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Hat die amazon-Reportage euer Kaufverhalten verändert?

Hat die amazon-Reportage euer Kaufverhalten verändert?

  • Ja, ich werde amazon meiden, so gut es geht

    Stimmen: 6 4,3%
  • Ich werde meine amazon-Käufe einschränken, wenn es anderswo nicht teurer ist

    Stimmen: 8 5,8%
  • Mir ist das egal, bei mir ändert sich nichts

    Stimmen: 97 70,3%
  • Ich habe amazon bislang sowieso gemieden

    Stimmen: 5 3,6%
  • Habe die Reportage nicht gesehen / keine Meinung

    Stimmen: 22 15,9%

  • Umfrageteilnehmer
    138

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

pil schrieb:
Ist ja auch nur ein Briefträger, da muss man mal auf dem boden bleiben, das ist ein job wie jeder andere auch, andete ungelernte jobs werden auch nicht besobders bezahlt, und jetzt sagt nicht Briefträger ist ein ausbildungsberuf.

Das heisst Non-Digital-Communications & Object-Delivery-Specialist. So viel Zeit muss sein.
 
Ich sehe schon eine gerechte Gesellschaft möchten hier viele gar nicht.
Das zeigt auch die Gründe warum sie nicht gerecht ist.

@Pil: Briefträger waren wirklich mal Beamter und ein Ausbildungsberuf ist es immer noch. Heute heißt das ""Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen". Oft wird hier aber mit Billiglöhnern oder Subunternehmern, die die Löhne noch weiter drücken können gearbeitet.

Boarder schrieb:
@hhoover : Woher nimmst Du diese Arroganz zu behaupten das ich das nicht kenne ? So was kotzt mich echt an! Kennst Du mein Leben oder Werdegang..... ?

Boarder, ich will dir hier echt nicht ans Bein pissen und auch nicht arrogant rüber kommen. Aber es ist doch wirklich so. Es gibt viele Leute die können keine Rücklagen bilden, weil sie einfach am Ende des Monats maximal 5,- € zurücklegen können, wenn sie die letzte Woche nur Nudeln pur essen.
 
Ja, eben. Und irgendjemand muss die Pakete verpacken und fahren und jemand muss an der Kasse arbeiten und irgendwer muss all unsere Gebäude putzen. Und es kann nicht sein, dass diese Menschen sind mit teilweise 5€/h abfinden müssen bei menschenunwürdigen Konditionen.

Eigentlich habe ich kein Bock mehr zu diskutieren, aber ich finde die Ansichten hier teilweise so scheiße. Ich habe gar kein Verständnis dafür und könnte einfach nur kotzen und euch aufs Maul geben.

Ich komme aus einer sehr armen Akademikerfamilie. Meine Eltern hatten als sie nach Deutschland kamen gar nichts und mussten die "dreckigsten" Jobs annehmen. McDonald's, Fließband, Putzen. Schlecht bezahlt, schlecht behandelt. Aber ja, sie hätten sich natürlich nach dem Studium noch weiterbilden sollen. Neben den 12-Stunden-Schichten. Und Kindern. Aber ja, okay, war halt ein Fehler, ne? Sie haben wahrscheinlich von vornherein das falsche studiert und zu früh Kinder bekommen und es war ihre Entscheidung nach Deutschland ohne Geld zu kommen?
Es will einfach nicht in meinen Kopf, dass man Menschen so etwas vorwerfen kann, dass man Menschen ein gesundes Leben absprechen will, weil sie es ja "nicht anders wollten". Ist es zu viel verlangt, dass ein hart arbeitender Mensch einfach seine verfickten 1200€ netto oder so verdient? Einfach nur genug zum Leben ohne Sorgen beim Einkaufen und vor Geburtstagen der Kinder oder der Nebenkostenabrechnung? Und dann wird ihnen noch vorgeworfen, dass sie sich für die paar übrig gebliebenen Euro etwas Unterhaltung gönnen, anstatt Bio einzukaufen und dass sie mit ihren H&M-Klamotten die Sklavenarbeit fördern? Soll er lieber zum heimischen Metzer gehen und auf seinen Luxus verzichten, indem er sich ein gutes Stück Fleisch leistet. (Hä?!) Ich kapiere es nicht. Und dann sitzt zwei Etagen über ihnen jemand, der seinen Job im mittleren Management über Kontakte erreicht hat und das drei- oder vierfache des Gehalts verdient und er ist ein guter Mensch, denn er zahlt mehr in das Allgemeinwohl des Staates ein und kurbelt mit seinen Luxusgütern die Wirtschaft an und bietet der Sklavenarbeit im fernen Osten so Paroli UND als verantwortungsbewusster Bürger der Gesellschaft und sich selbst gegenüber hat er immer noch Rücklagen, um seiner Familie Stabilität zu geben. Aber jeder kann das erreichen, wenn er sich bemüht und die Menschen, die es nicht mehr können, sind selbst schuld. Wenn man jetzt mit 30 Jahren LKW-Fahrer ist, hätte man sich früher überlegen müssen, was man aus seinem Leben macht.

