Nachdem die erste Chronik zunächst exklusiv für die Leute erhältlich war, die so blö... ähm... interessiert waren, die Special Edition zu erwerben, ist The Taxidermist nun für alle verfügbar, Zahlung von 3,99 Euro und viel Zeit und Geduld voraus gesetzt. Nach einigen Startschwierigkeiten beim Laden und Installieren (auf einmal waren meine ganzen HR Daten weg und das gesamte Spiel wurde ohne mein Zutun neu installiert!) ging es endlich los.
The Taxidermist hat nichts mit Taxifahren zu tun, sondern präsentiert Madison Paige auf ihrer Suche nach dem Origami Killer, spielt also (wie wohl alle Chroniken) vor den Ereignissen des Hauptspiels. Auf Anraten ihres Informanten besucht sie einen Tierpräparator und macht eine grauenvolle Entdeckung. Mehr zu verraten wäre wie immer ein Verbrechen.
You go, girl!
Madison hatte bereits im Hauptspiel (meiner subjektiven Ansicht nach zumindest) die intensivsten und spannendsten Szenen und so wundert es nicht, dass The Taxidermist auch hier wieder in allen Bereichen punktet. Das Gefühl von Angst und Gefahr ist allgegenwärtig und steigert sich gegen Ende ins Unermessliche. Nach dem Doktor, dem Nachtclubbesitzer und dem Feuer muss Madison erneut alles tun, um am Ende nicht als weiteres Opfer in den Zeitungen zu stehen. Eines muss man dem Mädchen lassen. Sie scheut sich nicht davor, in die Höhle des Löwen zu gehen und die Großkatze am Schwanz zu ziehen.
Die Episode ist extrem kurz mit 15 bis maximal 20 Minuten für einen Durchgang, wenn überhaupt, bietet aber fünf mögliche Enden und ein Dutzend Varianten, um zu diesen zu gelangen. In drei Kapitel unterteilt erlaubt das Spiel, jedes dieser Kapitel nach dem Abspann sofort neu zu laden, um zu sehen, welche Veränderungen sich ergeben können. Wie im Hauptspiel ist die Kontrolleingabe fast immer perfekt mit dem Geschehen auf dem Bildschirm und dem Emotionszustand Madisons verbunden, auch wenn eine Szene zu Beginn der Episode selbst für HR-Verhältniss einfach zu aufgeblasen wirkt. Zwei Analogstickbewegungen, zwei zu hämmernde Tasten und insgesamt acht Controllerflicks, nur um ein Fenster zu öffnen, da stehen Eingabe und Ergebnis schlichtweg in keinem Verhältnis mehr. Das Finale der Episode macht dann aber alles wieder richtig und stellt sich als (für HR-Verhältnisse) relativ schwer dar. Ein "Sieg" ist nicht garantiert und die Anforderung an die Reaktionen des Spielers sind deutlich höher als im Hauptspiel.
Ne, das mach ich lieber noch mal!
Da es keine Langzeitfolgen geben kann, die Episode bei Versagen auch unmittelbar endet und ein sofortiges Neuladen erlaubt, steht natürlich auch weniger auf dem Spiel. Gleichzeitig verliert das so ein wenig die größte Stärke des Hauptspiels aus den Augen. Völlig losgelöst von einem größeren Ganzen steht die Episode auf etwas schwachen, eigenen Füßen und bietet nicht den großen, inneren Konflikt des Spielers, nie dieses "Was wenn?" Gefühl, nie die eine Handlung, die man den Rest des Spiels nun mit sich rum tragen muss, nie diesen Anflug von Zweifeln, die nach einer verpassten und übereilten Aktion Hauptfigur und Spieler nun begleiten. Man kann alles sorglos ausprobieren, denn alles, was man verpasst hat, kann man in den nächsten fünf Minuten wieder nachholen. Jeder Fehler kann sofort korrigiert werden. Das geht gegen alles, was Heavy Rain ausgemacht hat.
Auch storytechnisch ist die viertelstündige Odyssee Madisons eher schwach auf der Brust (im Gegensatz zur Hauptdarstellerin). Sie fügt der Geschichte des Hauptspiels nichts hinzu und gibt uns keinerlei neue Erkenntnisse über Madison, insbesondere wird ihre Schlaflosigkeit eben nicht erklärt (es sei denn, in einem der beiden Enden, die ich noch nicht erspielt habe). Madison bleibt in ihrem Charakter, so wie man aus dem Hauptspiel kennt, wird aber weder ausgebaut oder vertieft noch aus einer anderen Perspektive beleuchtet. Alles in allem fühlt sich die Episode an wie eine Szene aus dem Hauptspiel, die der Regisseur dann mangels Relevanz heraus geschnitten hatte.
