So kommen auch Shooterfans auf Ihre Kosten.“
Spieler: „Ok. Aber wenn ich das ganze Spiel nicht zum Schießen gekommen bin, wie soll ich dann am Ende wissen, wie man die Waffen richtig benutzt? Da habe ich dann ja gar keine Übung drin.“
Entwickler: „Dafür gibt es die Monster.“
Spieler: „Monster?“
Entwickler: „Am besten wird eine Demonstration sein. Nimm den Controller...“
Spieler: „...“
Entwickler: „So und jetzt sind wir draußen. Die Welt ist zerstört, alles ist radioaktiv, daher die Gasmaske. Gleich kommen die Monster. Ok, da ist einer, auf den kannst du schießen. Der, der grad auf dich zugestürmt ist und dich jetzt mit Krallen traktiert. Jetzt schieß doch... ok, nachladen... nachladen... ja, das dauert etwas, heil dich mal eben... nachladen... am besten lauf mal weg... ja, die sind schnell, lauf noch etwas... ok, schieß mal wieder. Nicht nur den, der dich grad von vorne behackt, schieß auch mal auf den von hinten... und den von rechts... und links... da oben an der Säule kommt auch einer...“
Spieler: „Ich hab keine Munition mehr!!!“
Entwickler: „Das ist der Survival Aspekt, auf den wir viel Wert legen. Jede Kugel zählt. Ok, jetzt bist du tot, das machen wir gleich noch mal.“
Spieler: „...“
Entwickler: „Nimm die Shotgun!“
Spieler: „Die, die man alle zwei Schuss nachladen muss?“
Entwickler: „Wo wäre sonst die Herausforderung? Achtung hinter dir. Und von links. Und wieder der Kerl von oben... also, manchmal glaube ich, du willst gar nicht weiter kommen.“
Spieler: „...“
Entwickler: „Ok, nächster Versuch, gib alles!“
Spieler: (gibt alles)
Entwickler: „Jaja, drei weg, jetzt kommen nur noch zehn.“
Spieler: „Zehn????“
Entwickler: „Konzentrieren, links, rechts, mitte, oben, links und immer Augen hinten. Fünf, vier, drei...“
Spieler: „ICH BRAUCH MUNITION!!!“
Entwickler: „Das schaffst du! Nimm das Messer! Zwei... der letzte!“
Spieler: „ARRGGGGGGGGGHHH!!!“
Entwickler: „Yes!!! Ich bin stolz auf dich!“
Spieler: (schnappt nach Luft) „Ich hab's gepackt. Ha! Ich hab sie alle erlegt. Letzte Rille, keine Kugel mehr, keine Spritze, aber ich hab sie besiegt. Mann, was für ein aufreibender Kampf. Puh... ok und was jetzt?“
Entwickler: „Jetzt kommt der Bossgegner.“
Spieler: „... … … … … … Ffffff...“

Ich Gamer. Ich nix lesen.

Nicht viele Spiele basieren auf Büchern. Manchmal werden aus Büchern Filme, die dann zu Spielen werden. Oder es werden Bücher zu Spielen geschrieben (und angesichts der Tatsache, das hierzu Spiele wie Halo zählen, benutze ich das Wort Buch im weitesten Sinne der Definition). Metro 2033 basierte auf dem Roman des russischen Autors Дмитрий Алексеевич Глуховский und war in Sachen Atmosphäre eines der stärksten Spiele aller Zeiten. Die belebten Untergrundwelten der russischen Metro standen in Kontrast zur toten und lebensfeindlichen Oberwelt, die nur mit Schutzkleidung und Gasmaske betreten werden konnte. Filter, Munition, Waffen, alles war Mangelware, selbst die Taschenlampe musste manuell aufgeladen werden. Kaum ein anderes Spiel konnte eine so dichte, packende Welt erschaffen. Zu blöd, dass das Gameplay ein Totalausfall war. Besonders nett waren die Momente, in denen ihr jede Kugel sparen musstet während die Gegner in einer Tour durchfeuerten.

