Bates Motel - Staffel 1
Bates Motel erzählt die Vorgeschichte zu Hitchcocks Klassiker
Psycho, genauer gesagt wie Norman Bates, der Psycho aus
Psycho, überhaupt zum Psycho wurde. Ein nicht gerade einfaches Unterfangen, vor allem wenn man sich den heutigen Sehgewohnheiten anpassen und Hitchcocks Erbe trotzdem Tribut zollen möchte. Um so überraschter bin ich vom Endprodukt, das schlicht und ergreifend grandioses Charakterkino ist. Wer hätte gedacht, dass es in der Jugend von Norman Bates so viel Spannendes und bereits Verstörendes zu erzählen gibt?
Bates Motel verschreibt sich ganz seinen außergewöhnlichen Charakteren, die in ihrem Handeln irgendwo zwischen mitleiderregend, nachvollziehbar rational und wiederum beängstigend irrational schwanken. Im Mittelpunkt steht dabei das anormale Verhältnis zwischen Norman und seiner Mutter und wie ein ruhiger, aber gar nicht mal so unbeliebter junger Mann zu einem Serienmörder wird. Ein schleichender Prozess, der hier erzählerisch und schauspielerisch absolut brillant, intensiv und angsteinflößend umgesetzt wird. Jedoch ist es nicht nur die kaputte Familie Bates, die für Herzklopfen sorgt, sondern auch die nicht minder bedrohliche Kleinstadtumgebung, in der sich ebenfalls einige abartige Dinge zutragen. Das Ergebnis sind schweißtreibende Spannungsspitzen und erschreckende wie überraschende Entwicklungen. Nein, zimperlich geht es in
Bates Motel nicht zu, was die Serie auch gleich in der ersten Folge klar stellt. Dass sich in der 10-teiligen Staffel ungewöhnlich viel Verstörendes in einer relativ kurzen Zeitspanne ereignet, mag zwischenzeitlich durchaus etwas unglaubwürdig und konstruiert erscheinen, hievt das Spannungsniveau aber in ungeahnte Höhen.
Aber was wäre eine intensive Handlung ohne Schauspieler, die sie vernünftig erzählen können? Zum Glück fährt
Bates Motel ein Ensemble auf, das den Zuschauer mit seinen schauspielerischen Facetten und emotionaler Bandbreite förmlich aus den Socken haut. Allen voran das beängstigend-grandiose Mutter-Sohn-Gespann, bestehend aus der ausdrucksstarken Vera Farmiga (
Orphan, Conjuring) und einem unglaublichen Freddie Highmore, der in Tim Burton's
Charlie und die Schokoladenfabrik noch den kleinen, sympathischen Jungen mimte und hier zum waschechten Psychopathen wird. Unterstützt von einem hervorragenden Nebencast, u.a. Nestor Carbonell (Lost), Nicola Peltz (Michael Bay's neustes Eye Candy im kommenden
Transformers 4) und die hinreißende Newcomerin Olivia Cooke (Zuckersüß! Ihre tiefbraunen Rehaugen sind einfach ein Traum.

), wird diese schrecklich-schöne Welt zum glaubhaften Leben erweckt.
Dazu trägt auch das hervorragende Produktionsdesign bei, welches die Atmosphäre des Originals gekonnt in die Gegenwart transferiert und so ein modernes Bild der 60er Jahre erschafft. Wenn sie nicht gerade ihre iPhones benutzen, könnte man meinen, die Zeit sei dort stehen geblieben. Die Kostümarbeit und Kulissen sind nämlich fantastisch.
Ich bin von
Bates Motel absolut begeistert. Eine verstörende Reise in die Lebenswelt eines angehenden Serienmörders. Das ist vielschichtig, ergreifend, pervers, unheimlich spannend und erschreckend. Über einige schon fast zu sehr auf Überraschung gebürstete Storyentwicklungen sehe ich bei dem fulminanten Gesamtbild dieses Charakterthrillers gerne hinweg.
9/10 Mangas
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