Dead Space 2 (X360)
Ich hasse Survival Horror Spiele bzw. generell Spiele die mit Horrorelementen arbeiten. Meine Angst nimmt in solchen Spielen schnell Überhand, somit ich sie wirklich nur sehr selten spielen (kann). Dead Space 1 konnte mich damals auf einer Xbox360 Messe beim anspielen so sehr begeistern, dass ich über meinen Schatten gesprungen bin und es mir zu Release gekauft habe. Nur Dank einer weiblichen Begleitung, die das Spiel mit mir durchgespielt hat, konnte sich die Angst in spielbaren Grenzen halten und Dead Space genossen werden. Und weil Dead Space damals für mich das Prädikat „genial“ hatte, wusste ich dass der Nachfolger gespielt werden muss, sollte er jemals erscheinen.
Diesmal hatte ich niemanden der mit mir das Spiel durchspielte. Alleine gelassen legte ich vor Wochen DS2 in mein 360 Laufwerk mit einer freudigen aber auch mit einer sehr ängstlichen Erwartung. Die ersten 30 Minuten waren für mich der reinste Horror. Gleich am Anfang bricht die Hölle los. Isaac wird von irgendeinem Typen in einer Zelle „geweckt“ und mitgeteilt, dass er schnell fliehen muss. In diesem Moment darf man schon mit ansehen wie der Kopf von dem Körper dieses Mannes auf brutaler Art und Weise gelöst wird. Spätestens jetzt wird klar, renn! Es ist hässlich in einer zerstörten Umgebung, wo man viele Schreie hört, viel Blut sieht und es sau dunkel ist, von Kreaturen wegzulaufen, die aus jedem Winkel kommen können – und das in einer Zwangsjacke! Für mich als Zocker war der Anfang so intensiv, dass ich das Spiel für zwei bis drei Wochen nicht mehr angerührt habe.
Vor ein paar Tagen habe ich mich zusammengerissen und das Spiel wieder eingelegt. Nach dem man die Einführung im Spiel hinter sich gelassen hat, und man meine geliebte Plasmacutter bekommt, nimmt das Spiel Formen an wo es für mich erträglich wurde. Klar, die Angst war noch immer enorm, aber zumindest konnte man sich jetzt zu Wehr setzen und somit langsam der Genuss kommen. Am Anfang schießt man oftmals wild um sich und lässt sich in vielen Momenten sehr schnell erschrecken (ist aber auch klar, wenn ein Vieh direkt vor deiner Nase auftaucht und der Sound hochgedreht wird). Aber mit der Zeit erlangt man eine gewisse Routine, und dank der eigenen Fähigkeiten, nimmt die Angst etwas ab und man zerlegt einen Gegner nach dem Anderen. Das Erschreckens Schema sieht man oftmals voraus und reagiert dementsprechend recht cool. Trotzdem nimmt einen die knallharte Atmosphäre komplett ein und man traut sich nur Schritt für Schritt sich vorwärts zu bewegen, weil aus jeder Ecke eines der Monster kommen könnte.
Das Spiel sieht vom audiovisuellen Gesamtbild schlichtweg super aus. Alles ist sehr detailliert, überall gibt es oft Kleinigkeiten zu bestaunen und zu hören. Ladezeiten sind kaum vorhanden, Kapitel werden einfach nur mit Kleine Untertitel präsentiert und einige Geschehnisse werden so genial inszeniert, dass sie einen fest in Erinnerung bleiben. Nur akustisch konnte ich Isaacs Freundin nie ganz verstehen. Das Rauschen war mir zu stark.
Wie ich schon mal geschrieben habe, ist es ein Genuss gewesen, sämtliche Räume in dieser Station zu erkunden und sich Gedanken darüber zu machen, wer hier lebte.
Dadurch dass man nicht mehr auf einem Schiff spielt, sondern auf einer Kolonie, ist mehr Abwechslung durch verschiedene Locations geboten.
