Indiana Jones und der große Kreis
Es fällt mir gerade wirklich schwer einen Anfang zu finden, denn wenn ich versuche an das Spiel denken, fallen mir 1000 geile Dinge ein, die ich in den letzten Tagen erleben durfte und es sprudelt in meinem Kopf. So viel sei gespoilert: Kritikpunkte gibt es wirklich sehr wenige.
Grafisches Ego
Eine meiner 2 größten "Sorgen" im Voraus war die Ego Perspektive. Hier gab es in der Vergangenheit nur wenige Spiele, die mich dahingehend packen konnten. In dieser Generation war es tatsächlich bisher nur Cyberpunk. Ja, jetzt hat sich Indy dazu gesellt. Schon in den ersten Minuten zeigt sich, wie immersiv das Spiel durch die Perspektive ist. Der erste Eindruck erinnerte mich im positiven Sinne an einen Walking Simulator, der außer schöner Grafik nichts zu bieten hat. Dieser Eindruck wird natürlich innerhalb ein paar Minuten widerlegt. In ein Loch zu greifen, aus dem Spinnen über den Arm gekrochen kommen ist wirklich unangenehm.
Die Grafik ist fast durchgehend gut - auch in der Beleuchtung, Wasserbewegung und so sehr stimmig.
Hier waren Designer am Werk
Schöne Grafik ist eins, Art Design etwas anderes und das passt hier so gut. Egal ob die verschiedenen Kulissen in den abwechslungsreichen Orten, sowohl innen und außen, wie auch die ganzen Charaktere. Alles aus einem Guss. Selbst das popeligste, kleine Nazilager irgendwo im Nirgendwo erweckt die Abenteuerlust sich da rein zu schleichen und es zu erkunden.
Auf die Ohren
Kommen wir zu einem soooo unglaublich wichtigen Punkt in diesem Spiel. Alles, aber wirklich auch ALLES am Sound ist perfekt. Jeder Peitschenknall, jeder Fackelschwenk, das Öffnen einer Geheimtür, sich nähernde Schritte, draußen marschierende Nazis wirkt alles so authentisch.
Die deutsche Sprachausgabe... und die originalen anderen Sprachen sind so perfekt ins Spiel gebettet. So klasse durch den Vatikan, Ägypten und weitere Orte zu laufen, wo die Heimatsprache gesprochen wird. Beim nächsten Durchgang nehme ich die originale Ausgabe, damit das Deutsch der Nazis noch besser zur Geltung kommt. Man hat sich hier so unglaublich Mühe gegeben.
Ikonische Musik
Jeder kennt die ikonische Musik von Indy und ich verstehe oft in Filmen oder Spielen nicht, warum sie einfach nur als dudelndes Beiwerk gebraucht wird. Hatte ich bei Dragon Age Veilguard hohe Erwartungen als man nen Hans Zimmer großspurig erwähnte. Technische Qualität gab es da, aber geile und prägnante Melodien mit Ohrwurmcharakter blieben völlig aus.
Aber nicht hier, nicht bei Indy! Der Anfang eignet sich so unfassbar als Jingle und genau so wird er auch benutzt. Die Musik ist im ganzen Spiel schon spitze, aber wenn dieser Jingle in gewissen Situationen in die Stücke gebracht wird, mal vorsichtig und mal wild, ist das einfach immer wieder pure Gänsehaut.
Wie spielt sich denn der Indy nun?
Das Gameplay aus der Ego Perspektive funktioniert so verdammt gut, dass ich alles um mich herum vergesse. Indy tut immer genau was er soll. Sich über Kanten zu ziehen dauert angemessen lang, die Entfernung beim Peitschenschwingen über Abgründe will auch ordentlich austariert werden und Nazis auf die Fresse hauen, samt Blocken, Ausweichen und Parieren macht doppelt so viel Spaß wie erschießen. Indys zynische Kommentare während oder nach dem Kampf zeigen, dass auch ihm das Spaß macht.
Das perfekte Pacing aus Schleichen, Kämpfen, Rätseln, Erkunden und Parkour tut sein übriges.
Durch das Finden von Lehrbüchern wird Indy immer besser im Kampf oder kann Fundorte auf der Karte sichtbar machen.
Das einzige, was mir im Spiel wirklich kolossal auf den Sack ging waren ein paar Trial & Error Stellen, in denen sich Indy innerhalb von ein paar Sekunden retten musste und es nicht klar war, was das Spiel von mir will. So hab ich bei ein paar Szenen wirklich um die 10 - 20 Versuche gebraucht.
