Visuell definitiv sehr ansprechend. Viele der ikonischen Shots aus dem Anime hat man 1:1 übernommen. Zum Glück wirken diese Momente dann aber eher wie eine Verneigung vor dem Original, statt einer dumpfen Kopie. Den Soundtrack fand ich auch nicht schlecht, recht eigenständig und intensiv. Ein paar Tracks aus dem Original habe ich dann aber doch vermisst. Insbesondere die Anfangsszene kommt ohne Making of Cyborg längst nicht so eindrucksvoll rüber. Immerhin versöhnt man den Zuschauer mit der Einspielung des Tracks in den Credits.
Wer meine Postings hier im Thread liest, kommt nicht umhin zu registrieren, dass ich in Bezug auf Scarlett Johansson recht skeptisch war. Das hatte wenig, bis gar nichts damit zu tun, dass sie keine Japanerin ist, sondern eher damit, dass ich sie in Actionrollen nicht sonderlich glaubwürdig finde. Wer GitS den Whitewashing-Vorwurf machen möchte, sollte das allerdings nicht wegen Johansson tun. Das macht auf Grund ihrer Figur relativ wenig Sinn. Die "Major" könnte dem Äußeren nach jegliche Nationalität haben, weil es für die Figur völlig irrelevant ist. An sich könnte man sogar so weit gehen und behaupten, dass die Figur, hierdurch sogar noch um eine Facette erweitert wird. Beim restlichen Cast fand ich es hingegen doch etwas aufgesetzt, dass in der asiatischen Metropole fast keine Asiaten zu sehen waren. Selbst Fahrer und Beifahrer des Müllwagens hatten westliche Gesichtszüge. Bei der Gelegenheit fällt mir ein, dass Batou ein selten dämlicher Fahrer ist. Als er zu einem Einsatzort einberufen wird, brettert er mit quietschenden Reifen rechts um die Ecke, um dort einen U-Turn zu machen. Einfach links abbiegen wäre wohl nicht spektakulär genug gewesen. Aber jetzt zurück zu Johansson. Sie macht eine bessere Figur als befürchtet und auch liegt es in erster Linie an der beschriebenen Figur, weshalb sie so auftritt, wie sie auftritt. Trotzdem finde ich, dass sie zu stark chargiert, dass etliche Bewegungen und Posen zu stark einstudiert wirken und wenig natürlich sind. Das Gefühl wurde auch und insbesondere dadurch verstärkt, weil besagte Posen länger im Frame gehalten werden, als man gewohnt ist. Trotzdem geht Johansson als "Major" völlig in Ordnung und in vielen Momenten trifft sie auch den Ton ihrer Figur recht genau.
Inhaltlich orientiert sich der Realfilm am Anime, bringt aber noch eigene Aspekte mit rein. Das mag alles nicht ganz so "Deep" sein, wie im Anime (ist doch etwas lange her, dass ich den gesehen habe), ist aber immer noch weitaus tiefsinniger, als der typische Hollywood-Blockbuster. Manches Mal hätte ich mir aber gewünscht, man würde sogar noch weniger sagen und dem Zuschauer das Denken überlassen. Immerhin hat man bei GitS nicht das Gefühl, man würde als Zuschauer nicht für Voll genommen werden, auch wenn man sich hier keine philosophische Abhandlung erhoffen sollte. Sonderlich actionreich ist der Film nicht, aber das war der Anime ebenfalls nicht. 3D ist bei GitS ziemlich gelungen und es passt hervorragend. Sollte man kein 3D-Verächter sein, also gern zur Brille greifen und den Film gucken.