Granblue Fantasy? Eine Mobile-Gacha-Game Reihe, jetzt als klassisches Action-JRPG fortgesetzt, nachdem es drölfzig Jahre in Entwicklung war?
Wäre ich wahrscheinlich nie drauf gekommen, wenn mir der Steam Sale nicht das hübsche Cover in die Store Übersicht und damit auch gleich in den Warenkorb gespült hätte.
Gestern gestartet und gleich sechs Stunden draus gemacht. Bin hooked. Weil ...
... es rattenscharf aussieht. Ok, bin nicht der allergrößte JRPG-Zocker und stilistisch hätte man es mir auch als neues Grandia, Tales oder Genshin Impact verkaufen können. "Anime" eben. Aber echt sexy. Läuft butterweich und die Aquarell-Optik sieht gepaart mit dem entzückenden Design, schicken Animationen und den abgefahrenen Action-Effektgewittern echt zucker aus.
... es ohne Umschweife losgeht. Ich meine, die Story ist ganz typisches Genre-Geschwurbel. Irgendwas Gut gegen Böse, Astralwesen, Religion, alles so ähnlichen schon mal gehört, hier halt in grün, dürfte den geneigten Fantasy-JRPG Spieler jedenfalls nicht überraschen. Oben drauf kommt die Crew hier gerade anscheinend von einem bereits abgeschlossenen Abenteuer (ist nun mal eine Fortsetzung des Mobile-Games), spricht über mir unbekannte Ereignisse und trifft auch immer mal wieder alte Gesichter wieder, die ich natürlich nicht kenne, weil ich zuvor noch nie was mit dem Universum zu tun hatte. Ist einerseits ein bisschen komisch, weil es so gefühlt "mittendrin" losgeht, aber andererseits hält sich das Spiel so auch nicht mit lahmarschigen Einleitungen auf. Du musst nicht erst deine Truppe zusammensuchen. Die Truppe steht schon und du kannst deine Party von Anfang an mit interessanten Charakteren füllen. Und das ist genau mein Ding! Scheiß aufs Vorgeplänkel, die Story ist eh nur JRPG-Klischee, und direkt in die Action.
... die erwähnte Action fuckin episch ist. Spielt sich in Echtzeit, fast schon Character-Action-esqe und super geschmeidig ab. Simple Combos, Bildschirm-füllende Spezialangriffe und fette Bosse - mehr brauche ich nicht, um jedem Kampf mit einem breiten Grinsen im Gesicht zu beginnen. Vor allem die Bosse haben auch ordentliche Lebensbalken und brauchen schon mal einige Minuten, bevor man sie gelegt hat. Aber nicht weil es Souls-schwer ist, sondern weil da einfach schön was an verschiedenen Angriffsmustern abgefackelt wird. Gibt sogar einige Uncharted-würdige Action-Setpieces, die andere JRPGs maximal in Zwischensequenzen bringen. Sehr nice.
... die Spielmechaniken angenehm übersichtlich sind. Bietet alles, was so ein JRPG braucht, bleibt dabei aber verhältnismäßig simpel. Wenige Waffen, ein klar strukturierter Fähigkeitenbaum, geradliniges Verbessern und Leveln von Waffen und Chars, usw. Keine siebzehn Währungen, endlose Statistiken oder Spielsysteme, für die man studiert haben muss. Grandblue ist auf das nötigste, aber auch beste am Genre heruntergedampft.
... es auch sonst derart clevere qualitiy of life Features gibt, dass ich die hier noch mal extra ansprechen möchte. Zum Beispiel die grenzgeniale Möglichkeit, sich die Gespräche beim Überspringen in Textform zusammenfassen zu lassen. Denn wenn ich ehrlich bin, höre ich bei den meisten, gerade im Sidequestbereich, Dialogen eh nicht wirklich zu. So genial sind die ziemlich stereotypen Geschichten hier jetzt auch nicht. Anstatt die Dialoge aber einfach zu überspringen und so gar nichts mehr mitzukriegen, gibt es hier eine kurze Zusammenfassung. So was wie "'Der Dude ist von deinen Fähigkeiten überrascht und bitten dich darum, ihm beim Kampf gegen den Grottenolm zu unterstützen." Oder das Auto-Leveln im Talentbaum: anstatt jedes Talent einzeln anzuklicken, kannst du auch einfach nach unten scrollen, irgendwas anwählen und das Spiel schaltet dir dann (so weit deine Talentpunkte es zulassen) die dazwischenliegenden Fähigkeiten in einem Rutsch frei. Oder die Möglichkeit, sich von überall her zum Sidequestgeber teleportieren zu lassen, damit du nicht erst ewig laufen oder ihn gar suchen musst, um deine Belohnung abzuholen. So ist hier alles gut durchdacht, entschlackt und simpel zu bedienen, was ich sehr angenehm finde. Kommt dem Spielfluss total entgegen und ist genau das richtige für Gelegenheits-JRPG-Spieler wie mich.
Bin ziemlich begeistert. Hatte ehrlich gesagt schon lange kein JRPG mehr, dass mich so fesseln konnte. Hauptsächlich, weil Granblue nicht so aufgeblasen ist: sofortiger Einstieg, fette Echtzeitaction, coole Zwischensequenzen und schnörkellose RPG-Systeme. Geht runter wie Öl.
Eben noch Zeta angeheuert. Holy moly, die fegt mit ihrem Speer aber alles weg.
Paar Screenshots, im Fotomodus aufgenommen, nur die Kameraperspektive gewählt, sonst nichts geändert. Also in-game, keine Cutscenes. Bei dem Effektgewitter, brauchste teilweise echt einen Regenschirm.
PS5 Version gibt es gerade übrigens für nur 35€ bei Amazon.
