Da ich gleich zum Dart Turnier fahre kommt mein Review für heute schon jetzt.
@Frequenzberater wartet ja schon drauf:
#5 Hereditary (2018)
Schon nach der ersten Kamerafahrt ist klar, dass sich hier jemand ordentlich was vorgenommen hat. Ein Blick aus dem Fenster hinüber zum Baumhaus, ein Schwenk hin zu einer der Modellbauten bis in das Zimmer eines Jungen Namens Peter der da plötzlich schlafend in seinem Bett liegt. Sein Vater Steve kommt herein und weckt ihn. Eine an Harmlosigkeit eigentlich kaum zu übertreffende Szene. Aber die vorangegangene Kamerafahrt eröffnet nicht nur die Möglichkeit, dass sich alles Weitere tatsächlich in einem kleinen Puppenhaus auf einem Dachboden abspielt, sie beschwört zugleich auch eine unheilvolle Atmosphäre herauf, die in den folgenden zwei Stunden zu einem unerbittlichen Orkan aus Schmerz und Schrecken anschwillt, dem man sich auch als Zuschauer kaum entziehen können wird. Nach dieser ersten Szene des Films der bereits bei seiner Weltpremiere auf dem Sundance Filmfestival für mächtig Aufruhr gesorgt hat, gibt es eigentlich nur noch zwei Möglichkeiten: Der Film wird entweder ein brillantes Meisterwerk oder prätentiöse Kunstkacke.
Ich persönlich habe mir ebenfalls sehr sehr viel erwartet, da sich einige Kritiken im Internet mit Superlativen überschlagen haben, bester Film der letzten 20 Jahre, bester Film der letzten 10 Jahre, usw usw. Ich sage es gleich am Anfang. Für mich ist der Hype nicht ganz gerechtfertigt, das liegt aber eigentlich nur an einem bestimmten Fakt. Welcher werde ich etwas später erläutern.
Was man nach dem ersten schauen zuerst denkt, und was mit als positiver Fakt angesehen werden kann ist der unbedingte Wille zur Perfektion. Das merkt man dem Ergebnis in jedem Moment an. Alles wirkt sehr rund, ohne große Lücken und Pausen, also nahezu perfekt. Zur Story sage ich nichts, wer kann soll hier ohne großen Spoiler ran gehen denn erst dann wirkt der Film so gut. Man kann nur sagen das eine Familie einen großen Schmerz verkraften muss. Selten hat man Schmerz im Kino so unmittelbar gefühlt wie hier und dabei geht es nicht um solche Folterarien wie in Martyrs, sondern ganz einfach um den Schmerz, der sich in einer Familie und ihrem Heim mit der Zeit eben ansammelt. Das wird hier grandios inszeniert, jede Minuten fühlt man die Beklemmung. Diese steigert sich bis zu einem bestimmten Punkt bei dem etwas passiert das einem wirklich fassungslos im Sitz lässt. Diese Szene ruft so ein Unbehagen hervor und man möchte eigentlich das Kino verlassen oder einfach nur weg schauen. Am Ende der Szene starrt einer der Protagonisten mit wässrigen Augen einfach nur noch leer nach vorne, in seinem Ausdruck mischt sich das blanke Entsetzen und die absolute Überforderung. Das ist Horror, der einem selbst dann noch ganz tief ins Mark fährt und sich dort bis lange nach dem Verlassen des Kinosaals festsetzt, wenn man bei den üblichen mechanischen Tricks des Genres wie
Jump Scares schon längst nicht mehr aus seinem Sitz schreckt.
Es passieren dann weitere, eigentlich unwichtig wirkende Sachen doch was man erst danach merkt, baut sich der Horror weiter auf. Unterstützt wird das ebenfalls durch die Darsteller. Alle, wirklich alle sind auf einem so hohen Niveau das es einen schon Angst macht. Jeder trifft und spielt seine Rolle überragend, vorallem die Tochter und die Mutter sind nahezu perfekt in dem Film. Da haben die Verantwortlichen wirklich ein sehr gutes Händchen bewiesen. Das klingt doch eigentlich alles nach dem perfekten Film. Aber nein, für mich hat es eine Sache davon abgehalten der wirklich beste Horrorfilm der letzten Jahre zu sein: Das Ende. Ohne zu viel zu sagen aber wenn "das" die Auflösung sein soll ist es echt schwach. Da hätten sich sicherlich andere Möglichkeiten ergeben die viel mehr gewirkt und gepasst hätten. Ich hab den Film auch zweimal geschaut und wollte wissen ob ich das Ende beim zweiten mal immer noch schlecht finde oder ob es doch anders wirkt, aber nein, das bleibt alles ein sehr fader Beigeschmackt und lässt einen denken: "Schade". Der Film ist so so gut, bricht aber in den letzten 10 Minuten ein und hält ihn von einer Topwertung fern. Sonst aber ist der Film natürlich eine absolute Empfehlung. Die Stimmung ist hier von Anfang an bis zum Finale beklemmend, die Schauspieler sind alle on Point und die Idee hinter der Story ist super. Trotz des Endes ist der Film natürlich ein Must See.