http://www.medialine.de/media/uploads/projekt/medialine/docs/bestellung_download/marktanalysen/2004/ma_mode_200408.pdf
Studie ist von 2004, also nicht mehr ganz aktuell. Ab S.30 geht es um die Konsumenten. Die Essenz ist, dass Menschen in Deutschland Mode in schweren Zeiten billig einkaufen, obwohl sie sich gerne mehr gönnen würden. Dadurch steigt die Anzahl der verschuldeten Haushalte.
Je schlechter das Einkommen ist/eingeschätzt wurde, desto mehr wird auf billige Angebote geachtet.
Ich verstehe, was du meinst. Sehr wenig Menschen nehmen ihre Verantwortung der Gesellschaft gegenüber ernst. Weder Unternehmen noch Reiche und auch die Armen entziehen sich ihr völlig. Niemand will sein Geld abgeben oder seinen Wohlstand teilen. Es ist eine einzige Last, wenn man dazu gezwungen wird. Und da wird kein solidarischer Gedanke daran verschwendet.
Und Arschlöcher kennen keine Positionen und Gehälter. Jemand, der sich jetzt über die raffgierigen Manager aufregt, wäre genau so ein Schwein, wenn er das Geld hätte. Und trotzdem ist es meines Erachtens so, dass es Menschen gibt, die es schwierig haben, die aus einem sozial schwachen Haushalt kommen und für die der Weg nach oben sehr lang und sehr steinig ist und kurz vor dem Ziel ist da noch eine 20m große unsichtbare Mauer - und dann gibt es Menschen, die aus gutem Hause kommen, die in ein stabiles Leben hineinrutschen, die allein durch ihrer Familie finanziell gepolstert werden.
Das ist ein unschätzbarer Luxus. Ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich aus einem - wenn auch sehr armen - gebildeten Haushalt komme und ich die Möglichkeiten habe mein Leben in verschiedenen Richtungen zu lenken. Das sind jetzt komplexe psychologische, soziologische, gar philosophische Themen über Selbstbestimmung und äußere Einflüsse und jeder soll da seine eigene Meinung haben, aber ich denke nicht, dass das durchschnittliche HartzIV-Kind aus der Plattensiedlung seines Glückes Schmied ist.
Jetzt wird er sicher nicht so leicht in einem BWL-Studium landen, wir haben aber immer noch sehr viele wichtige Berufe, die wenig Bildung erfordern, jedoch gebraucht werden. Diese Jobs werden oft maßlos unterschätzt. Auch Lagertätigkeiten können sehr anspruchsvoll sein. Ich selbst habe ja bereits im Lager, im Online-Marketing und im Labor gearbeitet (und studiert) und ich kann nicht behaupten, dass eine Aufgabe anspruchsvoller als die andere war. Man hat andere Hilfsmittel zur Verfügung, die man entweder innerhalb von 30 Minuten, 30 Stunden oder 3 Jahren erlernt, dann wird angewendet und optimiert. Die Arbeitswelt funktioniert dann so, dass du immer nah ans Limit gebracht wirst, bei den "niederen" Arbeiten sogar meist etwas mehr.
Und jetzt ist man in einer dieser Berufszweige und die Diskrepanz zwischen den Gehältern ist abnormal. Ich spreche noch nicht einmal von irgendwelchen wahnwitzigen Managergehältern. Mir wurden am Ende meines Studiums mehrere Vollzeitstellen angeboten, 4500€-6000€ brutto ohne dass ich mein Studium abschließen muss! Ein Freund von mir hat jetzt nach seinem Studium einen Job mit 90000€ Jahresgehalt angenommen. Und dann sehe ich bei meinem Nebenjob so viele Menschen, die alles tun, um nur von der Zeitarbeitsfirma wegzukommen, die teilweise als ausgebildete Einzelhandelskaufmänner Überstunden im Büro(!) machen, die alles geben um übernommen zu werden und die Stelle nie sehen werden, weil sie so billiger sind. Oder sogar hier promovierte Doktoren aus dem Ausland und Menschen aus sozial schwachen Gegenden, die einfach zu alt geworden sind. Und sie alle bekommen nicht mehr als das Existenzminimum und dürfen regelmäßig ins Arbeitsamt.
