So, dann hier auch noch mal.
Im Grunde genommen hat Sci-Fi-Ausnahmeregisseur Neill Blomkamp bei
Elysium folgendes gemacht: Er hat das grundlegende Konzept von
District 9 (glaubwürdiger Stil, gesellschaftskritische Handlung, etc.) genommen, es bis in den Orbit ausgeweitet, ein paar namhafte Schauspieler gecastet und alles in ein visuell beeindruckendes 115 Millionen Dollar Spektakel verpackt.
Elysium ist sozusagen der teure Blockbusterbruder von
District 9. Ist das sonderlich intelligent? Nein, aber das war der geistige Vorgänger auch nicht. Es ist aber angenehm anders, irgendwie realistischer und erwachsener als die meisten Sci-Fi-Filme. Außerdem hat Neill Blomkamp nie behauptet einen hochintellektuellen Charakterfilm machen zu wollen, sondern, ganz im Gegenteil, sich über das ordentliche Budget gefreut und damit einen waschechten, geradlinigen und designtechnisch herausragenden Sci-Fi-Blockbuster gezaubert. Von daher kann ich die
"Außen hui, innen pfui!"-Kritik beim besten Willen nicht nachvollziehen. Da passt eher
"Außen hui, innen solide, insgesamt sehr eigenwillig und damit besser als die meisten anderen Genrevertreter".
Am Inhalt kann man diesmal lediglich kritisieren, dass er sich doch sehr in bekannten Hollywoodbahnen bewegt. Das war in
District 9 noch etwas anders. In
Elysium ist alles relativ eindeutig eingefärbt (die Guten sind gut, die Bösen böse), es gibt keinerlei Überraschungen und sogar das ein oder andere Logik- oder eher Verstehensloch ist vorhanden, da einige Aspekte leider nicht zu Ende gedacht bzw. stiefmütterlich behandelt wurden. Sein Hirn sollte man also besser etwas herunterfahren (nicht abschalten, das wäre ungerecht gegenüber der platt präsentierten, aber immerhin vorhandenen Gesellschaftskritik) und seine Storyerwartungen nach
District 9 lieber nicht zu hoch schrauben. Dann hat man auch mit der ziemlich "eindeutigen" Geschichte von
Elysium großen Spaß.
Und Spaß macht Blomkamps Sci-Fi-Reißer auf jeden Fall. Man hat den Eindruck, dass er einfach sein glaubwürdiges, schmutziges
District 9-Universum geschnappt, durch einige übrig gebliebenen
Halo-Live Action-Werbespot-Requisiten ergänzt und mit einem
Mass Effect-würdigen Design kombiniert hat. Und genau das macht einiges her.
Elyisum sieht unverschämt gut aus, ist einerseits blutig und roh (Ja, es gibt auch wieder platzende Menschen.), andererseits technologisch-ästhetisch. Alles wirkt wie aus einem Guss, glaubwürdig und imposant. Dazu gibt es einige fetzige Waffen- und Technikeinfälle, sowie schweißtreibende, wenn auch etwas wackelige Action. Das ist toll anzusehen, ein Fest für Videospieler und Sci-Fi-Liebhaber und angenehm eigenwillig. Sogar die Schweine, die bei Blomkamp anscheinend die Rolle der John Woo'schen Tauben übernehmen, konnten wieder einen Gastauftritt ergattern.
Zusammenfassend kann ich nur sagen: Eigentlich ist
Elysium nicht mehr als ein aufgeblasener
District 9. Der eine mag
"schade", ich hingegen würde eher
"zum Glück" sagen. Blomkamps Erstlingswerk war bzw. ist nämlich ein außergewöhnlicher Sci-Fi-Film mit einem ganz speziellen Stil, den er glücklicherweise beibehält und, dank noch mehr Geld und deswegen besseren Effekten, sogar noch aufhübschen konnte. Ok, ich gebe zu,
Elysium ist nicht mehr so "persönlich" wie
District 9 und macht einen großen Schritt hin zum klassischen Sommerblockbuster. Jedoch mit Blomkapms unverkennbarer Handschrift, guten Schauspielern (Sharlto Copley hat auf jeden Fall das Zeug zum Villain of the Year!) und vielen feinen Sci-Fi-Visionen. Da sehe ich dann auch gerne über die flache Handlung hinweg und vergnüge mich mit dem brillanten Rest dieser schmutzig-schönen Dystopie.