Da kommt meine rettende Kritik ja gerade recht...
Habe den Film auch eben geguckt. Sogar komplett.
In Anbetracht meiner Erwartungshaltung, nach Paul W.S. Andersons
Resident Evil: Afterlife-Debakel, ist
Die drei Musketiere 3D die wohl größte positive Blockbuster-Überraschung der letzten Zeit. Ja, ich gebe es zu und schäme mich auch nicht: Mir hat dieser Film überaus viel Spaß bereitet!
Storytechnisch passiert hier nicht gerade viel. Anderson war noch nie ein großer Geschichtenerzähler und wird wohl auch nie einer werden. Mit dementsprechend wenig Gefühl für Handlung und Charaktere hat er auch dieses Werk umgesetzt. Die simple Verschwörungsstory ist zwar nicht schlecht, wirkt jedoch sehr sprunghaft und unausgereift, die Figuren bleiben, bis auf wenige Ausnahmen, blass und die teils lächerlich-sinnlosen Dialoge gewinnen ebenfalls keinen Blumentopf. Zudem darf hier natürlich auch wieder Milla Jovovich ihre gewohnt peinliche Ein-Frau-Show abziehen und ein bisschen in Zeitlupe durchs Bild hüpfen. Ne, ich mag die einfach nicht, was aber nicht unbedingt an ihrer Person, sondern vielmehr an ihren eindimensionalen, immer gleich guckenden, Rollen liegt, die sie von ihrem Mann spendiert bekommt. Milla, mach doch bitte nochmal was anderes. In
A Perfect Getaway warst du doch so sympatisch-süß...
Was
Die drei Musketiere jedoch sehenswert macht sind zum einen die sehr charismatischen Darsteller (neben der drei bzw. vier Hauptdarsteller begeistern vor allem Waltz, Bloom und Mikkelsen in ihren Nebenrollen) und zum anderen die Liebe zum Detail. Im Gegensatz zur merklich lieblos heruntergedrehten Gelddruckmaschine
Resident Evil, in der sich eintönige Sets mit miesen Greenscreen-Aufnahmen abwechseln, haben sich die Kulissenbauer hier sehr viel Mühe gegeben. Das Frankreich des 17. Jahrhunderts wirkt überraschend glaubwürdig, stimmig und strotzt nur so vor Details. Hier zeigen sich mal wieder die Vorteile der hohen Blu-ray Auflösung. Jede liebevoll gestaltete Naht an den aufwändigen Kostümen, jede goldene Applikation an den imposanten Gebäuden und jeder einzelner Funke und Splitter während der krachigen Action ist erkennbar und sorgt mit der insgesamt sehr farbenfrohen und künstlerisch ansprechenden Umsetzung für reichlich Sehvergnügen.
Dennoch sollte man hier keinen historischen Degenfilm erwarten, sondern vielmehr eine kurzweilige, sinnbefreite, aber doch irgendwie sehr unterhaltsame Neuinterpretation für die
Fluch der Karibik-Generation. So gibt es natürlich auch regelmäßig explosive Hau-drauf-Action zu bestaunen, die zwar nur selten etwas mit der altbekannten Musketier'scher Kampfkunst zu tun hat, dafür aber ordentlich kracht und bei Laune hält. Ja, ich halte sogar die Luftschiffe für einen großartigen Einfall, der das Finale nochmal angenehm aufpeppt.
Die drei Musketiere 3D ist anspruchslos, teilweise lächerlich und, auf gut Deutsch gesagt, dumm. Aber - ja, jetzt kommt das große MiXeR-ist-leicht-zu-begeistern-Aber - er ist nie langweilig, er ist laut, optisch überaus ansprechend und kurzweilig-unterhaltsam. Es kracht, es scheppert, manchmal schämt man sich kurz fremd, dann knallt es wieder. Hier weine ich meiner Zeit jedenfalls nicht hinterher, wie es noch beim beschämenden
Afterlife der Fall war. Nein, ich würde mich sogar sehr über eine Fortsetzung freuen. Die Vorsitzenden des 1. FC Arte sollten dieses Machwerk besser sofort auf die schwarze Liste setzen, ich hingegen schaue ihn mir sicherlich noch ein zweites Mal an. So und nun tadelt mich! Ich seelenloser, hirntoter Blockbuster-Fanatiker habe es nicht anders verdient!
... ach ne, moment. Noch kurz ein Wort zum 3D-Effekt: Super! Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Erwartungen manche an einen 3D-Film herangehen oder ob ich es bin, der sich einfach nichts anderes Vorstellen kann, aber
Die drei Musketiere gehört für mich zu den besten Live Action 3D-Filmen, die ich kenne. Als erstes ist mir das angenehm helle und kräftige Bild aufgefallen. Verschwinden bei den meisten 3D-Filmen, dank lichtschluckender 3D-Brillen, sehr viele Details und Farben im düsteren Graustufenbrei, gibts hier ein überraschend natürliches und klares Bild zu bestaunen. Zudem besticht die 3D-Umsetzung durch eine spitzen Tiefenwirkung und einige gut eingesetzte Pop-Outs. Uiuiui, bei der finalen Luftschlacht gehts 3D-technisch schon gut zur Sache. Da fliegt einiges durchs Zimmer.

Auch sonst ist das Bild immer scharf, wie zuvor schon erwähnt erkennt man wirklich jedes Detail, und schön ruhig gefilmt. Es gibt sogar ein nettes, aber leider nur sehr kurzes, 3D Making Of, das merkwürdigerweise sogar noch deutlich bessere 3D-Effekte bietet als der Hauptfilm. Da sieht man mal was durch die ganzen Filter und Effekte in der Nachbearbeitung an Natürlichkeit flöten geht.
Zusammenfassend kann ich nur sagen:
Überraschend kurzweiliges Action-Abenteuer, das in 3D erst so richtig bockt.