Ich kann ja verstehen, wenn man da resigniert hinnimmt, dass die Welt so ist, aber die Zustimmung für diese Verhältnisse, dass das Einkommen des "einfachen Mannes" angemessen ist, macht mich so wütend. Ich verstehe nicht, wie man so blind sein kann. Ich glaube auch nicht, dass jemand, der so etwas behauptet, Armut kennt.

Ich könnte ewig weiterschreiben, aber es bringt ja doch nichts.
 
Du bist doch der der für skalvenlohn ist, nicht ich, du verteidigst doch die sklavenarbeit den lohn und du der meinung bist es bleibt einem ja nichts anderes übrig als dies zu nutzen und unterstützen weil man ja sonst ein teil der freiheit opfern müsste den andere mit ihrem sklavenlohn erst ermöglichen, und dafür willst du mir ins gesicht schlagen? :Lol: du bist mir ja einer.

Du bekämpfst nicht billiglohn in dem du bei kik einkaufen gehst. Herrje, das kapiert doch schon der dümmste.
 
pil schrieb:
Du bekämpfst nicht billiglohn in dem du bei kik einkaufen gehst. Herrje, das kapiert doch schon der dümmste.

Nein, natürlich bekämpfst du ihn so nicht. Aber arme Leute haben auch kaum Alternativen.
Und die reichen, die sich ein Hilfiger Shirt in der Nobelboutique kaufen unterstützen genau den gleichen Mist.
Und abgesehen davon ist dieser Kampf, wie bereits gesagt, für die Armen auch ein ungleich härterer Kampf.

eape hat eigentlich alles in seinem letzten Post zusammengefasst.

@eape: Danke! Es ist schon zu sehen, dass es noch Leute mit Sinn für soziale Gerechtigkeit gibt.
 
Ich hab das ja schon öfter geschrieben. Ich finds völlig absurd, wie sämtliche Missstände in punkto Lebensmittel und Produktion ständig auf den einzelnen Verbraucher heruntergebrochen wird. Da wird aus dem Einkaufen zwangsläufig eine Wissenschaft gemacht. Und das heißt gleichzeitig auch, gegen das anzukämpfen, was uns in den Konsumtempeln umgibt, nämlich eine Kulisse, die Einkaufen als lustvolles Erlebnis inszeniert. Allein das ist ja auf Dauer gesehen schon ein enormer Kraftakt.
Und selbst bei genauster Recherche steckt man schon bald in einer informellen Sackgasse. Da sitzen im Verbraucherschutzministerium seit Jahren CSU-Leute, die genau darauf achten, dass man nicht genug und vor allem keine klaren und eindeutigen Informationen darüber bekommt, was wo drin steckt.

So einfach ist es leider nicht, dass man der böse Konsument ist, nur weil man bei Kik kauft und die T-Shirts bei Karstadt oder C&A gleich besser sind, nur weil sie 5 oder 10 Euro mehr kosten. Und man kann sich auch absolut nicht sicher sein, dass das teure Fleisch es auch wirklich wert ist.