Grafisch präsentiert die Episode erneut eine herausragende und extrem gruselige Atmosphäre sowie in Sachen Gewalt und Nacktheit deutlich mehr als das gesamte Hauptspiel. In dem extrem kleinen Areal finden sich Unmengen an Details, mit denen ihr interagieren könnt aber nicht müsst. Der Sound ist nahezu identisch zum Hauptspiel während Madisons Synchronsprecherin (im Übrigen nicht die gleiche wie im Hauptspiel) einen guten Job macht, Madisons Panik sowohl in Gedanken als auch in ausgesprochenen Worten rüber zu bringen.
Was wollte uns der Künstler damit sagen?
Rein nüchtern betrachtet fügt sich die Episode nahtlos in die anderen Heavy Rain Kapitel ein. Sie ist stark präsentiert, extrem atmosphärisch und trifft den perfekten Ton zwischen Suspense, Panik und Interaktion. Die fehlende nähere Charakterisierung Madisons und der praktisch nicht vorhandene Bezug zur Hauptstory nehmen der Episode allerdings an Relevanz für das große Bild. Und genau hier setzt das Hauptproblem an: Heavy Rain, ein Spiel geprägt von Handlung und Konsequenz, taugt nicht für in sich geschlossene 15-minütige Episoden. Ohne Druck, ohne weit reichende Konsequenzen, ohne spannende Handlung ist eine einzelne Episode nicht viel mehr als eine Grafikdemo. Wenn dann auch noch Einsichten in die Charaktere fehlen und eine Weiterentwicklung nicht statt findet, stellt sich ernsthaft die Frage nach einer Existenzberechtigung der Episode.
Rein handwerklich ist The Taxidermist nicht schlecht gemacht, im Gegenteil und 15 spannende, Herzklopfen verursachende Minuten mit Madison Paige sind 15 sinnvoll verbrachte Minuten. Im Vergleich zum Hauptspiel verblasst die Episode aber an etlichen Eckpunkten. Vier Euro kann man weitaus schlechter anlegen, wer die Episode aber auslässt, hat auch nicht extrem viel verpasst.
Bis zur nächsten Chronik...
The Taxidermist hat nichts mit Taxifahren zu tun, sondern präsentiert Madison Paige auf ihrer Suche nach dem Origami Killer, spielt also (wie wohl alle Chroniken) vor den Ereignissen des Hauptspiels. Auf Anraten ihres Informanten besucht sie einen Tierpräparator und macht eine grauenvolle Entdeckung. Mehr zu verraten wäre wie immer ein Verbrechen.
You go, girl!
Madison hatte bereits im Hauptspiel (meiner subjektiven Ansicht nach zumindest) die intensivsten und spannendsten Szenen und so wundert es nicht, dass The Taxidermist auch hier wieder in allen Bereichen punktet. Das Gefühl von Angst und Gefahr ist allgegenwärtig und steigert sich gegen Ende ins Unermessliche. Nach dem Doktor, dem Nachtclubbesitzer und dem Feuer muss Madison erneut alles tun, um am Ende nicht als weiteres Opfer in den Zeitungen zu stehen. Eines muss man dem Mädchen lassen. Sie scheut sich nicht davor, in die Höhle des Löwen zu gehen und die Großkatze am Schwanz zu ziehen.
Die Episode ist extrem kurz mit 15 bis maximal 20 Minuten für einen Durchgang, wenn überhaupt, bietet aber fünf mögliche Enden und ein Dutzend Varianten, um zu diesen zu gelangen. In drei Kapitel unterteilt erlaubt das Spiel, jedes dieser Kapitel nach dem Abspann sofort neu zu laden, um zu sehen, welche Veränderungen sich ergeben können. Wie im Hauptspiel ist die Kontrolleingabe fast immer perfekt mit dem Geschehen auf dem Bildschirm und dem Emotionszustand Madisons verbunden, auch wenn eine Szene zu Beginn der Episode selbst für HR-Verhältniss einfach zu aufgeblasen wirkt. Zwei Analogstickbewegungen, zwei zu hämmernde Tasten und insgesamt acht Controllerflicks, nur um ein Fenster zu öffnen, da stehen Eingabe und Ergebnis schlichtweg in keinem Verhältnis mehr. Das Finale der Episode macht dann aber alles wieder richtig und stellt sich als (für HR-Verhältnisse) relativ schwer dar. Ein "Sieg" ist nicht garantiert und die Anforderung an die Reaktionen des Spielers sind deutlich höher als im Hauptspiel.
