The Dressmaker
25 Jahre nach dem die kleine Tilly (Kate Winslet) des Mordes an einem Jungen beschuldigt und aus der Stadt getrieben wurde, kehrt sie 1951 in ihren Geburtsort zurück, um sich um ihre immer noch dort lebende, demente Mutter zu kümmern und mit den Anschuldigen endlich aufzuräumen.
The Dressmaker ist in erster Linie Rache im australischen Outback, nur anstatt eines Outlaws mit Revolver ist es hier eine verführerische Schneiderin mit Nähmaschine, die Gerechtigkeit verlangt. Geschossen wird daher natürlich nicht, sondern eher pointiert gesprochen und sich mit hübschen Kleidern in die Gunst der ansässigen Frauen genäht, um die Wahrheit über den toten Jungen, an die sich Tilly jedoch selber kaum erinnern kann, endlich aufzudecken. Dabei vereint
The Dressmaker allerlei Genres, vom erwähnten Rache-Film über zarte Romanze und schwarzhumorige Komödie bis hin zur Shakespeare'schen Tragödie.
Die Charaktere sind allesamt schrullig und wirken nicht selten einem Wes Anderson-Film entliehen, ohne jedoch dessen Perfektion in diesem Bereich zu erlangen. Jeder von ihnen hat irgendwo einen Spleen oder Dreck am stecken, der im Verlauf offen gelegt werden möchte. Verkörpert werden sie von einer überaus starken Besetzung, u.a. einer ausdrucksstarken Kate Winslet, dem bodenständigen Sympathieträger und Sunnyboy Liam Hemsworth, einem total verschrobenen Hugo Weaving, einer spitzzüngigen Judy Davis und nicht zuletzt Sarah Snook, die schon in
Predestination eindrucksvoll zeigte, was sie kann.
Der Humor ist nicht zum Ablachen, eher zum hinterhältigen Schmunzeln, die Aufnahmen sind ansehnlich und immer wenn du meinst, du weißt nun wie es läuft, kippt der Film in ein anderes Genre und garniert den romantischen Kitsch beispielsweise mit einer sehr überraschenden Zutat.
The Dressmaker ist überspitztes, australisches Rache-Kino. Humorvoll, gefühlvoll, böse, sexy und absurd. Ein sehr eigener Film, der viel vereint, dies auch über weite Strecken sehr gekonnt, manchmal aber etwas zu dick aufträgt, mit der Tendenz zum Blödsinn und mit der Auflösung des anfänglichen Aufhängers zu früh rausrückt. Nichts für den Fikka, eher was für... Urgs. Obwohl ich mir da auch nicht mehr so sicher bin, nachdem er Z Nation gut fand.
7/10 Fashion Victims