Nach einer Nacht drüber schlafen möchte ich hier nun noch einmal etwas ausführlicher meine Meinung zum Spiel darlegen.
ACHTUNG: Der folgende Text enthält massive Spoiler, lesen also auf eigene Gefahr
Den Anfang des Spiels fand ich großartig. Man reitet mit Joel und Tommy durch die Prärie, trifft Eli, Dina und Jessie und das Spiel saugt einen förmlich ein. Großartige Stimmung, Technik und Atmosphäre. Auch die Beziehung zwischen Eli und Dina fand ich wunderbar dargestellt, hab die beiden sofort in’s Herz geschlossen. Wirklich schön.
Dann recht früh und unvermittelt Joels Tod: Für mich ist das ein extrem zweischneidiges Schwert. Natürlich löst ein derartiges Ereignis insbesondere für Kenner des ersten Teils wie mich, welche Joel und Eli als Charaktere liebgewonnen haben, den wohl maximal möglichen Schock aus. Für ausreichend Dramatik hat Druckmann damit definitiv gesorgt. Andererseits finde ich es extrem unglücklich, einen der Hauptcharaktere bei einem Spiel, auf das die Leute lange gewartet haben, gleich am Anfang und auf diese Weise über die Klinge springen zu lassen. Aber gut, muss man mit leben. Elis Motivation für ihren folgenden Rachefeldzug ist mehr als ausreichend begründet und Abby wohl bei nahezu 100% der Spieler komplett unten durch. Und genau das ist imho das erste große Problem.
Nachdem man etwa die Hälfte des Spiels Eli und Dina auf ihrem Rachefeldzug begleitet hat, gibt es einen fiesen Cliffhanger, das Spiel springt zeitlich einige Tage zurück und als Spieler wird man sodann gezwungen, die nächsten Stunden (!) ausgerechnet mit Abby die parallelen Geschehnisse zu spielen. Ihr könnt ich Euch garnicht vorstellen, wie ich in dem Moment geflucht habe. Ich wollte unbedingt wissen wie es weitergeht, hatte Angst um Eli und Dina und gleichzeitig wurde ich als Spieler gezwungen, die nächsten Stunden bis zur Auflösung des Cliffhangers mit dem Charakter zu spielen, den die meisten (inklusive mir) wohl am liebsten vierteilen würden. Mir ist die Motivation von Druckmann dahinter durchaus klar. Er will, dass der Spieler Abby und die zuvor gemeuchelten Charaktere kennenlernen und ihre Motivation versteht. Das Problem ist nur: Durch die Ereignisse davor, insbesondere Joels Tod, war es einfach zu spät. Abby war mir zu diesem Zeitpunkt bereits so unsympathisch, dass ich einfach keinen Zugang mehr zu ihr gefunden habe bzw. wollte. Noch schlimmer: Ich konnte das Spiel und im Grunde den gesamten Abschnitt mit Abby überhaupt nicht mehr „genießen“. Ich habe lediglich weitergespielt, weil ich wissen wollte, wie der verdammte Cliffhanger ausgeht. Desto länger der Part mit Abby dauerte – und der Part ist wie gesagt fast die restlichen 50% des gesamten Spiels – desto ungeduldiger wurde ich. Ich hatte ständig den Cliffhanger und Joels Tod im Kopf. Ja, Abbys Motivation ist im Nachhinein durchaus nachvollziehbar, die Sympathie war jedoch einfach zu keiner Zeit bei mir da. Erschwerend kam hinzu, dass sie auch optisch sehr gewöhnungsbedürftig umgesetzt war. Hier wäre weniger mehr gewesen und hätte die Identifikation mit ihr und letztendlich die Akzeptanz womöglich einfacher gemacht.
Komplett die Krone aufgesetzt hat dem Ganzen dann aber die Auflösung des Cliffhangers. Man „darf“ mit Abby gegen Eli kämpfen. Ganz ehrlich, ich habe es gehasst! Am Anfang habe ich mich als Spieler schlicht geweigert und mich mehrere Male freiwillig von Eli meucheln lassen, in der Hoffnung, dass das Spiel das irgendwie „akzeptiert“

. Zu dem Zeitpunkt war ich mehrere Male kurz davor abzubrechen. Aber wie gesagt, ich wollte dann eben doch wissen wie das Ganze ausgeht.
Letztendlich wurde mir als Spieler damit ein Großteil des Spielspaßes geraubt und das ist zumindest im Hinblick auf die Regie doch sehr fraglich. Es mag sein, dass das bei anderen funktioniert, bei mir leider nicht.
Nun noch einige Worte zu den Geschehnissen ab dem Zeitpunkt auf der Farm. Als Eli mit Dinas Baby auf dem Traktor sitzt, hätte ich mir sooo sehr den Abspann herbeigewünscht. Das wäre ein schönes und halbwegs versöhnliches Ende gewesen. Eine weitere Möglichkeit wäre es gewesen, dass Eli nach Tommys Besuch (dessen Benehmen Eli gegenüber nach ihrer ersten Ablehnung, Abby aufzuzusuchen, einfach nur das letzte war) stark bleibt. Das wäre im Hinblick auf Vergebung auch ein starkes Zeichen gewesen. Aber nein, Druckmann hat nix besseres zu tun, als Eli natürlich die komplett falsche Entscheidung treffen zu lassen und Abby ein weiteres Mal nachzujagen. Das Ergebnis bezüglich Vergebung ist am Ende dasselbe, als wenn sie auf der Farm geblieben wäre. Nur das Eli ihre späte Einsicht (indem sie Abby letztendlich doch verschont) ihr Leben mit Dina und zwei Finger kostet. Als ob sie nicht schon genug durchmachen musste.
Letztendlich hat Druckmann seine beiden Hauptcharaktere erfolgreich zerstört. Und das ist etwas, was ich auf diese Art als Spieler nach dem ersten Teil einfach nicht sehen wollte. Und so gut das alles inszeniert ist, so wenig konnte ich die Geschehnisse genießen. Mich persönlich hat das Spiel ziemlich deprimiert zurückgelassen, da hier zwei liebgewonnene Charaktere komplett durch die Shredder gedreht worden sind. Nein, nochmal werde ich mir das so schnell nicht antun. Dann lieber wieder Teil 1.