Metro Last Light spielt in der Folgezeit des Vorgängers. Artyom hat die Dark Ones ausgerottet, oder so meint man. Ein weiteres Exemplar ist gesichtet und nun setzt man alles daran, Artyom mit diesem sehr jungen Dark One kommunizieren zu lassen. Warum? … … …

Pavel! Chaben wirr noch Voodka da?

Wie dem auch sei, dies führt zu einer wüsten Reise Artyoms durch die Tunnel Moskaus. Zwischen den Kommunisten, den Nazis und einem Love-Interesset, das man eingangs des Spiels als harte Soldatin vorgestellt bekommt, welches dann für sechs Stunden verschwindet, um sodann als halbnackte, liebebedürftige Blume wieder zu kommen, zwischen einem Protagonisten, der während der Ladebildschirme Monologe abhält, aber im Spiel vollkommen stumm bleibt, zwischen Verräter über Verräter und zwei verschiedenen Endsequenzen, die denjenigen bestrafen, der einen Shooter wie einen Shooter spielt, ist die Atmosphäre stark wie immer, der eigentliche Plot aber ein ziemliches Chaos. Der menschliche Konflikt verliert sich gen Ende immer mehr in Monstermythen, wodurch die Glaubwürdigkeit der ganzen Welt massiv leidet. Atmosphärisch ist das letzte Drittel daher auch das schwächste des Spiels. Nicht zu vergessen, dass ein Großteil der Geschichte von Stories herrührt, die man durch Lauschen während der Szenen in den belebten Orten der Metro oder durch gefundene Dokumente erfährt. Nur als Tip: Relevante Elemente seiner Geschichte sollte man tunlichst nie optional halten oder gar verstecken.

Wichtige Charaktere kommen und gehen, aber so wirklich im Gedächtnis bleibt nur Freund Pavel. Der Rest geht in einem WirrWarr an russischen Akzenten unter.

Die Grundstruktur ist die gleiche wie im Vorgänger. Ihr steuert Artyom aus der Egoperspektive und versucht, mit den wenigen, handgemachten Ressourcen der Metro über die Runden zu kommen. Eure Reise führt euch durch die Tunnel, ihr legt euch mit den Nazis und den Kommunisten an und trefft auf den letzten Dunklen Welchen. Dabei schwankt das Gameplay generell zwischen den Interaktionen in den belebten Gegenden und den feindlichen Abschnitten entweder unter oder über der Erde.

STEALTH

Definitiv wird anfangs Stealth groß geschrieben. Dabei hat Metro Last Light kaum Stealthmachniken außer „bleib im Dunkeln.“ Last Light ist äußerst binär in dieser Beziehung. Leuchtet eure Lampe an der Uhr auf, seid ihr sichtbar wie ein Feuerwerk, ist sie dunkel, seid ihr ein Geist. Die Gegner sind so dermaßen unfähig, dass ihr ohne Probleme ganze Gruppen ausschalten könnt, die so nah bei einander stehen, dass sie sich riechen müssten. Von Feuergefechten rät das Spiel klar ab. Was bedauerlich ist. Die vorhandenen Waffen haben einen wunderbaren, Self-made Charme. Die Steuerung ist wesentlich besser, das Treffer-Feedback ist besser und die Balance zwischen eigener Widerstandskraft und der der Gegner stimmt nun auch. Selten hat es so viel Spaß gemacht, eine Kalashnikov zu benutzen. Das Wirtschaftssystem mit den Militärkugeln ist ebenfalls übernommen. Ihr habt die Wahl, die alte, rostige Munition zu nutzen, die teils unter widrigen Umständen in der Metro selbst gebastel wurde oder die noch originalen Projektile des Militärs zu verwenden, die deutlich mehr Schaden anrichten. Die verschossene Munition fehlt euch dann aber, wenn ihr neue Waffen kaufen oder alte aufbessern wollt. Ihr verfeuert letztlich euer Einkommen.

Wesentlich weniger Spaß machen die Kämpfe gegen die Monster. Diese springen euch eigentlich immer ins Gesicht und bearbeiten euch mit Klauen und Krallen. Sie kommen immer im Pack und greifen immer von allen Seiten, sodass man mit Nachladen, wegrennen und umdrehen kaum hinterher kommt. Erschwerend kommt hinzu, dass es oftmals in diesen Szenen nur extrem wenig Munition zu finden gibt.

