Habe die Autos gestern spät abends mit halb geschlossenen und heute früh mit halb offenen Augen getestet. Den Jaguar nicht, denn für den bin ich zu arm.
Auto 1: Honda Civic Type R
Leider habe ich nur Zeit für eine Runde Nordschleife gehabt mit einem meiner Lieblings-Kompakten aller Zeiten. Ich fuhr den Reisbrenner im Rahmen des Hot Hatchback-Events in der Amateur-Liga der GT League. Als Reifen habe ich Sport Weich gewählt.
Der Civic machte mir mehr Laune als erwartet. Zum einen macht die Nordschleife auch und gerade mit moderat motorisierten Fahrzeugen Spaß. Zum anderen ist dank des niedrigen Drehmoments Untersteuern kein Thema. Er zieht ab dem Scheitelpunkt sehr angenehm aus der Kurve raus.
Das Highlight des Youngtimer-Civic ist auf alle Fälle der VTEC. Gran Turismo Sport hat herrlich umgesetzt, wie ab ca. 6.200 U/min der VTEC einsetzt und aus 80 PS plötzlich 185 PS werden. Unter 5.500 Touren geht nix voran in dem Hobel, ab Sechs-Zwei bis zum Drehzahllimit jenseits der 8.000 geht der Punk ab. Ich bin ja so eine Hochdrehzahl-Uschi, die bei sowas eine Überdosis Glücksgefühl-Ausschüttung bekommt. Zumal der Sound dazu richtig knackig ist. Ansauggeräusch ist mega. Positiv abgerundet wird das Fahrerlebnis durch das SPÜRBAR niedrige Gewicht. 1.050 kg sind super.
In Zukunft muss ich den Civic mal mit dem Integra Type-R, den es ja schon im Spiel gibt, zeitenmäßig vergleichen und die beiden feinen Exemplare höchster japanischer Ingenieurskunst einander anpassen, falls nötig.
Auto 2: Honda S800
Das einzige Auto, welches ich heute früh schnell für vier Runden Tsukuba ausprobiert habe. Zuerst zwei Runden im Standardtrimm, dann mit vollem Tuning, also 88 kW und nur noch sechshundert-irgendwas Kilo.
Was mich total erschrocken hat, als ich das erste Mal auf die Strecke gesetzt wurde: Macht der Kleine einen Radau!!! Das kleine Motörchen dreht bis 9.000 Umdrehungen und schreit sich dabei die Seele aus dem Leib. Herrlich! Da die Serienleistung so überschaubar ist, hat man spätestens ab dem dritten Gang die Gelegenheit, "jede Drehzahl einzeln" zu genießen und so entsteht ein richtig vielschichtiges Klangbild mit dem kleinen Flitzer. Klingt definitiv geiler als mancher Großer.
Mit der vollen Tuning-Packung geht er dann schon spürbar flotter voran und man hört nicht mehr jede einzelne Umdrehung separat heraus. Mit Sicherheit kein Auto, welches hier Begeisterungsstürme auslösen wird, aber für kleine, winklige Strecken oder die Landstraße, die es mal in GT6 gab ("Sierra Dingsbums"?), ein mit dieser Tuning-Leistung ausreichend motorisiertes Fahrzeug, das in Schwung gehalten werden will und mit seinem niedrigen Gewicht punktet. Sogar auf Sardegna A könnte ich mir den S800 gut vorstellen, denn hier kann man sich auf den vielen Geraden, die aber nicht zu lang sind, schön im Windschatten ansaugen.
Auto 3: Mazda MX-5 Touring Car
Nur im Halbschlaf testen können. Hatte in der GT League ein MX-5-Event ausgewählt auf Streets of Willow Springs, aber zu spät gesehen, dass man für die Veranstaltung nur Sportreifen aufziehen durfte. Also die weichen Schluppen drauf und los. Übersteuern so gut wie nicht existent, zumindest nicht auf dem Gas.
Was gefällt an dem Friseusenflitzer mit Überrollkäfig? Das niedrige Gewicht, die respektable Leistung von knapp 200 PS und vor allem die ultraschnellen Schaltvorgänge. Vom vierten Gang runter in den zweiten macht es einfach nur BÄMM-BÄMM begleitet von schönem Begrenzerknattern und Auspuffbollern, und zack, ist man auf den Streets von Willow von 170 runter auf 70 km/h. Diese Schaltvorgänge sind wirklich etwas Besonderes. Da er bis rund 8.000 Umdrehungen dreht, ist er auch in Sachen Sound gut anzuhören.
Im Anschluss in einem Zeitrennen auf Tsukuba die mittleren Rennreifen draufgeschnallt. Das passt sehr gut zu dem Auto. Ruhiges Fahrverhalten, ohne langweilig zu sein, sehr späte Bremspunkte wegen des niedrigen Gewichts, und mit einem Leistungsgewicht von unter 4 kg/PS geht es auch ordentlich vorwärts. Sollten wir als Einstiegsrennwagen unbedingt mal im Hitwoch ausprobieren, auch und gerade auf größeren Strecken als Streets of Willow und Tsukuba.
