Nun, ich liebe dieses Game. Mir ist klar, dass es in vielerlei Hinsicht nicht herausragend ist, auch wenn es damals, zu seiner Zeit, durchaus neue Massstäbe gesetzt hatte. Es besteht wohl mehr eine Art "emotionale Bindung", weil ich das Game damals vor vielen Jahren gespielt (aber nie durch-gespielt) habe und es grossen Eindruck auf mich verübte. Heute noch beeindrucken mich Setting, Gameplay und Sound und bringen mich zum Schwärmen. Und das ist halt doch was.
Als namenloser Protagonist blickt man eine leicht flackernde Deckenlampe an, es ist ruhig, man hört das Knistern der Lampe und ein dezentes Warnsignal. Nach 2 Sekunden ist klar, dass man in Problemen steckt. Dann richtet sich die Kamera aufrecht, der Protagonist erhebt sich. Und damit ist die einzige Nicht-Spieler-Interaktion und "Halb-Cutscene" im ganzen Game abgeschlossen.
Man spielt einen namenlosen Gefangenen, dessen Gefangenentransport, ein Raumschiff, zusammen mit der Crew auf einen gottverlassenen Planeten abgestürzt ist. Eigentlich ist dies alles, was man in den nächsten Minuten über die Gründe für die aktuelle Situation erfährt. Das Schiff ist schwer beschädigt und die Besatzung plus Gefangene sind entweder tot oder vor unbestimmter Zeit geflohen. Noch im ersten Raum findet man einen Universal Translator, der fortan jegliche Inschriften, Logs und Notizen übersetzt und anzeigt, die der Spieler findet. Üblicherweise liegt in der Nähe einer Leiche auch eine Nachricht, wobei man den Namen der Person und die groben Umstände ihrer letzten Stunden erfährt.
Unreal ist ein düsteres Spiel. Das Leveldesign überzeugt mit dunklen Gängen, grossen und kargen Flächen, enormen, bedrohenden Gebäuden und Apparaturen. Man sucht sich seinen Weg durch das Schiff und gelangt schliesslich nach draussen. Bald trifft man auf den ersten der Nali, ein friedliches Sklavenvolk, unterdrückt von den Skaarj (sprich: "skahr"). Häufig sind sie tot, doch wenn sie leben und man erfolgreich alle Gegner tötet, die sich in der Umgebung befinden, zeigen sie sich in der Regel erkenntlich, indem sie eine geheime Tür öffnen oder einem zu etwas Munition oder Heilung führen. Dann meditieren sie schwebend in der Luft und teleportieren schliesslich weg.
Dies zu dem. Nach dem Schiff beginnt eine immense Reise durch Minen, futuristische Anlagen, arme Nalidörfer und Tempeln. Die Rrajigar Mine. Der Suntower. ISV-Kran. Dark Arena.
Der immer präsente Feind sind die Skaarj und später häufig auch die Mercenaries. Dazwischen gibt es Brutes, Titanen und allerlei sonstige Alpträume. Unterwegs findet man Waffen, Heilung und Munition.
Der Punkt ist, man ist alleine. Niemals im ganzen Spiel trifft man auf einen lebenden Mitmenschen. Das Gefühl der Einsamkeit und Hilflosigkeit auf einem grausamen Planeten ist einzigartig. Man überlebt. Man versucht, aus dieser Hölle zu fliehen. Und es ist ein langer, harziger Weg.
Die meisten der Waffen, die in der noch heute aktuellen UnrealTournament-Reihe vorkommen, orientieren sich unverkenntlich den Vorbildern aus Unreal. Die AutoMag, die FlacCannon, die MiniGun und wie sie alle heissen, kommen vor, quasie in "< bekannter Manier". Ja, die Zeiten, als man noch 10 weissderteufelwieschwere Waffen und nochmals so viel Munition mit sich tragen konnte... Hach.
Den Soundtrack halte ich heute noch für phänomenal. Ich weiss halt nicht. Ist nichtmal mein bevorzugter Musikstil. Es ist simples Zeug, elektronisch. Aber ich weiss halt nicht, es hat Seele, es hat Atmosphäre. Wunderschöne Instrumentallieder, während man die Weiten eines Tals durchschreitet - sehr schön. Einfach sehr schön.
Dies zu Unreal. Ich hoffe, ich konnte ein paar Eindrücke rüberbringen. Zur Hilfe unten noch ein paar Screnshots.