Um es mit den Worten von Groot zu sagen:
"Ich bin Groot.", was so viel bedeutet wie
"Guardians of the Galaxy ist der beste Sci-Fi-Flick der letzten Jahre.". Marvel erweckt sein extraordinäres Guardians-Universum gekonnt zum filmischen Leben und erschafft damit eine waschechte Space Opera, wie man sie zuletzt in den 80ern im Kino erleben durfte. Es ist fast so als hätten
Flash Gordon, Star Wars und das Marveluniversum ein Kind gemacht. Sogar einige
Indiana Jones-Vibes kann man erkennen.
Aber von vorne. Die Guardians sind ein kunterbunter Haufen von Aliens. Ein sprechender, Waffennarr-Waschbär namens Rocket, seine kräftige Zimmerpflanze Groot, Auftragskillerin/Weltraumamazone Gamora, der rachsüchtige Muskelberg Drax und der freche Erdling Peter Quill, der sich selber auch gerne Star Lord schimpft. Hier treffen sie das erste Mal aufeinander und streifen daraufhin durch die Galaxie, wo sie actionreiche Sci-Fi-Abenteuer voller skurriler Außerirdischer, ferner Planeten und böser Buben, die mit Hilfe von übernatürlichen Massenvernichtungswaffen die Weltallherrschaft an sich reißen wollen, erleben. Nein, rein auf den Inhalt reduziert ist
Guardians of the Galaxy sicherlich keine Offenbarung, was dem Spaß jedoch keinen Abbruch tut, besitzt die Geschichte doch alle wichtigen Grundzutaten für ein rasantes Sci-Fi-Spektakel. Wunderbar ist auch, wie die einzelnen Fäden des gesamten Marvel-Filmuniversums langsam zusammenlaufen und tatsächlich ein großes Ganzes ergeben. So gibt es diesmal zwar keine direkten Verweise auf die anderen Marvelfilme, aber doch reichlich interessante Randerscheinungen und schleichende Handlungsprozesse (bspw. die Verbindung zu Thanos und dem Artefakt) welche die einzelnen Filme zunehmend verbinden.
Was
Guardians of the Galaxy ausmacht sind aber weder die uralte Weltenretter-Story, noch die grandiosen Effekte und verspielten Sets und Masken - darauf werde ich auch gar nicht weiter eingehen. Dieser Film ist eine neue, teure Marvel-Vorzeigeproduktion, da kann man sich vorstellen, dass er auch entsprechend gut aussieht. Es sind die Charaktere, die namensgebende Gruppe liebenswerter Außerirdischer, auf die ich ausnahmsweise mal ein paar Worte mehr verschwenden möchte, tragen sie doch den gesamten Film.
Peter Quill - Chris Pratt: Chris Wer? Die meisten dürften Chris Pratt wahrscheinlich nicht kennen. Ok, er spielt seit mittlerweile sieben Jahren in der erfolgreichen Serie
Parks and Recreation eine wunderbare Rolle, die aber auch nur Fans eben jener Sitcom bekannt sein dürfte. Ansonsten ist er, vor allem im Blockbusterbereich, eigentlich nie aufgefallen. Gerade deswegen muss man den Verantwortlichen für diesen Casting-Glücksgriff danken. Mit weniger Speck und dafür deutlich mehr Muskeln auf den Rippen sieht Pratt nicht nur aus wie ein waschechter Outlaw, sondern verhält sich auch so. Er spielt den vorwitzigen Space-Cowboy mit einer ungeheuren Überzeugung, sodass man ihn gleich ins Herz schließt, auch wenn sein Charakter herkunftsbedingt (er ist schließlich ein schwacher Mensch) keine außergewöhnlichen Fähigkeiten besitzt. Ja, er hat eindeutig das Zeug zum neuen Han Solo und ist das charmante Bindeglied zwischen den anderen Guardians. Allein schon seine regelmäßigen Tanzeinlagen - Formidable!