Klar würde ich es der KiK-Verkäuferin wünschen, dass sie zu besseren Konditionen angestellt wird. Aber dafür kann ich nicht die Leute verteufeln, die darauf angewiesen sind, dort einzukaufen. Da ist eigentlich die Politik gefragt, wenn sie nicht gerade für das genaue Gegenteil sorgt, nämlich das Deutschland ein Billiglohnland bleibt.

Letztlich sollte man sich von dem ganzen Mist nicht verrückt machen lassen. Am Ende sind wir alle nicht die guten Menschen, die wir gerne wären. Wir können eigentlich ganz gut damit leben, wenn unsere Jeans und miesen Bedingungen in Bangladesch hergestellt wurden. Oder um es mit den Worten Adornos zu sagen: Es gibt kein richtiges Leben im falschen!
 
@pil
Ja, das beweist du uns.

Kein Schwein will bei kik einkaufen. Niemand, der - keine Ahnung - 10€ die Stunde verdient, geht zu kik, weil der Laden scheiße ist. Es ist nicht so, dass der gewöhnliche Mensch sparen will, wo er kann und deswegen bei kik einkauft um sich einen 60"-Fernseher zu leisten. Jeder wäre zufriedener sich - was weiß ich - die Conscious Collection bei H&M zu kaufen, weil das immer noch günstig ist, gut aussieht, sich besser anfühlt und gewissenhafter ist.

Es ist ja auch nicht so, dass Amazon Miese macht, weil sie nicht billig genug sind und unbedingt Kosten minimieren müssen. So wie Amazon jetzt läuft, können sie die Mitarbeiter auch besser bezahlen und machen weiterhin Gewinn. Es gibt keine Nachfrage für Menschen, die mehr als das Existenzminimum bekommen, für noch billigere, schlechtere, menschenverachtend hergestellte Ware. Alle kaufen wie blöd bei Amazon. Wieso ist das dann verständlich, dass sie um die Kosten weiter zu senken von 9€/10€-Arbeitern auf - vielleicht - 2€ oder 5€-Mitarbeiter in Polen setzen wollen? Da kann man doch keinem Menschen, die Schuld zuweisen, der mit 700€ nach Hause kommt und bei kik einkaufen muss.
Wenn Amazon gut läuft, sollten dann die Mitarbeiter nicht besser anstatt schlechter bezahlt werden? Dann rennt auch sicher niemand mehr zu kik. Aber leider ist es so, dass überall Kosten am untersten Mann gesenkt werden und deswegen Billigprodukte angeboten werden müssen.

Das Problem ist diese sich immer weiter öffnende Schere. Wenn man aufhören würde, die Gehälter in den höheren Etagen auf Kosten des Mannes in der untersten Etage zu erhöhen, wenn eine studierte Fachkraft einfach 4000€ anstatt 6000€ brutto verdienen würde und sich der ein oder andere Manager mit ein paar Nullen bei den Bonuszahlungen zufrieden geben würde, damit ein Lagerarbeiter vielleicht läppische 200€ mehr raus hätte, dann würde er seiner Frau sicher keine häßlichen kik-Klamotten kaufen für die sie ihn umbringen könnte. Kein Mensch will kik.

@Boarder
Amazon ist hier eigentlich eher ein Beispiel. Amazon ist noch halbwegs fair.
 
Trotzdem ist bei den Grosskonzernen das Problem doch die Gewinnmaximierung und nicht das Einkaufsverhalten der Menschen. Es geht den Amazonmitarbeitern nicht besser wenn da keiner mehr einkauft, im Gegenteil. Und durch die Globalisierung hilft auch der politische Druck nur bedingt etwas, die Länder wollen diese Firmen ja auf eingenem Boden, und da müssen sie halt Kompromisse eingehen. Wie ein Land wie Deutschland allerdings noch immer ohne durchgehenden Mindestlohn auskommt ist mir eh schleierhaft.
 
Boarder schrieb:
eMKay schrieb:
eape schrieb:
Ich habe gar kein Verständnis dafür und könnte einfach nur kotzen und euch aufs Maul geben.

