Ich habe das Interview gesehen und es war alles schon sehr berechnend.
Armstrong hat reumütig Doping gestanden (was man schon seit Jahren weiß) und versichert, dass sein Verhalten in der Vergangenheit aus heutiger Sicht falsch war.
Ich bin aber der Meinung, dass er auch in diesem Interview nicht ehrlich ist.
Seine Taktik ist wohl, dass er die offensichtlichen Dinge eingesteht und bereut, aber Vorwürfe, die seinen Charakter infrage stellen bzw. ihm hohe kriminelle Energie bescheinigen würden, weiterhin abzustreiten.
Teilweise hat er sich auch widersprochen, was teilweise auch an der Simultanübersetzung gelegen haben mag.
So hat ihn Oprah am Anfang des Interviews gefragt, ob Armstrong glaube, dass man ohne Doping die Tour gewinnen könne und er verneinte dies.
Später hat er sich aber über ein Detail im Bericht der USADA beschwert. Und zwar wird im Bericht erwähnt, dass Armstrongs Blutpass beweist, dass er 2009 und 2010 gedopt haben muss (mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:1.000.000). Armstrong behauptet im Interview aber, dass er 2005 das letzte Mal gedopt hat und bei seinem Comeback sauber war. Na klar, und dann wird er mit 38 Jahren und drei Jahren Wettkampfpause mal eben Dritter bei der Tour, die man nach eigener Aussage ja nicht ohne Doping gewinnen kann. Aber Dritter scheint ungedopt möglich zu sein.
Was ich ihm auch nicht glaube ist, dass er keinerlei Druck auf Teammitglieder ausgeübt haben will, die nicht bereit waren zu Dopen. Ist ja auch klar warum er das weiterhin leugnet, weil es zeigen würde, was für ein Arschloch der Typ ist. Und das wäre seinem Plan, sich reinzuwaschen und wieder gesellschaftsfähig zu machen, nicht gerade zuträglich.
Insgesamt hat man einfach deutlich gemerkt, dass es ihm einfach darum geht den Schaden für sein Image zu begrenzen.