Tolle Figur, hervorragende Besetzung.
Gamora - Zoe Zaldana: Zoe macht nicht nur in Avatar-blau, sondern auch in grün eine hervorragende Figur. Als rational denkende Weltraumamazone stellt sie sozusagen das Gegenstück zu Quill da. Gewohnt starke Präsenz, Zoe ist super.
Rocket und Groot: Wer waren noch R2D2 und C3PO? Han Solo und Chewbacca? Rocket und Groot sind das neue Sci-Fi-Traumpaar und eindeutig die humoristischen Stichwortgeber des Films. Die etwas albern anmutende Ausgangssituation, nämlich, dass die beiden eigentlich ein sprechender Waschbär und laufender Baum sind, vergisst man bei ihren (einseitigen) Dialogen und gänsehautwürdigen "Action-Solos" ganz schnell.
Drax - Bautista: Ja, genau, WWF Bautista spielt hier den grobschlächtigen Muskelberg. Eine Rolle, die er bereits in
The Man with the Iron Fists inne hatte, was meiner Meinung nach ziemlich in die Hose ging. Er ist nämlich einfach kein guter Schauspieler. Und genau hier beweisen die Autoren der Guardians Fingerspitzengefühl und verbinden stereotype Bodybuilder-Klischees (
"Nichts geht in meinen Kopf!" 
) und fast schon kindisches Auftreten mit einer ungewöhnlich blumigen Aussprache. Das passt! So braucht Bautista nämlich gar nicht viel schauspielern, ist trotzdem glaubwürdig und sorgt regelmäßig für (gewollte) Lacher.
Nebencharaktere: Nicht vergessen darf man die ebenfalls fantastisch gecasteten Nebencharaktere. Egal ob Karen Gillan, Glenn Close oder Benicio Del Toro, die Besetzung ist bis in die hinterste Rolle hervorragend. Fast schon zu gut, werden diese Figuren, gemessen an den schauspielerischen Talenten ihrer Darsteller, eigentlich verheizt und mit wenigen Filmminuten abgespeist.
Guardians of the Galaxy lebt eindeutig von seinen wundervollen Charakteren. Bemerkenswert bei der Fülle an unterschiedlichen Köpfen ist vor allem, dass wirklich jeder seine eigene Bühne spendiert bekommt, authentisch erscheint und sich perfekt in das Gesamtbild einfügt.
Mein zweites Highlight, neben der (Anti)Heldentruppe an sich, ist eindeutig der Humor. Bisher waren alle Marvelfilme mehr oder weniger humorvoll. Bei
Iron Man ist es Stark, der mit seinen zynischen Sprüchen den Ton an gibt, bei
Thor ist es der Kulturenkonflikt zwischen nordischen Göttern und Menschenwelt, der einen immer wieder schmunzeln lässt. Die Guardians sind da ein wenig anders. Hier gibt es nämlich keine einzelnen humortechnischen Schwerpunkte. Stattdessen ist der gesamte Film, von der ersten bis zur letzten Einstellung, durch und durch selbstironisch. Selbst emotionale Momente, wie der Beinahetod einer Hauptfigur, werden durch freche Zoten aufgebrochen, jedoch nie so, dass es lächerlich oder gewollt rüberkommt, sondern absolut glaubwürdig und teilweise wirklich unheimlich lustig. Der Gefängnisausbruch gehört da eindeutig zu meinen Lieblingsmomenten, da er Humor, Action und die Eigenheiten der jeweiligen Filmfiguren perfekt verbindet.
Nun mag man sich fragen, ob es an diesem Film überhaupt etwas zu kritisieren gibt. Ja, durchaus. Da wäre beispielsweise die verhältnismäßig blasse Bedrohung, die nie wirklich heraussticht und eher als harmloses Übel irgendwo im Storyhintergrund mit schwimmt, weshalb dann auch das Finale zwar sexy aussieht, aber an Spannung vermissen lässt. Der Erzählfluss ist zwischendurch zudem etwas holprig und zerfahren. Wobei es natürlich auch nicht einfach ist, eine derart heterogene Heldentruppe, deren Origin-Stories sich durch das gesamte Filmuniversum ziehen, in lediglich 120 Minuten einzuführen, sie zu einer funktionierenden Einheit zu verschmelzen und dann auch noch in die bereits bestehenden Marvel-Produktionen einzuordnen. Da hatte es ein
The Avengers, durch die jeweiligen Einzelfilme, natürlich leichter. Von daher würde ich hier zwar von vertret-, aber auch absolut verschmerzbaren Kritikpunkten sprechen, die in diesem Meer aus Wahnwitz, Action, Sympathie und guter Musik eh untergehen.
Insgesamt kann ich nur sagen: Fa-bel-haft! Die Guardians massentauglich zurechtzustutzen war sicherlich kein leichtes Unterfangen. Um so erstaunlicher ist das atemberaubende Endergebnis, voller Charme, Witz und spannender Sci-Fi-Motive. Ganz ehrlich: Gebt den
Guardians of the Galaxy ein wenig Zeit und Raum sich zu entfalten, ein paar Filme mehr, und ich bin mir sicher, dass wir sie in Zukunft in einem Atemzug mit Filmreihen wie
Star Wars oder
Indiana Jones nennen werden. Wir haben es hier nämlich mit einem ganz klassischen Sci-Fi-Abenteuer-Universum zu tun, das noch Unmengen interessanter Geschichten beherbergt. Also: Die Fortsetzung kann kommen, gerne gleich mehrere und eine Serie oder sogar ein Videospiel - damit hat Regisseur James Gunn schließlich schon Erfahrung (mitgewirkt hat er u.a. an Lollipop Chainsaw und LocoCycle

).
Muss ich da jetzt überhaupt noch eine Punktzahl vergeben? Kann sich doch eh jeder denken, auf was es hinausläuft.

Aber ok, hier also für die lesefaulen (tut mir leid, dass es so viel geworden ist) ein Kurzfazit und die Punkte:
Oberaffentittengeil! Anschauen! Ich bin Groot!
10/10 Awesome Mixes