Ich muss leider gestehen, dass ich ein klein wenig enttäuscht bin. Nach den überwältigenden Kritiken und der grundlegenden Tatsache, dass Tarantino einen Western macht (= Epic Win!), habe ich doch etwas mehr erwartet. Was jetzt nicht heißt, dass
Django Unchained ein schlechter Film ist. Ein minimal enttäuschender Tarantino ist schließlich immer noch sehr viel besser als die meisten anderen Filme, nur gab es dann doch den ein oder anderen Punkt, der mich hier gestört hat.
Da das Meiste an diesem Film jedoch immer noch genial ist, werde ich mich diesmal hauptsächlich auf die Kritikpunkte versteifen. Versteht mich also nicht falsch, wenn ich hier jetzt augenscheinlich nur meckere. Ich finde den Film super, nur eben nicht so perfekt wie er hätte sein können.
Aber erst mal kurz das Positive zusammengefasst: Die Dialoge sind, wie nicht anders zu erwarten, absolute Spitzenklasse. Scharfzüngig, unterhaltsam und geistreich. Das Kapuzen-Streitgespräch: Der Wahnsinn!

Das ist durch und durch Tarantino und damit einfach nur genial! Die gewohnt dialoglastige Erzählweise, mit urplötzlichen Gewaltausbrüchen und perfekter Musikuntermalung kann sich ebenfalls sehen lassen und die Schauspieler... was soll man da groß sagen? Oscarreifes Over-Acting. Spitze!
So, jetzt aber zum Negativen: Ich habe hauptsächlich einen großen Kritikpunkt:
Django Unchained ist ein gutes Stück zu lang. Die ersten 1,5 Stunden fand ich herausragend. Von einigen sprunghaften Szenenwechseln mal abgesehen, war das grandioses Erzählkino. Auf den Punkt gebrachte Dialoge, spannende Figuren und eine angenehme Mischung aus Emotionen, Witz und überzeichneter Action. In dem Moment, wo sich unsere Protagonisten auf den Weg nach "Candyland" machen, war bei mir jedoch (überspitzt ausgedrückt) die Luft raus. Das herrlichen Aufeinandertreffen zwischen Dr. King Schultz und Calvin Candie mal ausgenommen, war der Spannungsbogen zu diesem Zeitpunkt bereits im Keller. Spätestens nach der Schießerei hätte da Schluss sein müssen. Stattdessen gibt's noch einen halbstündigen, kaum nachvollziehbaren und zähen "Rachefeldzug". Das ganze Finale hat sich meiner Meinung nach eher angefühlt wie eine typische "Entfallene Szene" aus dem Bonusmaterial der Heimkinoauswertung und meine Nerven damit durchaus auf eine kleine Probe gestellt (außerdem musste ich da dringend aufs Klo

).
Dazu kommt noch, dass Django, obwohl er der namensgebende Hauptcharakter ist (ja, Tarantino hat selten nur eine einzelne Hauptfigur, trotzdem dreht sich die Geschichte nun mal um ihn), die mit abstand langweiligste Figur des Stückes ist. Er ist wortkarg, nicht besonders helle, hat weder eine sonderlich spannende Vergangenheit, noch eine interessante Zukunft (Will halt seine Frau retten... joa, soll er doch machen.). Nicht mal außergewöhnlich "lässig" fand ich ihn. Er war halt da, hatte ein, zwei nette Szenen, ansonsten aber keine originellen Charakterzüge vorzuweisen. Auch aus Broomhilda hätte man in diesem Zusammenhang noch viel mehr rausholen können. Irgendwie war mir das Schicksal der beiden ziemlich egal.
Überhaupt fand ich die Handlung nicht gerade herausragend. Jetzt mal ehrlich, das ist 'ne stinknormale, lahmarschige Befreiungs-Rache-Story, der zudem noch die erinnerungswürdigen Höhepunkte fehlen. Die Intensität eines
Inglourious Basterds, Kill Bill (1) oder
Pulp Fiction erreicht
Django Unchained in meinen Augen jedenfalls nie.
Aber wie gesagt, das klingt nun wahrscheinlich sehr viel schlimmer als ich es eigentlich meine. Tarantino hat auch hier wieder einen hervorragenden, sehenswerten und unterhaltsamen Dialogfilm erschaffen. Dennoch bin ich der Meinung, dass die Überlänge, in Verbindung mit dem Potential verschenkenden Drehbuch, das Seherlebnis merklich schmälert. Da fand ich
IB oder auch
7 Psychos irgendwie kurzweiliger, spritziger und daher insgesamt auch etwas besser.