Disclaimer vorneweg: Bitte jetzt folgendes nicht falsch verstehen, es könnte durchaus etwas harsch rüberkommen, ist aber meine Erfahrung diesbezüglich:
Wenn sich jemand schon in einer Beziehung derart einschränkt, was sein Hobby angeht, dann wird das mit Kind sehr warscheinlich kaum noch was werden mit entsprechendem Hobby. Die Frage ist halt auch, warum schränkst du dich so sehr ein, dass du sogar deinen PC abgegeben hast? Mag sie es nicht, wenn du zockst, während sie dabei ist? Macht ihr einfach lieber andere Sachen gemeinsam, sodass du einfach weniger Zeit hast, oder gibt es andere Gründe dafür? Natürlich möchte ich nicht, dass du hier jetzt die Gründe aufzählst, geht ja auch niemanden was an. Ich möchte einfach nur, dass man mal selbst reflektiert, warum es diesen Einschnitt im Hobby überhaupt gibt.
Für mich persönlich war die Beziehung nie ein Grund mein Hobby irgendwie einzuschränken. Natürlich unternimmt man zu zweit auch mal andere Dinge und der Partner nimmt Zeit in Anspruch, die ich allein noch hauptsächlich mit Zocken verbracht hätte. Aber das Hobby hatte immer einen hohen Stellenwert. Aber auch ohne Partnerin ist ja die Zeit welche man in ein Hobby steckt nie immer gleich und schwankt.
Sie hat meine Hobby auch immer akzeptiert und unterstützt (nicht, dass es nicht dennoch zu Reibereien deswegen gekommen ist, zB als ich noch aktiv WoW gezockt habe). Genauso wie sie akzeptiert, dass ich regelmäsig zum Sport gehe, was ja auch viel Zeit in Anspruch nimmt. Aber wir unterstützen uns da gegenseitig und egal, was sie machen möchte unterstütze ich sie dabei ja ebenfalls.
Jetzt mit Kind hat sich allerdings dann die Zeit auch etwas geändert. Tagsüber zocken fällt deutlich seltener aus, was ja auch nur normal ist. Man verbringt halt mehr Zeit mit dem Zwerg und das ist einfach wichtiger finde ich. Genauso wichtig finde ich aber auch, dass man sich dann dennoch den Freiraum schafft um seinem Hobby nachzugehen.
Dafür muss man sich aber organisieren und hier habe ich die Erfahrung, dass viele dies nicht können, oder einfach nicht wollen, weil das Hobby "Zocken" dann doch nicht den hohen Stellenwert hat, wie man vlt. anfangs dachte.
Bei uns läuft das so: wir haben von Anfang an eine Schlafroutine eingeführt. Spätestens 20 Uhr liegt das Kind im Bett. Wir wechseln uns dabei auch ab, damit nicht immer nur einer diese Aufgabe übernehmen muss (generell wechseln wir uns mit Vielem ab). Also einer bringt ihn ins Bett, der andere hat "Freizeit" und am nächsten Tag wird getauscht. Gibt natürlich auch mal Tage, an denen sich das Kind wünscht nochmal von Mama/Papa ins Bett gebracht zu werden, oder es gibt auch mal Tage, da geht er bisschen später ins Bett, aber größtenteils halten wir uns da an diese Zeiten, weil uns diese 2 Stunden Abends, bis wir selbst ins Bett gehen, einfach wichtig sind und wir auch der Meinung sind, dass Kinder eine Struktur brauchen. Also hab ich abends dann in der Regel 2 Stunden für meine Hobbys, jeden 2. Tag ja sogar länger, weil ich ihn nicht ins Bett bringen muss.
Als er noch ein kleines Baby war, hab ich tagsüber noch viel gezockt, meistens mit ihm auf der Brust, wie ja auch schon andere hier schrieben. Später ging/geht das auch noch, man wählt dann halt Spiele, bei welchen das Kind auch mal zuschauen kann. Ni No Kuni z.B., aber auch viele andere, gerade Switch Spiele gehen da gut und man muss ja nicht den ganzen Nachmittag damit verbringen, dass das Kind auf den TV starrt und generell beschäftige ich mich halt tagsüber mehr mit ihm. Aber auch jetzt, dank Steam Deck, kann ich zwischendurch mal ne Runde zocken, wenn er sich lieber alleine mit seinem Lego beschäftigen will und die Zeit, welche er lieber allein für sich spielt wird ja nicht weniger (er ist jetzt 6 und kommt bald in die Schule). Selbst spielt er ja auch schon gern Mario Kart, oder ein Paw Patrol Spiel auf der Switch, dass super funktioniert, wenn die Kids noch nicht lesen können, da alle Funktionen genau erklärt werden und jeder Text vorgelesen wird.
Was beobachte ich nun bei anderen Eltern: keinerlei Struktur. Das heißt, die Kinder gehen ins Bett wie sie möchten, meist nicht vor 22 Uhr und dann haben die Eltern auch keine Lust mehr und versumpfen lieber auf dem Sofa oder pennen direkt auf selbigem ein. Am Wochenende wird auch immer auf 5 verschiedenen Hochzeiten getanzt, die Kinder überall mit hingezerrt, scheiß egal, ob am nächsten Tag wieder in der Früh der Kindergarten ansteht. Da gehts halt schonmal bis nachts um 1 mit Blagen zu irgendeinem Saufgelage. Tagsüber mal bissl zocken geht auch nicht, weil die Kinder keinen Mittagsschlaf mehr machen, oder weil sie stundenlang vor der Glotze geparkt werden, damit Mama ein Nachmittagsschläfchen halten kann. Logisch, dass ich nicht zocken kann, wenn die einzige Konsole an diesem TV hängt. Meist hört man dann von den Kerlen "wie schaffst du das nur noch so viel zu zocken. Ich würde das auch gern, aber das geht einfach nicht." Meist auch noch in Verbindung mit Gejammere, dass die Kinder ja total überdreht, jammrig und unausgeglichen sind. Allerdings muss man dazu sagen, dass bei diesen Pärchen schon immer das Saufen und Partymachen weit, weit wichtiger war als Zocken. Daher nur logisch, dass dieses "Hobby", wenn man bei denen überhaupt davon sprechen kann, als erstes unter die Räder kommt.
Andere ziehen sich dann eben auf Mobilspiele zurück, die man zB auch während der Arbeit auf dem Handy zocken kann. Der PC wird ausgelassen, weil zu umständlich, zu zeitintensiv, oder what ever. Da wird das Zocken am PC auch nicht als "Entspannung" sondern als Aufgabe gesehen und da hat man nach Arbeit und Familie keinen Bock mehr drauf.
Für mich ist Zocken allerdings Entspannung. Ich brauch das und freu mich schon drauf, wenn ich mit meinem Sohn gemeinsam neue Spiele erleben kann, wir evtl. sogar im Coop miteinander spielen, oder gegenseitig versuchen unsere Highscores zu überbieten.