Bitte was?

Das darf nur Zerfikka

eape schrieb:
Ja, eben. Und irgendjemand muss die Pakete verpacken

Was bei Amazon übrigens keiner für 5 Euro macht sondern für 9,83€.



Ich frage mich auch wie man jetzt wieder auf 5€/h kommt , das ist hier doch gar nicht das thema . Amazon zahlt doch deutlich mehr . In Brieselang wohl etwas weniger ( ist immer an die Region angepasst ) , aber wohl auch knapp unter 9€ im ersten Jahr . Und das ist doch akzeptabel und Arm ist man damit auch nicht .
Es gibt bei Amazon ja auch regelmäßig lohnerhöhungen , sie wollen sich nur nicht an einen Tarifvertrag binden .
Ich habe 2 bekannte die grade in Brieselang angefangen haben und die sind einfach nur froh so einen job bekommen zu haben . Denn der großteil der Unternehmen zahlt hier weniger für solche Jobs .
 
Fanatic schrieb:
pil schrieb:
Und da die masse arm ist und nicht reich ist die masse an diesem verhalten schuld, nicht die reichen, die reichen kaufen sogar meist beim Händler ums eck oder biofleisch beim echten Metzger nebenan, schuld ist die masse die trotz ihrem wenigen geld nicht auf luxus wie fleisch und entertainment verzichten wollen. Das ist nicht entschuldbar, man kann es ja konsumieren aber man kann sich dann nicht hinstellen und sein eigenes verhalten damit entschuldigen.

Macht hier auch keiner? Sehe das ja genauso. Es reicht ja schon, wenn ein paar Leute darauf achten, was sie kaufen. Außerdem würde ich jetzt Lebensmittel und Entertainment trennen. Letzteres ist Luxus, d.h. wenn man Geld über hat, kann man es sich kaufen. Gering Verdiener brauchen können sich keine Leisten, leider werden die diese Scheiß Krediten, wie Easycredit etc. dazu angeleiert sich sowas kaufen zu können, obwohl sie es nicht können. Vielen Leuten mangelt es am Umgang mit dem Geld und können für sich selbst nicht abschätzen, was sie selbst brauchen oder ob sie es wirklich brauchen. Sie hinterfragen heutzutage viel zu wenig. Angefangen beim Billigfleisch, bis hin zum geleasten Sportfragen.

Andersherum ist es von Oben natürlich einfach zu sagen, man soll auf das oder das dann verzichten. Das ist auch leichte Arroganz. Finde solche Aussagen sollte man mit Vorsicht aussprechen. Natürlich steckt dort ein Fünkchen Wahrheit drin, dennoch ist sowas leicht gesagt, wenn man sich das "Gute" einfach leisten kann.

Das ist doch keine arroganz, zumal was heißt das von oben? Auf was muss ich denn bitte alles verzichten? Als ob man alles haben kann? Ich habe 2 jobs, ein vollzeitjob mit 12 h schichten und dazu noch die nebenbrufliche sache und hab tage an denen ich dadurch 18 stunden arbeite und in einem monat keine freien tage übrigbleiben da ich ich in diesen nebenberuflich arbeiten muss, hab dadurch auch nicht mehr geld als manch einer der 140h im monat arbeitet, ich ess meistens den gesamten tag nichts weil die zeit dafür nicht da ist und der stress keinen hunger zulässt. Ich muss auf so viel verzichten, wieso von oben herab wenn ich sage dass wenn man kein geld hat auch auf etwas verzichten muss? Weißt du was arroganz ist? Wenn jemand der meinung ist alles haben zu müssen ohne gegenleistung. In dem fall wäre es die zeit die man investieren muss um etwas uu bekommen was man sich nicht ohne weiteres leisten kann.
 
pil schrieb:
Fanatic schrieb:
pil schrieb:
Und da die masse arm ist und nicht reich ist die masse an diesem verhalten schuld, nicht die reichen, die reichen kaufen sogar meist beim Händler ums eck oder biofleisch beim echten Metzger nebenan, schuld ist die masse die trotz ihrem wenigen geld nicht auf luxus wie fleisch und entertainment verzichten wollen. Das ist nicht entschuldbar, man kann es ja konsumieren aber man kann sich dann nicht hinstellen und sein eigenes verhalten damit entschuldigen.

