inFAMOUS: Second Son
Eins vornweg: Teil 1 empfand ich damals als ganz passabel, Teil 2 hab ich kaum länger als ein paar Stunden gespielt. Hat mich einfach nicht mehr so sehr gepackt und angesprochen, wie es der Erstling konnte. Trotz vieler Verbesserungen. Zugegebenen, ich hatte da auch meine Freude mit Prototype und der brachialen Zerstörungsorgie, die man da am Laufband produzieren konnte. Gekrönt wurde das ganze mit einen Ellbow Drop aus dem 60 Stock eines Wolkenkratzers. Dabei sei erwähnt, Delsin bietet nun aus meiner Sicht endlich auch ein adäquates Äquivalent, welches nicht minder so effektreich daherkommt.
Second Son beginnt aus erzählerischer Sicht relativ unspektakulär und positioniert den Hauptprotagonisten Delsin Rowe unmissverständlich als freches und rebellisches Gegenpol zu seinem Bruder und Cop Reggie Rowe, der ihn während der Geschichte weitestgehend kritisch begleitet und Hin und Wieder auch mit Rat und Tat zur Seite steht. Rowe trifft im Laufe der Geschichte noch auf weitere Charaktere, die ich hier aber aus spoilertechnischen Gründen nicht näher erläutern will. So viel sei gesagt: Jeder einzelne von Ihnen ist als Individuum charakteristisch glaubhaft ausgearbeitet und strahlt seine ganz persönliche Aura aus. Nur die Kämpfe mit Ihresgleichen sind manchmal ganz schön anstrengend und monoton. Der Endkampf, der etwas oft hinausgezögert wird, dauert eine gefühlte Stunde, während man dabei im Prinzip immer das gleiche tut.
Die Geschichte und die erzählerische Aufmachung ist trocken ausgedrückt zweckdienlich, kritisch betrachtet relativ unspektakulär, vorausschaubar und ideenlos. Alles in allem aber passabel. Ich hatte zumindest immer das Bedürfnis, weiter spielen zu wollen. Glanzleistungen sollte man aber keine erwarten. Gut gefallen hat mir der Mix aus wirklich gelungenen ingame Sequenzen und den comichaften Erzählungen, die oftmals als Einführung eines neuen Charakters dienen. Erwähnen sollte man auch die aus der Serie bekannte Möglichkeit, Delsin als Good oder Bad Guy spielen zu können. Entsprechend dem eigenen Verhalten, verändern sich dann Fähigkeiten und im späteren Verlauf auch Aussehen und in beschränktem und oberflächlichen Umfang der Verlauf der Geschichte. Ich bin gewohnt als Bad Guy unterwegs gewesen und habe schlichtweg alles geplättet was sich meinem Pseudo-Munanten-Punk in den Weg gestellt hat. Spielerisch beginnt das Spiel äusserst unbeeindruckend, steigert sich im Laufe der Geschichte aber zunehmend und mit dem Erwerb und dem Erlernen von neuen elementaren Fähigkeiten erhält das Spiel auch seine gewohnte und abwechslungsreiche Dynamik. Jede Fähigkeit bietet dabei eigene Angriffe und Bewegungsabläufe und einen ganz speziellen Special-Move, der einem manchmal den Hintern retten kann, meistens aber für die totale Zerstörung der unmittelbaren Umgebung sorgt. Im Prinzip hat man die Wahl, mit welcher Fähigkeit man die Mission angehen will. Jede bietet ihre ganz eigenen Vor- und Nachteile und verändert die Bewegung des Protagonisten in Seattle teilweise frappierend. Neben der Hauptstory bietet das Spiel noch viele weitere Nebenbeschäftigungen und Sammelobjekte, wie z.B. die nützlichen Kristalle, mit denen man seine eigenen Fähigkeiten verbessern und ausbauen kann. Dafür hat das Spiel einen Fähigkeiten-Stammbaum, der kontinuierlich wächst und mit neuen Bereichen ausgeschmückt wird. Den Spielumfang würde ich als ausreichend beschreiben.
Grafisch ist das Spiel unbestritten ein Brett. Überall sind wunderschönes Lichtspiele, gepaart mit beeindruckend Lichteffekten die den Fähigkeiten von Delsin entspringen anzutreffen. Die Stadt ist mit Details geschmückt und die Straßen sind mit Leben gefüllt. Grafisch beeeindruckend inszenierte Pfützen übersähen den Asphalt, im Wasser spiegelt sich das Restsonnenlicht und Regentropfen hinterlassen authentische Spuren. Bei Dämmerung und in der Nacht packt die Engine dann noch einmal alles aus, was sie zu bieten hat. Zu erwähnen sei auch die tolle Weitsicht und allgemein die Ausarbeitung der Landschaft ausserhalb der Stadt. Auf der anderen Seite gibt es aber auch hier wieder einige Punkte, die man durchaus hätte verbessern können. Die Texturen sind manchmal etwas verwaschen, ich hatte im Verlauf der Geschichte das eine oder andere Clippingproblem und das Aliasing ist leider auch bei Second Son teilweise präsenter vertreten.
Fazit: Trotz der etwas laschen Geschichte und dem zähen Anfang, hatte ich viel Spaß mit Second Son und habe mit Voranschreiten der Geschichte und dem Ausbau des Fähigkeiten-Stammbaum mal endlich wieder ein richtiges Badass Gefühl in einem Open-World-Titel verspürt. Dölfin rockt. 8/10