Nun, ein Schumacher hat viel geleistet, um Ferrari auf Vordermann zu bringen, das stimmt. Da gab es aber noch weitere Faktoren:
- Zu Beginn gab es keine Limitierung bei den Testfahrten, und Ferrari hat einfach am meisten Testkilometer geschrubbt. Und das größte Budget von allen Teams gehabt.
- Mit Rory Byrne hat Schumi einen sehr begabten Ingenieur von Benetton mitgebracht.
- Auch Ross Brawn war kein Nasenbohrer, wie wir alle wissen.
- Jean Todt hatte auch gehörig was dazu beigetragen, dass aus der Chaostruppe Ferrari ein gut durchstrukturiertes Team geworden ist.
Dass Schumi ein Ausnahmetalent ist, hat sich spätestens dann gezeigt, als ein Jahr nach ihm Alesi und Berger bei Benetton gefahren sind und mit "seinem" Auto nicht die Zeiten gehen konnten, die er aus dem Auto gequetscht hat.
Und so wie Schumi fuhr ein Hamilton, wenn es darauf ankam, jeden seiner Teamkollegen in Grund und Boden. Mit Ausnahme von Rosberg. Aber wegen seiner Dominanz kann sich Hamilton seinen Teamkollegen nun aussuchen und wird bestimmt keinen Verstappen neben sich dulden.
Ich kann mich an viele langweilige Saisons an der Spitze erinnern in den 80ern und 90ern. Wie war das in der einen Saison, in der McLaren Honda 15 von 16 Rennen gewann? Oder als Williams Anfang der Neunziger mit aktiver Aufhängung, elektronischem Differenzial und was weiß ich nicht allem der Konkurrenz haushoch überlegen war? Oder Ferrari Anfang des Jahrtausends, als Schumi schon nach zwei Dritteln der Saison Weltmeister war?
Der Unterschied damals (meiner Meinung nach): Man hatte in diesem Sport mehr Charakterköpfe, auf und neben der Piste, die das Rennenfahren unterhaltsam gestaltet haben. Die Fahrer hatten mehr Ecken und Kanten und waren nicht ständig am Funk am Jammern. Überholen war aerodynamisch zumindest bis in die 90er hinein einfacher und weniger reguliert.
Und die Teamchefs wie ein Flavio Briatore, Eddie Jordan oder sogar die schwäbische Speckschwarte Norbert Haug hatten mit ihren unterschiedlichen Lebensläufen und Auftritten vor den Kameras mindestens zehn Mal mehr Charisma wie ein Toto Wolff oder ein Christian Horner, die nur nichtssagende Interviews geben. Heute sind (für mich) Formel 1-Teams glattgeschliffene Industriekonzerne, die in mir nicht den Eindruck erwecken, dass es ein "Formel 1-Zirkus" ist, wie man früher mal so schön sagte.