Auto 4: Porsche 930 Turbo
Ich bin ihn nur in der Konfiguration für das neue Online-Zeitfahren im Spiel gefahren, also Reifen Komfort Weich und 76 oder 78 Kilo extra für den Fahrer. Die Zeitfahr-Kombi Porsche 930 Turbo mit weichen Komfortreifen auf der Nordschleife wird für viele im Forum die Frage aufwerfen, ob bei Polyphony ein zweiter SB-Harald sitzt, denn genauso fährt sich die Kombination auch. Und ich liebe sie! Bis zum Mond und zurück! Vielen Dank, lieber "Polyphony-Harald".


Lässt man sich auf diese Herausforderung ein, fühlt man sich wie der Testfahrer Stefan Roser damals im Ruf Yellowbird. Zwar mit rund 170 PS weniger, aber zieht die Penny Loafer und weiße Socken an, und ihr kommt euch vor wie ein Nordschleifen-Held.
Bis ihr den 930 Turbo in die Wand setzt. Und noch einmal. Und wieder. Immer wieder!!!
Es ist Feingefühl vonnöten, um nicht zuviel Gas zu geben oder zuviel zu lenken in den Kurven. Zimtis Schieben beim Bremsen über die Vorderachse konnte ich nicht feststellen; wahrscheinlich bremse ich einfach früh genug!

Der "Turbo" zeichnet sich also durch hohe Verlässlichkeit im Fahrverhalten aus: Er will in jeder Kurve übersteuern und er will dich in jeder schnellen Kurve töten. Den Ruf des Witwenmachers hat er sich absolut verdient.
Anfangs ging ich mit gemischten Gefühlen an das Auto ran, weil ich enttäuscht war, dass Polyphony die Version ausgewählt hat, die nur 4 Gänge hat. Aber nach ein paar Runden Nordschleife gestern war für mich klar, dass man wegen des Fahrverhaltens um jeden gesparten Schaltvorgang dankbar ist. Auch mit nur 4 Gängen reichen die 300 Pferdchen aus, um auf der Döttinger Höhe mit 260 km/h langzubrettern.
Bis man da hinkommt, ist es ein Ritt auf der Kanonenkugel. Ständig keilt der Turbo aus, beim Gasgeben oder bei starker Gaswegnahme in den Kurven, bei zu starkem Einlenken auf Unebenheiten, beim Anbremsen und gleichzeitigem Einlenk-Impuls. Hat man sich an den niedrigen Grip akklimatisiert - Kurvengeschwindigkeiten sind zum Teil langsamer als beim Swift Sport-Nordschleife-Rennen letzte Woche, das mit Sport Hart gefahren wurde - geht es um die Feinjustierung der Fahrlinie.
Mit etwas Übung ist man spätestens ab dem Kurvenscheitelpunkt ständig in einem leichten (Four Wheel) Drift unterwegs, Ecken wie die Doppelrechts am Flugplatz oder die Kurve am Bergwerk lassen sich permanent leicht querstehend und mit viel Angstschweiß durchfahren. Mit dieser Fahrweise verliert man keine Zeit, sondern ist am schnellsten unterwegs. Doch dann komme ich zum ersten Mal an der Fuchsröhre an, und in der Kompression haut es mir das Auto unerwartet quer und ich mache den Abflug. Hätte nicht erwartet, dass die leichten Unebenheiten das Auto selbst bei Vollgas aus der Bahn werfen können.
Arschbacken zusammenkneifen heißt es auch hinter der Döttinger Höhe am Galgenkopf, denn die Links-Rechts-Kombi geht voll, aber allzu oft ist man dann zu spät dran für ein rechtzeitiges Anbremsen der langsamen Rechtskurve und man ärgert sich, eine bis dato halbwegs saubere Runde in die Leitplanken gesetzt zu haben. Der High-Speed-Abschnitt ab der Sprungkuppe Pflanzgarten ist ebenfalls ganz, ganz heikel und deshalb so unterhaltsam.
Wie ihr seht: Ich LIIIIIEBE diese Kombination und werde in den nächsten knapp 2 Wochen noch viel Zeit mit dem Turbo auf der Nordschleife verbringen. Die 8:20 Minuten-Mauer muss fallen. Man fühlt sich wie ein Drachenbezwinger und beginnt zu verstehen, welchen Husarenritt der eingangs erwähnte Stefan Roser damals hingelegt hat.
Übrigens, das Zeitfahren mit dem Civic würde ich im Moment noch nicht angehen, denn es gibt da ein paar böse Abkürzungsmöglichkeiten, die unbestraft bleiben. Hoffentlich hat Polyphony hier schnell einen Fix parat inklusive Zeiten-Reset der Bestenlisten.