Für mich ist es echt hart zu sehen, dass solche Menschen nie in den Luxus kommen werden ein stabiles Leben zu führen, so sehr sie auch darauf hinarbeiten und von keiner Seite wird die Situation verbessert. Wir haben jetzt bei uns im Lager unserem Chef Druck gemacht, dass er die besten Zeitarbeiter (unser Unternehmen beschäftigt erheblich mehr als 50% Zeitarbeiter) fest einstellt. Für läppische zwei Stunden am Tag! Und die wenigen, die jetzt übernommen wurden, sind so glücklich, dass sie jetzt zumindest 400€ geregelt bekommen. Sie empfinden so viel Glück, und sind trotzdem so weit entfernt von fairen Verhältnissen. Ich wünschte mir, dass man solchen Menschen einfach ihre 1200€ netto für gute Vollzeitarbeit geben könnte. Und daran sehe ich nichts Unmögliches.
(Okay, ich bin etwas vom Thema gerutscht, weil mir das so sehr am Herzen liegt, aber ich kriege gleich die Kurve.)
Der Unterschied zwischen den Nettoeinkommen ist so riesig und unfair, dass der kleine Mann, der ein wirklich hartes Leben führt, in das er mehr oder weniger hineingeboren wurde (Reiche haben reiche Kinder und Arme haben arme Kinder, auch langfristig, so tickt die Welt), auf sehr viel mehr verzichten müsste, wenn er seine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft wahrnimmt. Es wäre ein Akt der Aufopferung, wenn er sich ein gewissenhaft produziertes Hemd kaufen würde, anstatt sich in diesem Monat ein Videospiel zu holen. Ich denke, diese Sichtweise ist schwer nachzuvollziehen und sie ist schwer zu argumentieren, aber ich verstehe diese Art der Belohnung oder Entschädigung.
Wenn man etwas mehr Geld zur Verfügung hat, sieht die Situation anders aus. Dann ist es ja kein Verzicht sich ein gutes Hemd anzuziehen oder gutes Fleisch vom Metzger zu essen, sondern Luxus. Sich Ökostrom (schlechtes Beispiel eigentlich, die Situation hat sich in den letzten Jahren geändert) zu leisten, wird bei Menschen mit dem entsprechenden Gehalt positiv empfunden. Ich merke das jetzt selbst an mir. Mittlerweile verdiene ich in meinem Nebenjob ganz gut und meine Freundin verdient in Vollzeit auch okay. Wir kommen so auf knapp über 2000€ im Monat. Das ist nicht viel, aber viel mehr als viele Haushalte zur Verfügung haben. Und es ist sehr angenehm sich organisieren zu können. Uns tut es nicht weh Ökostrom zu beziehen, frisch einzukaufen, lokale Modegeschäfte zu durchstöbern. Ich kenne aber auch die Situation, so wenig Geld in der Familie zu haben, dass mehr Geld für Strom auszugeben bedeutet, dass er häufiger abgestellt wird. Man hat in solchen Haushalten sehr viele Unsicherheiten, die nicht abgefedert werden.
Ich denke nicht, dass sich etwas ändern würde, wenn man von HartzIV weniger SAT-Schüsseln und mehr Biofeinkost einkaufen würde. Das trifft irgendwie das Problem nicht. Das kann man erst fordern, wenn mehr Menschen die Stabilität gewährleistet werden kann, die es ermöglicht Entscheidungen nicht aus der Not heraus treffen zu müssen. Und dafür müssen die armen Menschen mehr verdienen. Und das ist Sache der Politik und der Wirtschaft und selbstverständlich auch der Gesellschaft, aber mehr im Sinne der sozialen Denkweise.
Ich weiß, dass man viele Sätze von mir angreifen kann, gerade auch weil ich es schwer finde, so spontan und unstrukturiert zu argumentieren, aber ich habe keine Lust auf eine Diskussion, bei der jetzt einzelne Aussagen herausgepickt und als falsch bezeichnet werden. Andere Meinungen interessieren mich aber trotzdem.

Ist imo eh ein sehr schwieriges Thema mit vielen legitimen Sichtweisen. Falsch ist es nur, dass hier teilweise diese komplexen Zusammenhänge auf zwei Sätze trockene Scheiße reduziert werden.