Dishonored (One)
Bin froh, dass ich dem Spiel noch eine zweite Chance gegeben habe, nachdem ich es damals auf der 360 schnell wieder aus dem Laufwerk verbannt hatte. Denn es ist gut, zwischenzeitlich sogar sehr, sehr gut.
Gelungen fand ich: Die Welt. Ein visuell ansprechendes, einzigartiges und spannendes Universum, das sie geschaffen haben und sich am ehesten als Steampunk-Nazi-London im 19. Jahrhundert mit "Magie"-Einfluss beschreiben lässt. Erstaunlich abwechslungsreich, mit ausreichend Liebe zum Design-Detail und sogar einigen interessanten inhaltlichen Aspekten, wie den politischen und gesellschaftlichen Strukturen, ausgeschmückt.
Schön sind auch immer wieder die kleinen Details. Etwa der Herr, den man dabei erwischt, wie er einer Dame beim Baden durchs Schlüsselloch zuschaut. Anständig wie wir sind, ermahnen wir ihn natürlich - nur um danach selber durchs Schlüsselloch zu schauen.

Das ist alles wirklich nett geschrieben und umgesetzt.
Zweiter großer Pluspunkt ist das dynamische und dir komplett freigestellte Gameplay. Das Spiel lässt dir die Wahl, ob du die Level komplett unsichtbar und ohne auch nur einen einzigen Gegner auszuschalten durchquerst. Oder dabei jede noch so unwichtige Wache wortwörtlich in der Luft zerreißt. Entsprechend der eigenen Vorlieben darf dann auch aus einem begrenzten Fähigkeitenbaum gewählt und Ausrüstung eingesetzt werden. Betäubungspfeile oder -Mienen, Wallhack und Ablenkungen für den Schleicher. Explosonspistolenmunition, Granaten und Windstoß für den offensiven Spieler. Dazu gibt es noch unzählige unterschiedliche Wege, die Möglichkeit die Umgebung für seine Zwecke einzusetzen (bspw. das Manipulieren von Geschütztürmen) und Sidequests innerhalb der Missionen. Alles in frei begehbaren "Hub-Leveln". Fand ich spitze.
Nicht ganz so gut gefallen hat mir, dass einige der Fähigkeiten dezent overpowered sind. Das Zeitanhalten beispielsweise, was schon fast Cheaten gleicht. Einfach mit dem Finger geschnipst, die Zeit eingefroren und entweder an den bösen Buben vorbei gelaufen oder sie in Ruhe abgestochen, ohne, dass sie sich wehren können. Damit waren dann selbst die größeren Auseinandersetzungen im Finale absolut kein Problem mehr. Wobei ich auch nur auf "Normal" gespielt habe. Auf höheren Schwierigkeitsgraden dürfte es sicher etwas schwerer und taktischer werden.
Bei mir sah es jedenfalls meistens so aus (s. Gif im Spoiler): Gegner anlocken, gemütlich hingehen und mit einer Handbewegung alle an die Wand klatschen. Sieht lässig aus, ist irgendwo auch verdammt befriedigend

, aber leider keine große Herausforderung.
Bisschen holprig fand ich auch die Animationen und die Inszenierung der Story im Allgemeinen. Könnte alles geschmeidiger laufen und, dass der Protagonist nicht spricht stört immer wieder, da man sich die Dialoge so im Grunde denken muss. Fällt um so mehr auf, wenn man direkt danach die DLCs anfängt, wo der Hauptcharakter labern kann. Da ensteht eine ganz andere "Erzählqualität".
Bis auf die inszenatorischen Schwächen und die Sache mit dem Schwierigkeitsgrad, der dafür sorgt, dass man meistens eigentlich nur durchrennt und die Hälfte der Möglichkeiten gar nicht nutzt, weil man es nicht braucht, ein wirklich tolles Spiel. Hat mich gerade echt positiv überrascht und spielt sich auch drei Jahre nach Release und auf der Next-Gen noch sehr gut. Auf die Fortsetzung bin ich nun sogar ziemlich heiß.
In Punkten:
8/10 weiße Ratten
Ist übrigens erstaunlich brutal. Da fliegen regelmäßig Köpfe und lustig auch, wie die Gegner an Wänden "zerschellen".