Zero Escape: Virtue's Last Reward
Mhh... Über weite Teile des Spiels hätte ich ja behauptet, dass das Spiel so großartig wie sein Vorgänger, 9 Hours 9 Persons 9 Doors, sei, aber das Ende war schon ein ziemlich unschöner Cliffhanger. Zwar erfährt man genügend Details, damit die Story (trotz geringfügiger Logiklücken, die aber verkraftbar sind) Sinn ergibt und abgeschlossen wirkt, aber DIE Schlüsselszene, auf die man am Ende nur noch gewartet hat, wird dem Spieler knallhart vorenthalten. Ja, 999 hatte auch einen Cliffhanger, allerdings war der für den Abschluss des Spiels so gut wie gar nicht von Bedeutung.
Zudem muss ich auch kritisieren, dass sich das Spiel massivst an Plotelementen aus einem älteren Visual Novel (Ever 17, einer der besten VNs überhaupt imo) bedient und diese mehr oder weniger 1:1 übernimmt. Der Director der Zero Escape Reihe hat bei dem Spiel zwar als Co-Writer mitgewirkt, was aber keine Entschuldigung dafür ist, mir fast denselben Subplot quasi ein zweites mal aufzutischen.
Und dabei war Virtue's Last Reward sonst bis zum Ende hin wieder richtig stark erzählt und hat mir mit seinen unzähligen genialen Plot Twists brutal das Hirn geröstet. Das Spiel war durchgehend unfassbar spannend und mir ist es während der gesamten 45 Stunden Spielzeit ziemlich schwer gefallen, die Vita mal aus der Hand zu legen.
Die Rätselabschnitte waren auch deutlich besser und anspruchsvoller als in 999, wo mir die Puzzles zu leicht waren. Der Charaktercast hat, wie im Erstling, wieder durchweg interessante Persönlichkeiten mit genügend Backstory beherbergt. Allerdings muss ich dazu auch sagen, dass ich nur mehr über die Charaktere erfahren wollte, um letztendlich mehr Storylücken schließen zu können, als dass ich mich für einen Charakter selbst interessiert hätte. Irgendeine Art Bindung blieb hier außen vor, was ich aber nicht weiter schlimm finde, da das Spiel nicht im großen Stil versucht, auf die Emotionsschiene abzudriften und immer die Story im Fokus hat.
Was ich dem Spiel (und auch dem Vorgänger) hoch anreche, ist die Tatsache, dass das Spiel eine Geschichte erzählt, die in dieser Form weder als Buch noch als Film oder Serie möglich gewesen wäre und damit eine ganz eigene Art von Immersion erzeugt, da viele Aktionen des Spielers und Spielelmechaniken selbst mit in den Plot einbezogen werden.
Und damit meine ich keine Entscheidungsfunktionen im Sinne von "Wenn du diesmal eine andere Antwortmöglichkeit wählst, entwickelt sich die Story in eine ganz andere Richtung", von denen es hier zwar auch mehr als genug gibt ( es waren um die 20 Endings, wenn ich mich richtig erinnere), sondern viel grundlegendere Mechaniken, welche letztendlich auch für die vielen genialen Plot Twists gesorgt haben.
Um das jetzt weiter auszuführen, müsste ich aber schon anfangen zu spoilern und behaupte deswegen einfach, dass wenn man nach einem in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen und erinnerungswürdigen Spielerlebnis sucht, mit den beiden Zero Escape Spielen bestens bedient ist.
Für einen runderen Abschluss braucht die Reihe allerdings noch einen 3. Teil...