Ich kann allen nur empfehlen, das, was Özil anprangert und das, was er als seine Empfindungen beschreibt, ernst zu nehmen und einmal seine eigenen Reflexe, ihm das abzusprechen, ihm Kalkül zu unterstellen, etc., hinten an zu stellen.
Und dann den Mitmenschen zuzuhören, die ebenfalls einen sogenannten "Migrationshintergrund" haben und sich nicht von der Mehrheitsgesellschaft als Deutsche anerkannt fühlen.
Ich folge einigen Leuten bei Twitter, denen der Umgang mit Özil und das, was Özil in seiner Erklärung ausdrückt, sehr nahe geht.. Weil sie das tagtäglich erleben. Und weil sie das reflexhafte Absprechen von eigenen Rassismus-Erfahrungen durch Menschen, die priviligiert genug sind um Diskriminierung selbst nicht erleben zu müssen, nur zu gut kennen.
Beispielhaft ein Text dazu aus dem MiGAZIN (Migration in Germany):
Nerv getroffen - Die historische Tragweite des Rücktritts Özils
"Denn für viele Menschen mit Zuwanderungsgeschichte steht der Fall Özil längst nicht mehr nur noch für sich selbst, sondern erkennen sie in ihm ihre eigene Lebensrealität in Deutschland. Der öffentliche Umgang mit diesem deutschen Spitzensportler hat in vollen Zügen ihren migrantischen Nerv getroffen und sie an all das erinnert, was ihnen selbst wiederkehrend im Alltag und bei der Stellen- und Wohnungssuche widerfahren ist.
Durch Özil wurde ihnen deutlich vor Augen geführt, was sie lange gefühlt, aber schwer in Worte fassen konnten. Ein Gefühl, das dem sonst wortkargen Özil in seiner dreiteiligen Stellungnahme gekonnt zum Ausdruck zu bringen gelang. Zum Beispiel, wenn er davon spricht, nur dann als Deutscher zu gelten, wenn die Mannschaft einen Sieg einfährt, hingegen aber wieder ein Migrant zu sein, wenn sie verliert. Oder, wenn er darauf hinweist, dass das Foto mit dem türkischen Präsidenten nur ein Vorwand gewesen ist, um den versteckten gesellschaftlichen Rassismus an ihm ausleben zu können. Oder, wenn er thematisiert, dass er letztendlich immer wieder – nachweislich auch ganz ohne Erdoğan-Foto – auf die Herkunft seiner Eltern reduziert wird und wegen seiner muslimischen Religionszugehörigkeit eine Andersbehandlung erfährt.
Dass der gemeine Migrant(ennachkomme) sieht, dass all das, was er selbst nur allzu gut kennt, sogar einem Özil widerfahren kann, bestätigt ihn nicht nur darin, dass seine Gefühle ihn bisher nicht getäuscht haben. Es kommt in ihm vielmehr eine weitaus stärkere Resignationsstimmung auf, als sie ohnehin schon in den letzten Jahren zunehmend in ihm und seinem migrantischen Umfeld aufgekommen ist. Denn er weiß nun, dass er machen kann, was er will, aber niemals als vollwertiger Deutscher akzeptiert werden wird und sich auf ein Leben als ewiger Ausländer einstellen muss."
Wie gesagt, einfach solche Stimmen aufnehmen, den Menschen zuhören, und vielleicht mal reflektieren warum es einem aus der eigenen gesellschaftlichen Position heraus vielleicht auch Mal schwer fällt, genannte Punkte und Klagen nicht direkt nachvollziehen zu können.
Mal versuchen, nicht direkt argumentativ draufloszupoltern und Sichtweisen anzugreifen.
Denn das ist die Realität in Deutschland. So fühlen Migrant*innen in diesem Land, die eigentlich nur als Deutsche anerkannt werden wollen weil sie Deutsche
sind.
edit: Auch hier:
Mesut Özil und der Rassismus im Alltag - die stille Mehrheit kann mich mal (Kommentar auf SpOn)
edit2: Oder hier (Thread auf Twitter, anklicken und auch die Kommentare beachten)