Macht hier auch keiner? Sehe das ja genauso. Es reicht ja schon, wenn ein paar Leute darauf achten, was sie kaufen. Außerdem würde ich jetzt Lebensmittel und Entertainment trennen. Letzteres ist Luxus, d.h. wenn man Geld über hat, kann man es sich kaufen. Gering Verdiener brauchen können sich keine Leisten, leider werden die diese Scheiß Krediten, wie Easycredit etc. dazu angeleiert sich sowas kaufen zu können, obwohl sie es nicht können. Vielen Leuten mangelt es am Umgang mit dem Geld und können für sich selbst nicht abschätzen, was sie selbst brauchen oder ob sie es wirklich brauchen. Sie hinterfragen heutzutage viel zu wenig. Angefangen beim Billigfleisch, bis hin zum geleasten Sportfragen.

Andersherum ist es von Oben natürlich einfach zu sagen, man soll auf das oder das dann verzichten. Das ist auch leichte Arroganz. Finde solche Aussagen sollte man mit Vorsicht aussprechen. Natürlich steckt dort ein Fünkchen Wahrheit drin, dennoch ist sowas leicht gesagt, wenn man sich das "Gute" einfach leisten kann.

Das ist doch keine arroganz, zumal was heißt das von oben? Auf was muss ich denn bitte alles verzichten? Als ob man alles haben kann? Ich habe 2 jobs, ein vollzeitjob mit 12 h schichten und dazu noch die nebenbrufliche sache und hab tage an denen ich dadurch 18 stunden arbeite und in einem monat keine freien tage übrigbleiben da ich ich in diesen nebenberuflich arbeiten muss, hab dadurch auch nicht mehr geld als manch einer der 140h im monat arbeitet, ich ess meistens den gesamten tag nichts weil die zeit dafür nicht da ist und der stress keinen hunger zulässt. Ich muss auf so viel verzichten, wieso von oben herab wenn ich sage dass wenn man kein geld hat auch auf etwas verzichten muss? Weißt du was arroganz ist? Wenn jemand der meinung ist alles haben zu müssen ohne gegenleistung. In dem fall wäre es die zeit die man investieren muss um etwas uu bekommen was man sich nicht ohne weiteres leisten kann.

Du, ich habe jetzt auch nicht von dir gesprochen. Ich wollte damit auch nur ein Beispiel geben, wie sowas auch rüber kommen kann. Meinte damit auch nur, dass es für jemand ein leichtes ist, zu sagen, dass ein Anderer auf etwas verzichten soll, wenn er es selbst nicht braucht. Unabhängig davon was er jetzt, macht tut etc.
 
eape schrieb:
Kein Schwein will bei kik einkaufen. [...] Es ist nicht so, dass der gewöhnliche Mensch sparen will, wo er kann und deswegen bei kik einkauft

Quelle dafür?

Wenn das nur Deine Meinung ist, dann bin ich da nämlich komplett anderer Meinung.

Geiz ist Geil! trifft es da ganz gut. In meinen Augen sind die meisten Menschen in unserem Land Sparer, die sich vor ihrer Gesellschaftlichen Verantwortung drücken und das in jeder Schicht egal ob Hartzler oder gut betucht (Millionäre kenne ich nicht).
 
http://www.medialine.de/media/uploads/projekt/medialine/docs/bestellung_download/marktanalysen/2004/ma_mode_200408.pdf

Studie ist von 2004, also nicht mehr ganz aktuell. Ab S.30 geht es um die Konsumenten. Die Essenz ist, dass Menschen in Deutschland Mode in schweren Zeiten billig einkaufen, obwohl sie sich gerne mehr gönnen würden. Dadurch steigt die Anzahl der verschuldeten Haushalte.
Je schlechter das Einkommen ist/eingeschätzt wurde, desto mehr wird auf billige Angebote geachtet.