Isaac geht durch eine völlig verwüstete Kinderstation. Auf dem Boden führen Blutspuren in verschiedene Richtungen, von den Wänden tropft es Blut, Einrichtungsgegenstände liegen Quer verstreut herum, und Licht spielt mit dem Schatten vieler verstümmelten Körper seine Spielchen. Während man diese Verwüstungen begutachtet, findet man entweder Sprachaufnahmen oder Texte zum Lesen. Dabei wird einen immer eine kleine, vielleicht für die Hauptstory nicht relevante Geschichte, übermittelt, die aber ungemein zur Atmosphäre beitragen (können). Während man mit Entsetzen seine Umgebung begutachtet, hört man schrille Schreie, die einen fast schon panisch in jede Richtung suchen lässt.
Und solche kleinen Abschnitte machen DS2 für mich so genial. Die Atmosphäre frisst einen förmlich auf. Zumindest bis zum 12ten Kapitel fand ich das Spiel unheimlich atmosphärisch und fair. Gegen Ende wird man förmlich mit Gegnern zu gebombt, wo man nicht weiß wenn man zuerst erschießen soll, und man gezwungen wird, bei den Kreaturen vorbei zu laufen um den nächsten Raum zu erreichen. Hier wirkt es eher anstrengend und zu aufdringlich, als atmosphärisch und spielspaßfördernd.
Dafür muss man es zugutehalten, dass es ein abgeschlossenes Ende hat, wo ein Nachfolger nicht dringend gebraucht wird.
Das Gameplay an sich macht richtig Spaß. Jeden angelaufen „Zombie“ kann man dank einer sehr genauen Steuerung gezielt seine Gliedmaßen bis zum Rumpf abschießen – was auch nötig ist. Durch die Stase lässt sich sogar in „slow motion“ stylisch einen Gegner nach den Anderen erledigen. Mit der Kinese lassen sich verschiedene Objekte und leblose Körper durch die Luft werfen. Speziell für Items die in weiter Ferne liegen oder man einfach aus Sicherheit sich nicht näher hinbegeben möchte, ist die Kinese Gold wert. Oder um einfach mit den Körpern zu spielen

. Der Nahkampf sowie das Stampfen ist wichtig um Gegnern die Items aus ihren Körper zu schlagen, aber für das Kämpfen an sich eher zweitrangig.
Die neue Schwerelosigkeitssteuerung macht Spaß, wirkt sich aber nicht wirklich als spürbares neues Element im Spiel aus. Wie im ersten Teil, kann man bei bestimmten Maschinen mit Knoten seinen Anzug, Stase und Waffen upgraden, sowie für Geld in Shops Items käuflich erwerben. Dabei entwickelt sich ein leichtes Suchtgefühl, wo jeder Winkel wegen wohlmöglichen Knoten abgesucht wird.
Den Multiplayer kann ich derweil noch nicht testen, so wie die neuen Waffen im Spiel habe ich auch nicht probiert und kann somit keinen Kommentar dazu geben.
Eigentlich wollte ich gar nicht so viel schreiben, aber DS 2 hat bis auf die letzten Kapitel mich so sehr überzeugt, dass es ein größeres Review meinerseits verdient hat. Es erinnerte mich teilweise an Bioshock, was auch durch seine Atmosphäre brillierte, auch u.a. wegen den angesprochen Punkten, die ich schon oben erwähnte.
Angst, Panik, Action, Gore, angespannte Atmosphäre und ein geniales audiovisuelles Gesamtbild zeichnen für mich DS2 aus. Es ist zwar durch die schwachen letzten Kapitel nicht ganz so stark wie der erste Teil, aber es zieht einen in seinen Bann und lässt nicht mehr los. Isaac eine Stimme zu geben, war für mich eine richtige Entscheidung und das zu anfangs ständige lästige Aufeinandertreffen seiner imaginären Freundin, konnte mich letztens doch ab und zu emotional berühren. Tolles Spiel.
BTW.: Das letzte Mal, dass ich so ein ausführlichen Spielbericht geschrieben habe, war zu areagames Zeiten. Ich weiß auch wieder warum