Assassins Creed Syndicate
Wer hätte das gedacht? Der bereits neunte Teil der Reihe, soweit ich jetzt richtig gezählt habe, überzeugt mich wieder voll und ganz, nachdem ich den Vorgänger kurz vor Beenden der Hauptstory in die ewigen Jagdgründe geschickt habe. Syndicate erfindet Assassins Creed zwar bei weitem nicht neu, aber es macht doch so einiges richtig.
London im Viktorianischen Zeitalter ist einfach ein Traum. Für mich ist es bisher ganz klar die schönste Stadt die Ubisoft geschaffen hat. Von A nach B hastete ich nicht wie üblich über die Dächer, sondern ging oder fuhr mit der Kutsche durch die Gassen von London. Und diese Gassen sind so detailverliebt und versprühen den Charme des späten 19. Jahrhunderts. Die Stadt fühlte sich so lebendig an mit den Zeitungsjungen, Arbeitern, Kinder die im Park Ball spielen, auf den Märkten wird lautstark verhandelt und in den ärmeren Gegenden wird gebettelt und geprügelt.
Besonders gelungen empfand ich die Musik die man überall in London hörte, in den Pubs wird gesungen, ein Orgelspieler steht an der Straße und die Chöre in den Parks besingen ihre Queen. Ja ich muss schon sagen, das besonders die Musik eine Menge zur Atmosphäre beigetragen hat und ich mich oft dabei erwischte wie ich einfach einen Moment stehen blieb und zuhörte
So sehr ich London und seine Atmosphäre begeistert war, so enttäuscht war ich (mal wieder) von der Story. Zeitweise fragte ich mich sogar, ob überhaupt eine vorhanden ist. Böser Templertyp besetzt London und irgendwo ist noch ein Edensplitter versteckt, die “Gegenwartsstory“ beschränkt sich zum Glück nur auf zwei oder drei Cutscenes in den man als namenloser Agent dem ganzen Treiben nur zusieht. Das war es dann auch schon.
Zurück in London spielen wir als die Zwillinge Evie und Jacob Freye. Leider erfahren wir auch hier wieder viel zu wenig über die zwei Hauptprotagonisten, jedoch mochte ich beide sehr gerne.
Gegen Ende spielte ich fast ausschließlich mit Evie, obwohl es sich, wenn man Evie komplett auflevelte, schon fast nach cheaten anfühlte.

Das man im Schleichmodus unsichtbar für Gegner war, war schon ein bisschen zu viel des Guten. Neben der Hauptstory traf man dann wieder so einige berühmte Persönlichkeiten aus der Zeit, Darwin, Marx, Queen Victoria und Dickens für die man dann wieder ein paar Missionen erledigen durfte, leider auch nicht spektakulärer als die Hauptstory.
Das Befreien von London hat mir hingegen sehr viel Spaß gemacht, auch wenn es ja eigentlich immer nur die selben Missionen waren. Was mich sehr verwunderte, ich habe doch tatsächlich so viel gesammelt wie noch nie bei einem Assassins Creed. Truhen und Helix-Glitches wurden einfach von mir links liegen lassen, Bierflaschen, Zeitungen, Spieluhren und Blumen habe ich jedoch alle beisammen, wahrscheinlich weil diese auch realistisch zu sammeln waren und jetzt nicht die komplette Karte fluteten.
Spielerisch hat mir das Kampfsystem um einiges besser gefallen als bei den Vorgängern und man fand mich auch oft in den Kampfclubs, erinnerte mich an das Kampfsystem der Arkham Reihe, auch wenn es wesentlich simpler ist. Klettern war jetzt auch dank des “Enterhakens“ um einiges angenehmer, obwohl ich auch oft genervt war, weil man plötzlich irgendwo hoch kletterte wohin man überhaupt nicht wollte, aber das ist man ja leider schon von AC gewohnt

. Sehr angenehm war auch das man sich dieses mal etwas freier bewegen konnte ohne von irgendwelchen Polizisten oder Gangmitgliedern angegriffen wurde nur weil man auf der gleichen Straßenseite ging.
Der Abstecher in den ersten Weltkrieg war atmosphärisch sehr nett gemacht, ein komplettes Spiel in dem Setting könnte ich mir aber nicht vorstellen.
Alles in Allem zählt Syndicate für mich, zusammen mit Assassins Creed 2, zum besten Teil der Reihe, das mich 50 Stunden großartig unterhalten hat.