Bin jetzt auch durch und fand das Spiel hervorragend. Einfach toll, wie gekonnt Naughty Dog ihre Charaktere umsetzt. Man muss (und soll) die Protagonisten nicht alle mögen, aber sie wirken auf mich einfach unfassbar glaubwürdig. Herausragende Gesichtsanimationen, tolle Dialoge, Aufbau der Beziehungen zwischen den Charakteren,... das habe ich auf dem Niveau noch von keinem anderen Studio gesehen.
Was bei The Last of Us: Part II noch dazu kommt, man schreckt nicht davor zurück auch die dunklen Seiten der "Helden" aufzuzeigen. Die Gewalt geht nicht spurlos an ihnen vorbei und das sieht man heutzutage, über sämtliche Medien hinweg, nur selten in der Form umgesetzt. Es handelt sich nicht um Profikiller, die nach ihren Taten einfach abschalten und einem normalen Alltag nachgehen können, ihre Vergangenheit holt sie im Kopf immer wieder ein. Diesbezüglich war für mich die Szene in der Scheune herausragend umgesetzt, in der Ellie mit einem Flashback aus einer scheinbar harmonischen und ruhigen Situation herausgerissen wird.
Einziger Kritikpunkt für mich, mir wäre es lieber gewesen, wenn der Rachefeldzug weniger Personen umfasst hätte und aus meiner Sicht hätte auch ein einzelner Showdown zwischen Ellie und Abby ausgereicht.
Im Nachhinein bin ich froh, dass sich Naughty Dog zu einem zweiten Teil durchgerungen und mir so eines der eindrücklichsten Spielerlebnisse beschert hat. Ich war nach Teil 1 einer derjenigen, der keinen Nachfolger wollte. Vermutlich genau aus dem Grund, da nach dem damaligen Ende relativ klar war, dass man entweder die charakterlichen Schwächen von Ellie und Joel stärker thematisieren muss oder einen nicht glaubwürdigen Nachfolger mit einem typischen Videospielverlauf präsentiert. Aus meiner Sicht hat sich das Team um Neil Druckmann konsequenterweise für die erste Variante entschieden, auch wenn das der Weg war, der nicht überall auf Gegenliebe stößt. Ein Uncharted 4 Ende hätte für mich einfach nicht ins The Last of Us Universum gepasst.