Die aufreibensten Szenen finden daher zumeist an der Oberfläche statt, da ihr hier zu allem Überfluss auch unter Zeitdruck steht. Denn wenn ihr keine Filter für eure Gasmaske mehr habt, droht der Erstickungstod. Die Maske beschlägt, verschmutzt und das Glas bricht, was zudem erhebliche Sichtprobleme bereitet. Das führt dazu, dass das Gefühl der Klaustrophobie an der Oberfläche widersinnigerweise noch größer als unten in den Tunneln. Ein Gefühl von Sorgenfreiheit vermittelt Last Light nie, was zur größten Stärke zu zählen sein dürfte, aber zumindest gameplay technisch auf dem Rücken der Spieler ausgetragen wird.

Technisch brilliert Last Light mit extremer Atmosphäre, kreiert durch Nebel, Dunkelheit, gruseligen Soundeffekten und Umgebungsgeräuschen. Der Eindruck des Überlebens ist all gegenwärtig, alles ist selbst erbaut aus Materialen, die den Krieg überlebt haben. Wahlweise kann man das Spiel im russischen Original erleben, was die Atmosphäre noch steigert im Vergleich zum akzentuierten Englisch. Allerdings ist erneut nicht alles untertitelt. Auf der 360 störten allerdings Tonaussetzer diesen Eindruck. Interessanterweise sollen unter anderem Lance Henrikesen, Nolan North und Patton Oswalt im Spiel ihre Stimmen zum Besten geben. Obwohl alle drei eigentlich hohen Wiedererkennungswert haben, habe ich nicht einen der drei heraus gehört.

Im Lichte des Alptraums, den die neue Konsolengeneration über uns herein zu brechen droht, wirkt dies zwar letztlich nicht mehr ganz so dramatisch, aber nicht unerwähnt lassen sollte man, dass der sogenannte Rangermode als DLC angeboten wird und per Code freigeschaltet werden muss. Dieser Modus soll durch einen erhöhten Schwierigkeitsgrad das Erlebnis noch intensivieren und wird vollmundig als „the way the game was meant to be played“ angepriesen. Werbesprüche mal außen vor, Fakt ist letztlich, dass wir mittlerweile für weitere Schwierigkeitsgrade bezahlen müssen. Wahrscheinlich kann uns vor der Gier der Konzerne nur ein neuer Videogamecrash retten.

Der letzte macht das Licht aus

Last Light ist in Abschnitten phänomenal, in anderen durchschnittlich und in weiteren frustrierend. Ihr erlebt die dichte und bedrückende Atmosphäre der Gefangenschaft der Nazis und einen Lapdance einer großbusigen Russin. Ihr schleicht an blinden Wachen vorbei und werdet von Wölfen an der Oberfläche zerfleischt. Ihr kämpft euch durch einen langen Abschnitt voller Monster und werdet ohne Vorwarnung einem Boss vorgeworfen. Ihr erlebt durch eine Gasmaske die Gefangenschaft im eigenen Körper hautnah, aber euer Protagonist hat nicht einmal Beine, geschweige denn Dialoge im Spiel. Für ein Stealthspiel fehlen KI und weitere Mechaniken, als Shooter sollt ihr es augenscheinlich nicht spielen. Kämpfe gegen die Monster sind einfach nur ätzend. Das einzige, was ich als wirklich gelungen bezeichnen möchte, sind die Schusswechsel mit menschlichen Gegnern. Wie ironisch dann, dass Metro Last Light alles dafür tut, um zu verhindern, dass ihr diese erleben könnt. Last Light versteckt absichtlich seine besten Features. Die Qualitätskurve schwingt alle paar Minuten von einem Extrem ins Andere. Last Light ist nicht gut, nicht schlecht, nicht meh. Es ist irgendwann mal alles. Was soll man daraus am Ende machen? Ich weiß es nicht, die Entwickler wussten es scheinbar auch nicht.

Oder anders:

Last Light ist kein Spiel, das man spielen muss, aber man kann es und man sollte es zwingend.
 
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