Als Wiedergutmachung gibt es aber ein paar Over the Top Momente für einfach nur Hirn aus Action und übertriebenen Spaß haben.
Nur VR wäre immersiver
Das Spiel hat mich ja bereits aus bisher genannten Gründen reingezogen. Es ist aber die Detailverliebtheit, die das ganze noch ausprägt.
- Einmal sind es die Dungeons, die sich auf das Lösen von Rätseln, aber dann halt auch durch den Stick bewegen verändern. Wenn ich zum Beispiel eine Türe öffne oder einen Schlüssel drehe.
- Die Karte wird von Indy in die Hand genommen und um südliche Punkte darauf zu sehen, muss er weiter runter schauen.
- Indys verbale Reaktionen auf das Lösen von Rätseln. Er ist so glaubwürdig enthusiastisch und begeisterungsfähig.
- Die Rätsel waren nicht so heftig, dass man googeln musste, was mich demnach auch nicht rausreißt.
- Beispielsweise das Rätsel mit dem Brunnen im Vatikan ist vom Ergebnis her so befriedigend und glücklich machend. Bin da total begeistert von.
...nur der weiße Punkt in der Mitte war völlig unnötig. Schlimm.
VR? Wäre mein Traum. In der Vergangenheit wurden bereits ein paar Bethesda Spiele für die PSVR gebracht und ich habe MS dafür verflucht Beth gekauft zu haben. Ich weiß, Hoffnung und so - aber wie geil wäre Indy für die PSVR2 bitte?
Ein ganz charmanter Typ und seine Geschichte
Indiana war in den Filmen schon immer das Highlight (ich kenne die neueren nicht!). Harrison Ford war mit seiner Art einfach unerreicht früher. Das Spiel hat Indy so toll eingefangen und Dank der Immersion passt das als Spiel IMO sogar noch viel besser als Filme. Hier erlebt man das Abenteuer durch das eigene Handeln wodurch der Charme, der Witz und das Feeling in keiner Sekunde leidet.
Zur Story möchte ich aus Spoilergründen kein Wort verlieren, nur das sie von vorn bis hinten toll erzählt ist und das Ende ist mehr als befriedigend und einfach nur WOW!
Das liegt aber halt auch nicht nur daran, sondern auch an den toll geschriebenen Charakteren. Und ein Held ist oft nur genau so gut, wie sein Antagonist. Die näher bekannten Nazis sind halt einerseits klassisch Indy idiotisch überzeichnet, aber trotzdem gefährliche Faschisten. Und wenn sie den Gruß vollziehen oder HH rufen ist das einfach nur krass.
Die aller stärksten Szenen aus dem Spiel sind für mich die mit Indy und Voss - mit 2 S, wie SS
Indy für Alle
Ich konnte das Spiel trotz Sehbehinderung meistens entspannt spielen. Die Optionen sind für die Untertitel in anderen Sprachen sehr angenehm. Falls benötigt hätte es noch Schwierigkeitsgrade gegeben, Farbenblindanpassungen etc etc.
Wenn ein Gegner kurz davor war einen zu entdecken, gab es eine akustische Warnung in Form einer musikalischen Untermalung. Was mir oft den Hintern gerettet hat. Sowas sollte Schule machen.
Letzte Worte
Die komplette Umsetzung ist wirklich mehr als gelungen. Man hat hier das Gefühl, dass die Entwickler ehrlich, ungezwungen und authentisch an Indy gegangen sind.
Wenn ich eins dem Spiel wirklich ankreiden möchte ist, dass es nur einen automatischen Spielstand gibt. An einer Stelle wegen nem Bug nicht weiter gekommen. Zum Glück gab es für mich eine Lösung, die mich 10 Minuten neu spielen gekostet hat - nachdem ich knapp ne Stunde rumgeirrt bin. Diese Lösung geht aber aus dem Spiel nicht hervor und wie ich erfahren habe, war ich mit meiner kurzen Neuspielzeit noch ein Glückskind. Sowas ist absolut unschön. Trübt meinen Gesamteindruck aber kaum.
Am Ende bin ich nach 26,5 Stunden mehr als glücklich mit dieser tollen Erfahrung dieses herausragenden Spiels, wo ich mich als richtiger Abenteurer fühlen durfte.
Wertung
92/100 Peitschenhieben
Und danke für dieses tolle Spiel.