Packend, puristisch, phänomenal: auf der einen Seite habe ich mit dem Film-Franchise und dem Genre nicht viel zu tun, doch Alien: Isolation schnürt ein Paket, das mich auf vielen Ebenen weggeblasen hat. Viele ungewöhnliche Gameplay-Schwerpunkte, erfrischende Linearität und eine Atmosphäre zum Niederknien verschmelzen sich zu einem knapp 21 Stunden andauernden Trip voll stilvoller Anspannung, aber auch sehr viel Befriedigung.
Ich liebe ruhige, mit Bedacht ablaufende Spiele, und dieser „Survival Stealth“ aus dem Überlebensdrang heraus ist nicht alltäglich, jedoch ausgefeilt spielbar. Ich schleiche mich geduckt durch ein Raumschiff, beobachte meine Umgebung mit dem Scanner, suche händeringend nach Abkürzungen und Luftschächten und komme somit hoffentlich ohne Konfrontation an mein Ziel. Wenige Ressourcen ließen mich Waffeneinsatz mehrmals durchdenken, Geräuschfallen oder andere Ablenkungen waren meist die klügere Lösung. Man fühlt sich das ganze Spiel über „untermächtig“, selbst der Flammenwerfer oder die Bolzenkanone bleiben Notlösungen. Die Alien-KI ließ auf mittleren Schwierigkeitsgrad keine Wut aufkommen, häufige Wechsel in Pacing und Gefahrenstufe und die Chemie zwischen weiteren NPC-Typen (Roboter, Überlebende, Wachen), die immer wieder selbst Opfer des Aliens werden können oder unbeteiligt an ihm vorbeigehen, machen daraus ein sehr homogenes, lebendig wirkendes Erlebnis, für das man definitiv Geduld und Nerven aufbringen muss.
Begleitet wird es von einigen Faktoren, denen ich entweder neutral oder wohlgesonnen gegenüber stehe: das schlichte Gameplay mit vielem Knopfdrücken, Minispielen und kleineren Ausflügen und Kletterpartien stellt eine wohltuende Alternative dar. Das manuelle Speichersystem empfinde ich als in Ordnung. Wenn ich einen sicheren Hafen erwartet habe, war in der Regel einer in der Nähe. Es wirkt ziemlich ausgeklügelt ins Level-Design integriert. Backtracking war ebenso in Ordnung, eine Raumstation glänzt sowieso nicht durch optische Abwechslung. Geflucht und gebibbert habe ich gegen meine Erwartung relativ wenig, wobei das letzte Drittel teilweise schon sehr heftig daherkam.
Alien: Isolation hat mir gezeigt, was man aus Sci-Fi alles machen kann. Genau wie ich bei anderen Settings und Thematiken Stealth oder Minimalismus zu schätzen weiß, so überzeugend ist das Konzept einer gefährlichen Raumstation mit geringen Chancen im offenen Kampf. Ein Hammer vor dem Herrn, der aufgesetzte RPG-Elemente oder Nebenmissionen gewiss nicht nötig hätte. Es ist eben nicht nur das simple Gameplay-Gerüst, sondern auch der einfach gestrickte Aufbau. Ich schwanke noch zwischen 4 und 4.5, wobei es tendenziell eher die höhere Wertung absahnen könnte. Sicher ist jedoch: in dieser Form habe ich es nicht kommen sehen.