The Chaser:
Mittlerweile hat jeder 10. Koreaner den Film "The Chaser" gesehen. Und das zu Recht, denn die südkoreanische Produktion zeigt wie ein skrupelloser Thriller auszusehen hat.
Seitdem er, wegen einer Korruptionsaffäre, seinen Job bei der Polizei verloren hat, schlägt sich Jung-Ho als Zuhälter durchs Leben. Das Geschäft läuft jedoch nicht sonderlich gut: in der letzen Zeit verschwindet ein Callgirl nach dem anderen. Der menschenverachtende Ex-Cop vermutet zuächst, dass die Konkurrenz hinter dem Verschwinden steckt oder sich die Frauen einfach aus dem Staub machen, bis ihm auffällt, dass sie zuletzt alle den gleichen Kunden hatten. Als ihm seine alten Polizeikollegen nicht helfen möchten, macht sich Jung-Ho alleine auf die Suche nach seinem letzten Callgirl, die junge Mutter Mi-jin, das er soeben zum mutmaßlichen Mörder geschickt hat...
Auf den ersten Blick klingt die Handlung nicht sonderlich außergewöhnlich. Bedenkt man jedoch, dass dies gerade einmal die ersten 15 Minuten des zweistündigen Thrillers sind, kann man sich denken, dass noch einiges an Story auf einen zukommt.
Regisseur Na Hong-jin, der mit "The Chaser" sein erstes Werk abliefert, schafft es den Zuschauer im Verlauf des Filmes immer wieder hinters Licht zu führen. Überraschend anders ist hier die Tatsache, dass der Mörder schon nach wenigen Minuten gezeigt und nach nichtmal der ersten Filmhälfte von der Polizei geschnappt wird. Die Spannung wird also nicht durch die Unwissenheit des Zuschauers erzeugt, sondern durch eine Aneinanderreihung von Fehlurteilen und bösen Zufällen. So weist der Film nicht nur einen einzigen, großen Endtwist, sondern gleich mehrere überraschende Wendugen auf, welche die Spannungsschraube, bis zum harten und bösen Ende, gehörig anziehen. Nicht selten habe ich gedacht "Jetzt ist der Film vorbei. Happy End, alles wunderbar." und plötzlich schlägt die Handlung einen schockierenden Haken, der das erwartete Ende komplett über den Haufen wirft.
In der packenden Geschichte, welche übrigens auf wahren Begebenheiten beruht, gibt es jedoch auch kleinere Durchhänger. Im Mittelteil des Films gibt es Momente, in denen sich Ansätze von Längen herauskristallisieren, welche sich glücklicherweise aber nie richtig ausprägen können. Auch die Vorgehensweise und das Verhalten der Polizei wird stellenweise sehr unglaubwürdig dargestellt. Zwar wurden die Polizisten von Regisseur Hong-jin mit Absicht so überfordert und nichtsnutzig dargestellt, da er damit Kritik an der, angeblich auch in der Realität, beschämenden südkoreanischen Polizei üben wollte, aber zwischenzeitlich gab es einfach einige zu "bescheuerte" Situationen.
Ansonsten kann "The Chaser" voll punkten. Die Inszenierung ist auf einem handwerklich sehr hohem Niveau und jeder einzelne Schauspieler überzeugt in seiner Rolle. Dafür, dass es sich hier um ein Regiedebut handelt, bekommt man es mit einem durchdachten und perfekt umgesetzten Thriller zu tun. Eine solche Leistung bekommt nicht Jeder beim "ersten Mal" hin - Hut ab vor Na Hong-jin!
Fazit:
"The Chaser" ist ein unglaublich fesselnder, skrupelloser und bösartiger Thriller aus Fernost. Die Story ist brilliant, versüßt einem das Erlebnis mit vielen Überraschungen und endet mit dem wohl miesesten Finale, das ich seit geraumer Zeit gesehen habe. Wenige Längen im Mittelteil und ein paar unglaubwürdige Szenen trüben den Spaß. Das jedoch nur in sehr geringem Maße. Genreliebhaber werden sich köstlich "amüsieren". Dieser Film hat es, meiner Meinung nach, verdient in einem Atemzug mit anderen asiatischen Top-Thrillern, wie "Infernal Affairs" oder "Oldboy" genannt zu werden.
Dass "The Chaser" ein grandioser Film ist, hat übrigens auch Hollywood bemerkt. Nur wenige Wochen nach dem koreanischen Kinostart im Frühjahr, wurde schon das US-Remake angekündigt. Verantwortlich dafür ist das "The Departed"-Team zusammen mit Leonardo DiCaprio. Ich bezweifle jedoch, dass Hollywood sich traut das skrupellose Ende des Originals umzusetzten. Naja, dann bekommen wir halt wieder eine typische, weichgespühlte US-Version zu sehen...
8/10 Punkte, mit klarer Tendenz zur 9.