Im Prinzip kann ich hier auch meine Kritik zum ersten Teil abschreiben. Wie schon Guy Ritchie's erstes Holmes-Abenteuer, gefällt mir nämlich auch
Spiel im Schatten hervorragend. Es ist eine klassische, durchdachte Kriminalgeschichte, modern inszeniert, in wunderschöne Bilder verpackt und von grandiosen Darstellern verkörpert.
Dass Sherlock dabei nur sehr wenig mit der Inverness-Mantel und Jagdkappe tragenden Vorlage zu tun hat, ist mir - auf gut Deutsch gesagt - scheiß egal. Ganz im Gegenteil. Robert Downey Jr. ist ein hervorragender Holmes. Ein trinkender, pöbelnder und dennoch liebenswürdig-schräger und intelligenter Sherlock, der nicht nur gut kombinieren, sondern auch mal austeilen kann, was für einen hohen Unterhaltungswert sorgt. Ihm zur Seite steht ein gewohnt grandios aufspielender Jude Law, sowie einige interessante Neuzugänge, wie etwa Noomi Rapace.
Diesmal kann sogar Holmes' Gegenspieler vollends überzeugen. Während Mark Strong im Vorgänger zwar durchaus seine Momente hatte, ansonsten aber eher wie ein austauschbarer Kleinkrimineller wirkte, bekommt der Meisterdetektiv in seinem neusten Fall einen wahrlich ebenwürdigen Gegner vorgesetzt. Professor James Moriarty (Jared Harris) ist nicht umsonst Holmes' Nemesis. Ein überaus cleverer und dadurch ausnahmsweise auch wirklich bedrohlicher Bösewicht, der sogar unseren Super-Kriminologen hinters Licht führen kann. Ein mitreißender Spannungsbogen ist damit vorprogrammiert.
Die Handlung erscheint dabei auch in der Fortsetzung wieder etwas konstruiert, was in diesem Fall aber absolut in Ordnung ist. Wenn ich einen vorhersehbaren Krimi möchte, schaue ich Tatort.
Sherlock Holmes muss verwirrend und wendungsreich sein und darf auch dementsprechend durchkonstruiert werden. Insgesamt bewegt sich die Story, bis auf den sehr viel besseren Antagonisten, also auf einem ähnlichen Niveau wie die des Vorgängers, wobei mir die reine Ermittlungsarbeit in
Spiel im Schatten dann doch ein wenig zu kurz kommt. Da erschien mir das Gleichgewicht aus Beweise suchen und kombinieren, Dialogen und Action im Erstling ausgewogener.
Was diesmal jedoch sehr viel spektakulärer ausfällt, ist die Inszenierung. Die Schauplätze sind abwechslungsreich, die Sets und Kostüme glaubwürdig und detailliert und die rasante Action ist zudem merklich wuchtiger ausgefallen. Ritchie's Zeitlupen- und Zeitrafferaufnahmen dürfen da natürlich nicht fehlen. Besonders gut gefallen mir auch hier wieder die Schlägereien, in denen Holmes zunächst, in einer kurzen Zeitlupenvorschau, erläutert auf welche Art und Weise er seine Gegner aus dem Weg räumen wird. Das sieht nicht nur super aus, sondern verdeutlicht auch Holmes' gute Beobachtungsgabe. Der treibende Soundtrack rundet das gelungene Gesamtbild schlussendlich noch perfekt ab.
Schauspieler, Action, Dialoge und Inszenierung - Da stimmt nahezu alles. Auch
Spiel im Schatten ist wieder eine gelungene (Neu-)Interpretation einer angestaubten Vorlage. Ein unterhaltsamer, cleverer und zeitgemäßer Blockbuster. Mir gefällt der Ritchie-Holmes übrigens auch sehr viel besser, als die aufgesetzte BBC-Serien-Variante.
Lediglich Noomi Rapace's deutsche Synchronstimme nervt, da ich, sobald sie den Mund aufmacht, immer Bart Simpson vor mir sehe.