Ich verstehe, was du meinst. Sehr wenig Menschen nehmen ihre Verantwortung der Gesellschaft gegenüber ernst. Weder Unternehmen noch Reiche und auch die Armen entziehen sich ihr völlig. Niemand will sein Geld abgeben oder seinen Wohlstand teilen. Es ist eine einzige Last, wenn man dazu gezwungen wird. Und da wird kein solidarischer Gedanke daran verschwendet.

Und Arschlöcher kennen keine Positionen und Gehälter. Jemand, der sich jetzt über die raffgierigen Manager aufregt, wäre genau so ein Schwein, wenn er das Geld hätte. Und trotzdem ist es meines Erachtens so, dass es Menschen gibt, die es schwierig haben, die aus einem sozial schwachen Haushalt kommen und für die der Weg nach oben sehr lang und sehr steinig ist und kurz vor dem Ziel ist da noch eine 20m große unsichtbare Mauer - und dann gibt es Menschen, die aus gutem Hause kommen, die in ein stabiles Leben hineinrutschen, die allein durch ihrer Familie finanziell gepolstert werden.

Das ist ein unschätzbarer Luxus. Ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich aus einem - wenn auch sehr armen - gebildeten Haushalt komme und ich die Möglichkeiten habe mein Leben in verschiedenen Richtungen zu lenken. Das sind jetzt komplexe psychologische, soziologische, gar philosophische Themen über Selbstbestimmung und äußere Einflüsse und jeder soll da seine eigene Meinung haben, aber ich denke nicht, dass das durchschnittliche HartzIV-Kind aus der Plattensiedlung seines Glückes Schmied ist.

Jetzt wird er sicher nicht so leicht in einem BWL-Studium landen, wir haben aber immer noch sehr viele wichtige Berufe, die wenig Bildung erfordern, jedoch gebraucht werden. Diese Jobs werden oft maßlos unterschätzt. Auch Lagertätigkeiten können sehr anspruchsvoll sein. Ich selbst habe ja bereits im Lager, im Online-Marketing und im Labor gearbeitet (und studiert) und ich kann nicht behaupten, dass eine Aufgabe anspruchsvoller als die andere war. Man hat andere Hilfsmittel zur Verfügung, die man entweder innerhalb von 30 Minuten, 30 Stunden oder 3 Jahren erlernt, dann wird angewendet und optimiert. Die Arbeitswelt funktioniert dann so, dass du immer nah ans Limit gebracht wirst, bei den "niederen" Arbeiten sogar meist etwas mehr.

Und jetzt ist man in einer dieser Berufszweige und die Diskrepanz zwischen den Gehältern ist abnormal. Ich spreche noch nicht einmal von irgendwelchen wahnwitzigen Managergehältern. Mir wurden am Ende meines Studiums mehrere Vollzeitstellen angeboten, 4500€-6000€ brutto ohne dass ich mein Studium abschließen muss! Ein Freund von mir hat jetzt nach seinem Studium einen Job mit 90000€ Jahresgehalt angenommen. Und dann sehe ich bei meinem Nebenjob so viele Menschen, die alles tun, um nur von der Zeitarbeitsfirma wegzukommen, die teilweise als ausgebildete Einzelhandelskaufmänner Überstunden im Büro(!) machen, die alles geben um übernommen zu werden und die Stelle nie sehen werden, weil sie so billiger sind. Oder sogar hier promovierte Doktoren aus dem Ausland und Menschen aus sozial schwachen Gegenden, die einfach zu alt geworden sind. Und sie alle bekommen nicht mehr als das Existenzminimum und dürfen regelmäßig ins Arbeitsamt.