Ne, das mach ich lieber noch mal!
Da es keine Langzeitfolgen geben kann, die Episode bei Versagen auch unmittelbar endet und ein sofortiges Neuladen erlaubt, steht natürlich auch weniger auf dem Spiel. Gleichzeitig verliert das so ein wenig die größte Stärke des Hauptspiels aus den Augen. Völlig losgelöst von einem größeren Ganzen steht die Episode auf etwas schwachen, eigenen Füßen und bietet nicht den großen, inneren Konflikt des Spielers, nie dieses "Was wenn?" Gefühl, nie die eine Handlung, die man den Rest des Spiels nun mit sich rum tragen muss, nie diesen Anflug von Zweifeln, die nach einer verpassten und übereilten Aktion Hauptfigur und Spieler nun begleiten. Man kann alles sorglos ausprobieren, denn alles, was man verpasst hat, kann man in den nächsten fünf Minuten wieder nachholen. Jeder Fehler kann sofort korrigiert werden. Das geht gegen alles, was Heavy Rain ausgemacht hat.
Auch storytechnisch ist die viertelstündige Odyssee Madisons eher schwach auf der Brust (im Gegensatz zur Hauptdarstellerin). Sie fügt der Geschichte des Hauptspiels nichts hinzu und gibt uns keinerlei neue Erkenntnisse über Madison, insbesondere wird ihre Schlaflosigkeit eben nicht erklärt (es sei denn, in einem der beiden Enden, die ich noch nicht erspielt habe). Madison bleibt in ihrem Charakter, so wie man aus dem Hauptspiel kennt, wird aber weder ausgebaut oder vertieft noch aus einer anderen Perspektive beleuchtet. Alles in allem fühlt sich die Episode an wie eine Szene aus dem Hauptspiel, die der Regisseur dann mangels Relevanz heraus geschnitten hatte.
Grafisch präsentiert die Episode erneut eine herausragende und extrem gruselige Atmosphäre sowie in Sachen Gewalt und Nacktheit deutlich mehr als das gesamte Hauptspiel. In dem extrem kleinen Areal finden sich Unmengen an Details, mit denen ihr interagieren könnt aber nicht müsst. Der Sound ist nahezu identisch zum Hauptspiel während Madisons Synchronsprecherin (im Übrigen nicht die gleiche wie im Hauptspiel) einen guten Job macht, Madisons Panik sowohl in Gedanken als auch in ausgesprochenen Worten rüber zu bringen.
Was wollte uns der Künstler damit sagen?
Rein nüchtern betrachtet fügt sich die Episode nahtlos in die anderen Heavy Rain Kapitel ein. Sie ist stark präsentiert, extrem atmosphärisch und trifft den perfekten Ton zwischen Suspense, Panik und Interaktion. Die fehlende nähere Charakterisierung Madisons und der praktisch nicht vorhandene Bezug zur Hauptstory nehmen der Episode allerdings an Relevanz für das große Bild. Und genau hier setzt das Hauptproblem an: Heavy Rain, ein Spiel geprägt von Handlung und Konsequenz, taugt nicht für in sich geschlossene 15-minütige Episoden. Ohne Druck, ohne weit reichende Konsequenzen, ohne spannende Handlung ist eine einzelne Episode nicht viel mehr als eine Grafikdemo. Wenn dann auch noch Einsichten in die Charaktere fehlen und eine Weiterentwicklung nicht statt findet, stellt sich ernsthaft die Frage nach einer Existenzberechtigung der Episode.
Rein handwerklich ist The Taxidermist nicht schlecht gemacht, im Gegenteil und 15 spannende, Herzklopfen verursachende Minuten mit Madison Paige sind 15 sinnvoll verbrachte Minuten. Im Vergleich zum Hauptspiel verblasst die Episode aber an etlichen Eckpunkten. Vier Euro kann man weitaus schlechter anlegen, wer die Episode aber auslässt, hat auch nicht extrem viel verpasst.
Bis zur nächsten Chronik...