Für mich ist es echt hart zu sehen, dass solche Menschen nie in den Luxus kommen werden ein stabiles Leben zu führen, so sehr sie auch darauf hinarbeiten und von keiner Seite wird die Situation verbessert. Wir haben jetzt bei uns im Lager unserem Chef Druck gemacht, dass er die besten Zeitarbeiter (unser Unternehmen beschäftigt erheblich mehr als 50% Zeitarbeiter) fest einstellt. Für läppische zwei Stunden am Tag! Und die wenigen, die jetzt übernommen wurden, sind so glücklich, dass sie jetzt zumindest 400€ geregelt bekommen. Sie empfinden so viel Glück, und sind trotzdem so weit entfernt von fairen Verhältnissen. Ich wünschte mir, dass man solchen Menschen einfach ihre 1200€ netto für gute Vollzeitarbeit geben könnte. Und daran sehe ich nichts Unmögliches.

(Okay, ich bin etwas vom Thema gerutscht, weil mir das so sehr am Herzen liegt, aber ich kriege gleich die Kurve.)

Der Unterschied zwischen den Nettoeinkommen ist so riesig und unfair, dass der kleine Mann, der ein wirklich hartes Leben führt, in das er mehr oder weniger hineingeboren wurde (Reiche haben reiche Kinder und Arme haben arme Kinder, auch langfristig, so tickt die Welt), auf sehr viel mehr verzichten müsste, wenn er seine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft wahrnimmt. Es wäre ein Akt der Aufopferung, wenn er sich ein gewissenhaft produziertes Hemd kaufen würde, anstatt sich in diesem Monat ein Videospiel zu holen. Ich denke, diese Sichtweise ist schwer nachzuvollziehen und sie ist schwer zu argumentieren, aber ich verstehe diese Art der Belohnung oder Entschädigung.
Wenn man etwas mehr Geld zur Verfügung hat, sieht die Situation anders aus. Dann ist es ja kein Verzicht sich ein gutes Hemd anzuziehen oder gutes Fleisch vom Metzger zu essen, sondern Luxus. Sich Ökostrom (schlechtes Beispiel eigentlich, die Situation hat sich in den letzten Jahren geändert) zu leisten, wird bei Menschen mit dem entsprechenden Gehalt positiv empfunden. Ich merke das jetzt selbst an mir. Mittlerweile verdiene ich in meinem Nebenjob ganz gut und meine Freundin verdient in Vollzeit auch okay. Wir kommen so auf knapp über 2000€ im Monat. Das ist nicht viel, aber viel mehr als viele Haushalte zur Verfügung haben. Und es ist sehr angenehm sich organisieren zu können. Uns tut es nicht weh Ökostrom zu beziehen, frisch einzukaufen, lokale Modegeschäfte zu durchstöbern. Ich kenne aber auch die Situation, so wenig Geld in der Familie zu haben, dass mehr Geld für Strom auszugeben bedeutet, dass er häufiger abgestellt wird. Man hat in solchen Haushalten sehr viele Unsicherheiten, die nicht abgefedert werden.

Ich denke nicht, dass sich etwas ändern würde, wenn man von HartzIV weniger SAT-Schüsseln und mehr Biofeinkost einkaufen würde. Das trifft irgendwie das Problem nicht. Das kann man erst fordern, wenn mehr Menschen die Stabilität gewährleistet werden kann, die es ermöglicht Entscheidungen nicht aus der Not heraus treffen zu müssen. Und dafür müssen die armen Menschen mehr verdienen. Und das ist Sache der Politik und der Wirtschaft und selbstverständlich auch der Gesellschaft, aber mehr im Sinne der sozialen Denkweise.

Ich weiß, dass man viele Sätze von mir angreifen kann, gerade auch weil ich es schwer finde, so spontan und unstrukturiert zu argumentieren, aber ich habe keine Lust auf eine Diskussion, bei der jetzt einzelne Aussagen herausgepickt und als falsch bezeichnet werden. Andere Meinungen interessieren mich aber trotzdem. :P Ist imo eh ein sehr schwieriges Thema mit vielen legitimen Sichtweisen. Falsch ist es nur, dass hier teilweise diese komplexen Zusammenhänge auf zwei Sätze trockene Scheiße reduziert werden.
 
eape schrieb:
http://www.medialine.de/media/uploads/projekt/medialine/docs/bestellung_download/marktanalysen/2004/ma_mode_200408.pdf

Studie ist von 2004, also nicht mehr ganz aktuell. Ab S.30 geht es um die Konsumenten. Die Essenz ist, dass Menschen in Deutschland Mode in schweren Zeiten billig einkaufen, obwohl sie sich gerne mehr gönnen würden. Dadurch steigt die Anzahl der verschuldeten Haushalte.
Je schlechter das Einkommen ist/eingeschätzt wurde, desto mehr wird auf billige Angebote geachtet.

Öhm ok mal beiseite, dass es von Focus und 9 Jahre alt ist.
Was du da "zusammenfasst" ist von Seite 32. Das lese ich aber etwas anders.

Da steht, dass der Konsum in "schweren Zeiten" zurückgeht - nicht, dass man billig einkauft.


Bitte in meinem Satz "In meinen Augen sind die meisten Menschen in unserem Land Sparer, die sich vor ihrer Gesellschaftlichen Verantwortung drücken" das Wort Sparer nicht als "Geldanleger" betrachten, das war etwas missverständlich von mir ausgedrückt sondern als Sparer im Sinne von "geiz ist geil", sprich billig Einkaufen um sich noch mehr billigen Scheiss zu kaufen.

Sprich: Wenn ich bei Kik kaufe und auch beim Strom nicht auf die Herkunft achte, kann ich mir auch noch einen Billig-TV kaufen der von Ausbeutern hergestellt ist (<- bewusst übertrieben).
 
Ne, da stand eben, dass sich die Anzahl der gekauften Klamotten nicht ändert, sondern in schlechten Zeiten billiger gekauft wird. Das heißt im Umkehrschluss, dass in guten Zeiten mehr Geld für das gleiche Kleidungsstück ausgegeben wird, also die "Geiz ist geil"-Mentalität nicht ganz zutrifft. Man spart nicht um jeden Preis, sondern je nach Wirtschaftslage.

Dass die Studie 9 Jahre alt ist, ist bei dem Thema ja nebensächlich, denke ich. Aber ich werde mal versuchen aktuellere und aufschlussreichere Zahlen zu finden.
 
Ich finde Deinen Umkehrschluss einfach falsch.

Dass du Konsumentenverhalten eher durch Preissteigerungen als durch Effizienzsteigerungen beeinflussen kannst haben diverse Studien zur Kraftstoffverbrauchsenkung von Fahrzeugen bzw. zur Benzinpreissteigerung gezeigt.

Nur bin ich der Meinung, dass der Mensch sich einfach seiner Verantwortung entzieht, wenn er sich etwas richtiges nicht leisten kann zu Kik zu rennen anstatt zu sparen. Dazu bin ich der Meinung, dass es viele Menschen gibt, die es einfach geil finden zu sparen/geizen wo sie nur können - das ist ja schon ein Volkssport geworden sich auf Schnäpchenjagd zu begeben und auf die Herkunft und Langlebigkeit zu scheissen.
 
Ich weiß nicht, ob ich dich richtig verstehe. Ich kenne das Verhalten des Energiemarktes der letzten Jahrzehnte, aber wenn man der Studie glauben darf, verhält es sich hier anders. Bei Energie wird plötzlich an den kWh gespart, wenn das Geld nicht da ist, bei Mode wird eine günstigere Einheit erworben.
"Die Kunden kaufen weiter – für das einzelne Kleidungsstück wird aber weniger Geld investiert." Da ist der Umkehrschluss doch völlig legitim.
 
@ eMKay

Es gibt aber auch Menschen, die müssen zu kik gehen. Und es gibt auch Menschen, die können nicht mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, müssen ein Auto nutzen, was Kosten verursacht, ohne dass es gleichzeitig mehr Lohn bedeutet.

Wir bewegen uns hier jetzt auf sehr dünnem Eis, IMO. Keiner von uns würde einer Analyse des eigenen Kaufverhaltens standhalten. Du fährst Fahrrad und nutzt Ökostrom, dafür wurden deine Jeans vielleicht trotzdem von blutigen Kinderhänden genäht.

Davon abgesehen, dass nicht jeder so konsequent sein kann, will es auch kaum jemand.
 
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